Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner steht erneut wegen seiner Kommunikation über den ersten Tag des großen Stromausfalls im Fokus. Anders als zunächst behauptet, habe der CDU-Politiker am 3. Januar vormittags nicht dienstlich zu dem Blackout telefoniert, wie der Tagesspiegel mit Berufung auf Informationen der Senatskanzlei berichtet. Vor 12.45 Uhr sei kein Telefonat geführt worden. Auf dpa-Anfrage äußerte sich die Senatskanzlei nicht weiter dazu.Daran kamen jedoch bald Zweifel auf. Der B.Z. sagte Wegner am 24. März: „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht und möchte mich dafür bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen.“ Die Zeitung berichtete damals, Wegner habe vormittags über Textnachrichten mit seinem Stab kommuniziert, erwähnte aber kein dienstliches Telefonat.Beim Stromausfall waren Tausende Menschen ohne StromIn der letzten März-Woche entschuldigte sich Wegner auch im Landesparlament für seine Kommunikation, ohne auf die Diskussion um seine Telefonate einzugehen.Am 3. Januar hatten mutmaßliche Linksextremisten einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke verübt, Folge war der bislang längste Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte. Im Südwesten der Stadt waren 100 000 Menschen teils tagelang ohne Strom.Wegner war bereits während des tagelangen Stromausfalls in die Kritik geraten, unter anderem, weil er ein etwa einstündiges Tennismatch am ersten Tag gegen Mittag zunächst verschwiegen hatte. Bis heute ist nicht lückenlos klar, mit welchen Stellen er wann auf welche Weise Kontakt hatte.Kritik nicht nur von OppositionNach dem Bericht des Tagesspiegel sagte SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach dem Spiegel über Wegner: „Der menschliche Anstand würde jetzt erfordern, dass er sich zurückzieht. Aber ich fürchte, das werden die Berlinerinnen und Berliner am 20. September übernehmen müssen.“ An jenem Tag ist die Abgeordnetenhauswahl. In Berlin regiert derzeit eine CDU-SPD-Koalition.Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch sagte, Wegner habe jedes Vertrauen verloren. „Bei der Wahl im September werden die Berliner*innen daraus ihre Konsequenzen ziehen.“ AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker erklärte: „Kai Wegner ist für das Amt des Regierenden Bürgermeisters charakterlich nicht geeignet.“ Die FDP forderte den Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters.