Am Wochenende ist noch mal tierisch was los gewesen in der Nazarethkirche in Bogenhausen. Denn dort feierte Rainer Maria Schießler seine beliebte Viecherlmesse, bei der vom Hund bis zum Hamster allerlei Vierbeiner gesegnet und in die Gebete aufgenommen wurden. Der bekannte katholische Pfarrer war seit Dezember interimsweise in dem evangelischen Gotteshaus untergekommen, da seine angestammte Heimat St. Maximilian im Glockenbachviertel derzeit saniert wird.Die Viecherlmesse war nun aber der finale Auftritt des katholischen Pfarrers in der Nazarethkirche, von der sich die dortige evangelische Gemeinde bereits im September 2025 mit einem letzten Gottesdienst verabschiedet hatte. Wie das denkmalgeschützte Gebäude an der Barbarossastraße künftig genutzt wird? Über diese Frage ist eine Debatte entbrannt, die inzwischen übers Viertel hinausgeschwappt ist – wohl auch, weil die örtliche CSU sie aufgegriffen und die Nachbarschaft zu einem Gesprächsabend eingeladen hat. Überdies schwinge in der Diskussion ein „subtiler fremdenfeindlicher Unterton“ mit, findet Pfarrer Markus Rhinow, der direkt neben der Kirche wohnt und der evangelischen Gemeinde Immanuel-Nazareth vorsteht.Diese war 2012 aus der Fusion der Immanuel- mit der benachbarten Nazarethkirche entstanden, wobei letztere 2024 ans Dekanat München überging. Seine Gemeinde habe damals gehofft, dass sich dort das „Haus der Kulturen und Religionen“ etablieren werde, sagt Pfarrer Rhinow. Doch dieser Plan des gleichnamigen Vereins zerschlug sich, woraufhin das Dekanat nach einem neuen Mieter oder Käufer für die Kirche suchte. Und genau hier entspringt die aktuelle Debatte. Denn die evangelische Kirche erwägt „die Verpachtung oder den Verkauf der Liegenschaft an die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde mit 2500 Mitgliedern in Bayern“.Dieser Satz steht in einem Brief, den die örtliche CSU per Hauswurfsendung in der Nachbarschaft verteilt hat. In dem Schreiben, das unterzeichnet ist von dem Landtagsabgeordneten Robert Brannekämper, Stadtrat Jens Luther und Florian Ring vom Bezirksausschuss Bogenhausen, lädt die Partei zu einem Gesprächsabend über die Zukunft der Nazarethkirche ein. Stadtplanung dürfe „nicht über die Köpfe der Menschen hinweg gemacht werden“, heißt es in dem Brief, über den zunächst der Evangelische Pressedienst berichtet hat. Medien seien bei der Veranstaltung nicht zugelassen, teilt Florian Ring mit. Schließlich solle sie dem „vertraulichen Austausch“ der Anwohnenden mit den CSU-Mandatsträgern dienen.Ebenfalls nicht zugegen bei dem Bürgergespräch sind Vertreter der beteiligten Parteien, also der evangelischen Kirche und der äthiopisch-orthodoxen Christen. „Uns hat diese Veranstaltung überrascht“, sagt Stadtdekan Bernhard Liess. Schließlich habe er noch im März im Gespräch mit Stadträten der CSU vereinbart, dass die Kirche eine Informationsveranstaltung für die Nachbarschaft ausrichten werde. „Wir wollten das machen, sobald die letzten Fragen rund um die Verträge mit der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde geklärt sind.“ Dass die CSU nun auf eigene Faust und ohne Beteiligung des Dekanats zu einem Gesprächsabend geladen habe, nennt Liess „sehr irritierend“.Der Stadtdekan korrigiert die Zahl der zu erwartenden KirchenbesucherSeitens der CSU hält Robert Brannekämper dagegen, dass die Nachbarschaft vor Abschluss der Verträge informiert werden müsse – nicht danach. „Die Kirche hatte ihre Chance, doch sie hat nichts gemacht. Deshalb machen wir jetzt diese Veranstaltung.“ Und Florian Ring moniert: „Die Landeskirche hätte auf die Leute zugehen sollen.“ Schließlich hätten diese mit Blick auf eine mögliche Nutzung der Nazarethkirche durch die äthiopisch-orthodoxe Kirchengemeinde Ängste und Sorgen – vor allem, was eine drohende Verkehrszunahme und den Parkdruck bei Gottesdiensten angehe.Laut Stadtdekan Liess sind derlei Bedenken unbegründet. Anders als im CSU-Brief behauptet, habe die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde nicht 2500, sondern 3500 Mitglieder – jedoch in ganz Bayern. In München seien es bloß 350. „Es ist also nicht damit zu rechnen, dass hier jeden Sonntag 2000 Menschen in den Gottesdienst kommen.“ Zudem verweist Liess auf die guten Erfahrungen, die man an der Riesstraße in Moosach gemacht habe, wo die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde ein Gemeindehaus des Dekanats angemietet habe und als Kirche nutze.Derweil gibt Pfarrer Rhinow zu bedenken, dass die Nazarethkirche schon seit vielen Jahren von der evangelisch-koreanischen Gemeinde genutzt werde. Zu deren Gottesdiensten kämen ebenso Hunderte Gläubige wie zuletzt bei den Messen von Pfarrer Schießler. „Doch da sind mir keine Beschwerden zu Ohren gekommen“, sagt Rhinow. „Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass da jetzt ein bisschen Fremdenfeindlichkeit mitschwingt.“ Wobei dem Pfarrer zufolge die Pläne des Dekanats in der Nachbarschaft „gar nicht so der große Aufreger sind“. Vielmehr glaubt Rhinow, dass das Thema durch die CSU „größer gemacht wird, als es wirklich ist“.Bei den Christsozialen sieht man das naturgemäß anders. „Die Beschwerden der Anwohnerschaft müssen ernst genommen werden“, betont Ring. Und Brannekämper ergänzt mit Blick auf das Bürgergespräch: „Wir sammeln jetzt die Themen der Anwohnerschaft und werden sie dann juristisch prüfen.“ Derweil plant die evangelische Kirche weiterhin einen Infoabend für die Nachbarschaft – unter Beteiligung der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde. Aktuell warte man noch auf ein Gutachten zum baulichen Zustand der Nazarethkirche, sagt Bernhard Liess. Sollte dieses vorliegen und sich danach beide Seiten auf einen Vertragsabschluss geeinigt haben, werde man die Veranstaltung anberaumen – vermutlich im Herbst.
Verkaufs- oder Verpachtungspläne: Streit um die Zukunft der Nazarethkirche
Wie geht es weiter mit der Nazarethkirche in Bogenhausen? Die CSU sieht Diskussionsbedarf angesichts der Pläne der evangelischen Kirche. Deren Pfarrer zeigt sich irritiert.






