London (dpa) - Wenn Alexander Zverev zuletzt gegen Taylor Fritz spielte, gab es nur ein Ergebnis. Deutschlands bester Tennisprofi verlor. In seinem ersten Wimbledon-Viertelfinale heute (2. Match nach 14.00 Uhr/Prime Video) trifft Zverev jetzt wieder auf Fritz und hat die Chance auf den Halbfinaleinzug. Von einem Angstgegner ist die Rede. Im Viertelfinale von Rom 2024 behauptete sich Zverev zuletzt, es folgten sieben Niederlagen in Serie gegen den ein Jahr jüngeren Weltranglisten-Siebten (28). Zuletzt im westfälischen Halle hatte der 29 Jahre alte Hamburger Probleme mit seiner Diabetes-Erkrankung, vor zwei Jahren in Wimbledon war er am Knie verletzt. Unterschiedliche Geschichten und Verläufe stecken hinter den Duellen.Taylor Fritz kann mit einer Erfolgsserie im Rücken in das Duell mit Alexander Zverev gehen. Maja Smiejkowska/AP/dpaWie der Davis-Cup-Teamchef auf das Duell mit Fritz blicktDoch wie ist es generell zu erklären, dass der Kalifornier die deutsche Nummer eins in dem Maße ärgern kann? „A, er serviert sehr gut“, erklärte Bundestrainer Michael Kohlmann der Deutschen Presse-Agentur. „B, er returniert sehr gut. Sprich, er nimmt Sascha ein bisschen vielleicht die Stärke weg, die er gegen viele andere hat, dass er viele freie Punkte bekommt.“ Zudem mache Fritz die Geschwindigkeit in den Bällen von Zverev nichts aus und er habe wie der Hamburger eine sehr gute Rückhand. „Er nimmt Sascha ein bisschen seine Stärke, dass er das Spiel mit der Rückhand aufbauen kann.“ Dennoch äußerte sich Kohlmann optimistisch. „Wenn ich ein ganzes Match angucke, sehe ich jetzt nichts, was er besser kann als Sascha.“Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann erklärt, wie er auf das Duell zwischen Alexander Zverev und Taylor Fritz blickt. Rolf Vennenbernd/dpaZverev mit neuem Selbstverständnis nach Paris-TitelZverev gibt sich nach seinem French-Open-Triumph ohnehin selbstbewusst. Der erste Grand-Slam-Titel in Paris hat sein Selbstverständnis gestärkt. „Erwar in besserer Form. Er hat besser gespielt als ich“, sagte der Australian-Open-Finalist von 2025 rückblickend über die Begegnungen mit Fritz. Aber wie in den Tagen in Wimbledon zuvor bekräftigte Zverev nach seinem Viertelfinaleinzug noch einmal: „Ich fühle mich jetzt tatsächlich anders. Ich habe das Gefühl, dass ich besser spiele.“Fritz präsentierte sich nach seinem unerwarteten Erstrunden-Aus bei den French Open auf Rasen in glänzender Form, erreichte in der Vorbereitung auf Wimbledon die Endspiele in Stuttgart und Halle.Aus Sicht von Kohlmann macht die Serie zwischen den beiden Viertelfinal-Kontrahenten des Londoner Rasenklassikers mental besonders für den Amerikaner einen Unterschied. „Es macht schon was aus, weil er in das Match reingeht und sagt, den habe ich jetzt siebenmal geschlagen, also warum soll ich es nicht das achte Mal machen?“.Was eine Psychologin auch Freizeitsportlern rätIm Allgemeinen erklärte Psychologin Johanna Belz von der Deutschen Sporthochschule Köln, wie sich eine Niederlagenserie auf eine Sportlerin oder einen Sportler auch im Freizeitbereich auswirken kann. „Es kann die Sorge entstehen, nicht das zeigen zu können, was man eigentlich leisten kann. Und diese negativen Erwartungen können zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden“, sagte sie.Aus Angst, nicht zu gewinnen, tritt ein Sportler oder eine Sportlerin etwa weniger mutig, weniger flexibel und stattdessen vorsichtiger an. Und erhöht so wieder die Wahrscheinlichkeit für eine Niederlage. Was sie empfehlen würde?„Man sollte versuchen, die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen“, rät Belz. Stattdessen sollte man sich auf das konzentrieren, was man selbst beeinflussen könne - wie die Taktik oder Aufschlagroutinen. Zudem spricht sie sich für eine bekannte Tennis-Mentalität aus: von Punkt zu Punkt denken.© dpa-infocom, dpa:260708-930-350499/1