Startseite
Politik
Deutschland
Krankschreibungen: Lange Ausfälle sind laut Krankenkassen größte Kostentreiber Die schwarz-rote Koalition will Krankschreibungen erschweren. Doch Daten der Betriebskrankenkassen legen nahe, dass die Maßnahmen am eigentlichen Kostentreiber vorbeigehen.
07.07.2026 - 15:06 Uhr Das Krankengeld zählt zu den größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung. Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmnEine Analyse des BKK-Dachverbandes der Betriebskrankenkassen zu Krankschreibungen hat ergeben, dass nicht kurze Erkältungen, sondern lange schwere Krankheiten die großen Kostentreiber für gesetzliche Krankenversicherungen sind.„Es sind die langen, oft Muskel-Skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden“, sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK-Dachverbandes.Die schwarz-rote Koalition hatte vor einigen Tagen angekündigt, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf den ersten Krankheitstag vorziehen zu wollen und die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung abzuschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die Pläne damit, dass der Krankenstand gesenkt werden solle. Der CDU-Arbeitnehmerflügel warnt, schärfere Vorschriften könnten nach hinten losgehen.Hoher Krankenstand Der Krankenschein ab Tag eins löst kein einziges Problem Der Krankenschein ab dem ersten Tag ist ein Zugeständnis an die Unternehmen. Und könnte doch ausgerechnet an ihnen scheitern. Ein Kommentar. Kommentar von Varinia BernauLaut BKK zählt das Krankengeld – das erst ab dem 43. Krankheitstag gezahlt wird und damit vor allem Menschen mit langwierigen Erkrankungen betrifft – inzwischen mit 21,6 Milliarden Euro zu den größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung überhaupt. 2025 entfielen demnach mehr als ein Viertel aller Fehltage auf den Bezug von Krankengeld. Die Krankengeldtage seien in den vergangenen zehn Jahren um 24,4 Prozent gestiegen.Klemm: Brauchen PräventionsstrategienHaupttreiber seien psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden. Zwar machten psychische Erkrankungen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, im Schnitt dauerten sie jedoch mehr als fünf Wochen an – mit steigender Tendenz. Klemm fordert deswegen eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategien: „Wir beobachten den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange. Diese Rechnung zahlen wir sonst noch viele Jahre weiter – und hinter jeder steht das lange Leiden einer betroffenen Person.“Der Krankenstand insgesamt blieb 2025 mit 6,1 Prozent stabil. Häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit seien Atemwegserkrankungen gewesen, die wegen ihrer kurzen Dauer aber laut BKK finanziell kaum ins Gewicht fallen.CDU-Arbeitnehmerflügel warnt vor MisstrauenDer Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels in der Union, Dennis Radtke, hat angesichts der geplanten strengeren Vorschriften für Krankschreibungen vor Misstrauen gegen kranken Menschen gewarnt. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, die Menschen seien zu faul“, sagte der Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) im ZDF-„Morgenmagazin“. „Menschen, die keine Lust haben, die blau machen, hat es immer gegeben. Wir haben vor allem ein Problem mit den Langzeitkranken.“Er habe angeregt, die Pläne zu überdenken. Ihn erreiche in Rückmeldungen die Sorge, dass Menschen, die heute vielleicht einen Tag fehlten, künftig gleich drei oder fünf Tage ausfallen könnten.Koalition will strengere Regeln bei Krankschreibungen dpa Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick










