PfadnavigationHomePolitikDeutschlandBerlin„Kill the Jews“ – Antisemiten bepöbeln Paar mit Kinderwagen, Zeugin greift einStand: 02:06 UhrLesedauer: 3 MinutenGraffiti mit antisemitischer Parole in Berlin (Symbolfoto)Quelle: Vladimir Menck/SULUPRESS.DE/picture allianceEin Mann im Intifada-Shirt und eine Frau mit Palästinenser-Tuch bedrohen im Prenzlauer Berg das Paar auf der Straße mit antisemitischen Parolen. Eine Zeugin filmt die Szene. „Das Auftreten der beiden wirkte sehr routiniert“, schildert sie anschließend.Deutschlands Hauptstadt ist einmal mehr Schauplatz eines schwerwiegenden Falls von Antisemitismus. Ein Paar mit Kinderwagen wurde am vergangenen Samstag im Prenzlauer Berg von zwei Passanten antisemitisch beleidigt. Als eine Zeugin die Szene filmt, wird auch sie bedroht. Die „Jüdische Allgemeine“ hat das Video öffentlich gemacht und zeigt in dem Video auch die Gesichter der beiden Angreifer. Die Frau trägt ein Palästinenser-Tuch, der Mann ein T-Shirt mit der Aufschrift „Love the Intifada“ in englisch-arabischer Schrift. Im Kontext des Nahostkonflikts steht der Begriff Intifada für palästinensische Massenaufstände gegen die angebliche israelische Besatzung.Die Zeugin, die laut eigener Aussage in Israel arbeitet, schildert in dem Video gegenüber der Zeitung anonym, wie sie an der Fehrbelliner Straße gegen 15.30 Uhr aus einem Uber gestiegen ist. Direkt habe sie unter anderem Rufe wie „Fuck Jews“, „Fuck Zionismus“ and „Kill the Jews“ wahrgenommen. Auch der Ausruf „Viva Hamas“ sei gefallen. Die Zeugin habe daraufhin sofort begonnen, die Szene zu filmen – durch ihre Arbeit in Israel habe sie bereits selbst antisemitische Anfeindungen gemacht und sofort erkannt, was geschah. Das Pärchen, gegen das sich die Parolen gerichtet hätten, habe sie nur von hinten gesehen. Es habe einen Kinderwagen geschoben und „sich schnell entfernt“. Die Zeugin habe nicht erkennen können, ob das Paar jüdisch oder israelisch war und warum die „Angreifer“ es als Ziel ausgewählt hatten.Als der Pöbler bemerkte, dass er gefilmt wurde, sei er auf die Zeugin zugekommen und habe versucht, ihr das Handy aus der Hand zu nehmen. Er habe sie geschubst und bedroht. „Handy weg“ und „Verpiss dich“ ist in dem Video von den Pöblern zu hören. Lesen Sie auch„Für mich wirkte das Auftreten der beiden sehr routiniert“, schilderte die Zeugin weiter. Sie habe den Eindruck gehabt, als würden die beiden „gezielt Menschen einschüchtern“ und dass ein solches Verhalten für diese Personen nicht neu sei. Noch am selben Tag habe sie Anzeige bei der Berliner Polizei erstattet. „Mir war wichtig, dass dieser Vorfall dokumentiert wird“, sagte sie.Polizei konnte Identität der Täter bislang nicht ermittelnAuf Anfrage der „Jüdischen Allgemeinen“ bestätigt die Berliner Polizei den Vorfall. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Beleidigung. Die mutmaßlichen Täter seien bislang offiziell nicht identifiziert worden. Auch die Personen, gegen die sich die antisemitischen Äußerungen richteten, konnten nach Polizeiangaben bislang nicht festgestellt werden.Der „Tagesspiegel“ hat inzwischen weitere Recherchen zu dem männlichen Täter veröffentlicht. Demnach soll der Mann seit Jahren in der Berliner Protestszene bekannt sein und zuletzt an Demonstrationen des radikalen pro-palästinensischen Spektrums teilgenommen haben. Er wurde unter anderem bei einer Kundgebung beobachtet, bei der Symbole und Propaganda des iranischen Regimes gezeigt worden sein sollen. Auf Videoaufnahmen sei er dabei zu sehen, wie er aggressiv gegen ein Kamerateam vorgeht.Lesen Sie auchDie politische Biografie des Mannes reicht den Recherchen zufolge jedoch deutlich weiter zurück – bis in die rechtsextreme Szene. Bereits 2013 soll er an Veranstaltungen der damaligen NPD teilgenommen haben. Fotos dokumentieren ihn demnach bei rechtsextremen Demonstrationen in Berlin. Wenige Jahre später tauchte er laut denselben Recherchen im Umfeld der inzwischen aufgelösten maoistischen Gruppierung „Jugendwiderstand“ auf, die in Berlin wiederholt durch Einschüchterungen politischer Gegner und aggressives Auftreten auffiel.Der Vorfall reiht sich in eine Serie antisemitischer Straftaten und Übergriffe ein, die die Sicherheitsbehörden seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Krieges insbesondere im Umfeld radikaler Demonstrationen registrieren. In Berlin kommt es dabei immer wieder zu Ermittlungen wegen Volksverhetzung, der Billigung terroristischer Straftaten sowie Angriffen auf Israel-Unterstützer und Journalisten.saha
Berlin: „Kill the Jews“ – Antisemiten bepöbeln Paar mit Kinderwagen, Zeugin greift ein - WELT
Ein Mann im Intifada-Shirt und eine Frau mit Palästinenser-Tuch bedrohen im Prenzlauer Berg das Paar auf der Straße mit antisemitischen Parolen. Eine Zeugin filmt die Szene. „Das Auftreten der beiden wirkte sehr routiniert“, schildert sie anschließend.







