Die Goethe-Universität Frankfurt hat einen Stellenumbau angekündigt, der durch ein gerichtliches Urteil aus dem Jahr 2021 angestoßen worden ist. Demnach sollen von Januar 2027 an für Verwaltungstätigkeiten nur noch Tarifverträge geschlossen werden. Das heißt: Hilfskräfte, die administrative Aufgaben übernehmen, müssen fortan tariflich bezahlt werden – in der Verwaltung, in Bibliotheken, im Rechenzentrum.Bislang waren studentische Hilfskräfte auch in der Verwaltung beschäftigt, wurden aber als wissenschaftliche Hilfskräfte eingestuft. Doch wer als wissenschaftliche Hilfskraft eingesetzt wird, das regelt auch das Hessische Hochschulgesetz. Danach definiert eine wissenschaftliche Hilfskraft, dass „die wissenschaftliche Arbeit anderer in Forschung und Lehre unmittelbar unterstützt wird“. Weiter besagt der Beschluss, dass „Hilfstätigkeiten in wissenschaftsunterstützenden Bereichen der Hochschule, die für die organisatorischen Grundlagen zuständig sind“, keine wissenschaftliche Hilfstätigkeit darstellen. Laut diesen Richtlinien erhalten also nur diejenigen Studenten einen außertariflichen Stundenlohn, die auch im wissenschaftlichen Bereich arbeiten, alle anderen müssen künftig nach Tarif bezahlt werden. Das hat strukturelle Folgen.Denn es sei eine Folge des Urteils, „dass die Goethe-Universität diese Stellen in der zentralen Verwaltung weitgehend abschafft“, so ein Sprecher der Universität, um sie dann entsprechend dem Tarif der Hochschule umzustellen, als bezahlte Festanstellungen.Administrative Tätigkeiten werden neu ausgeschriebenHinzu kommt, dass die Universität dazu verpflichtet ist, die neuen tarifgebundenen Stellen offiziell auszuschreiben. Dementsprechend blieben die Stellen nicht nur Studenten vorbehalten, „auch wenn die Universität ein großes Interesse daran hat, Studierende zu beschäftigen“, so der Sprecher. So können sich auch andere, etwa pensionierte Verwaltungskräfte, bewerben.Bei erfolgreicher Bewerbung auf die neuen Stellen hätten Studenten alle Vorteile einer Festanstellung nach dem Tarifvertrag. Dazu gehören tarifliche Bezahlung, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaubsanspruch. Die betroffenen Abteilungen müssten für die Umstellungen berechnen, wie hoch ihr Bedarf an Personal ist und wie er finanziert werden kann, sagt der Pressesprecher. Genaue Angaben, wie sich die Änderungen auf die Anzahl der Stellen auswirken, könne er jedoch noch nicht machen. Auch nicht, wie die Erfolgschancen für Studenten konkret aussähen.Zu Beginn der finanziellen Umstellung im Juni 2025 waren knapp 2000 studentische Hilfskräfte an der Goethe-Uni beschäftigt, davon rund 320 in Zentralverwaltung, Rechenzentrum und Bibliothek. In diesen Bereichen sind studentische Hilfskräfte vom Stellenumbau betroffen.Uni muss Personalkosten reduzierenAuch aufgrund der Kürzungen der Hessischen Landesregierung müsse die Universität in den kommenden Jahren ihre Personalkosten deutlich reduzieren, sagt der Sprecher. Die neuen Verwaltungstätigkeiten seien in der Entgeltgruppe E2 bis E4 eingeordnet. Das bedeutet, dass sie eine kurze Einarbeitung (E2) bis hin zu einer mindestens dreijährigen Ausbildung in dem dazugehörigen Bereich (E4) voraussetzen. Die Studenten befürchten, dass die Stellen nun höhere Anforderungen bedeuteten und von entsprechend qualifizierten Arbeitskräften besetzt würden.Diese Sorge möchte die Uni abwenden: Es solle Stellen mit fünf Wochenstunden geben, um die gesetzlichen Einkommensgrenzen nicht zu überschreiten. Bei der tarifvertraglichen Absicherung von Hilfstätigkeiten handle es sich um eine langjährige Forderung von Gewerkschaften und Studentenvertretungen der Uni. Dennoch müssten die Studenten mit einem angemessenen Bewerbungsprozess rechnen, das sei rechtlich unvermeidbar, so der Pressevertreter. Auch wenn die betroffenen Abteilungen ein hohes Eigeninteresse daran hätten, Studenten, die schon als Hilfskräfte in den jeweiligen Bereichen gearbeitet haben, wieder einzustellen.An anderen Universitäten im Rhein-Main-Gebiet sind keine ähnlichen Maßnahmen geplant, wie die Unis angaben. Die Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz werde weiterhin studentische Hilfskräfte in der Verwaltung anstellen, sagt die zuständige Pressesprecherin – vorausgesetzt, das Aufgabenfeld stelle eine wissenschaftsunterstützende Dienstleistung dar. Die Uni hielte sich an die Kriterien des Hochschulgesetzes. Auch an der Technischen Hochschule Darmstadt ändere sich laut einer Sprecherin nichts.Die Goethe-Uni muss nach dem Urteil hingegen auf tarifliche Verträge umstellen, das stelle sie „vor eine beträchtliche Herausforderung“, so der Sprecher. Sowohl finanziell als auch durch den zusätzlichen Verwaltungsaufwand, den der Stellenumbau nach sich zieht, stehe die Uni unter Druck. Noch zeichne sich nicht ab, wie sich die Kürzungen und Umstellungen auf die Anzahl der administrativen Jobs auswirken werden. Auch für die weiter beschäftigten studentischen Hilfskräfte im wissenschaftlichen Bereich sei noch unklar, wie sich ihre Jobperspektiven an der Goethe-Uni weiter gestalten lassen.