Trump macht der Türkei Hoffnung auf die Lieferung von F-35Zum Auftakt des Nato-Gipfels verspricht der amerikanische Präsident, die Sanktionen gegen Ankara aufzuheben. Unklar bleibt jedoch, wie er die rechtlichen Hürden überwinden will. Die Allianz stellte zudem eine Reihe von Rüstungsprojekten vor.07.07.2026, 19.19 Uhr3 LeseminutenDonald Trump am Dienstag bei seinem Empfang durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Flughafen in Ankara.Emrah Gurel / ReutersZum Auftakt des zweitägigen Nato-Gipfels in Ankara hat der amerikanische Präsident Donald Trump dem Gastgeberland eine erfreuliche Botschaft überbracht. «Wie werden die Sanktionen aufheben», sagte er bei einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Dienstagnachmittag. Die Zeit dafür sei gekommen, die USA wollten keine Freunde bestrafen. Trump will damit ein Verbot rückgängig machen, das er 2019 gegen Ankara verhängt hatte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Washington schloss die Türkei damals aus dem Programm zum Bau der F-35-Kampfflugzeuge aus und stoppte die Lieferung dieser Tarnkappenjets, nachdem die Regierung in Ankara das russische Flugabwehrsystem S-400 erworben hatte. Die USA befürchteten, Moskau könnte über das Radar des S-400-Waffensystems an Daten über die Fähigkeiten der F-35 gelangen. Von diesem Risiko wollte Trump am Dienstag nichts mehr wissen.Rechtliche Hürden bestehenTrump signalisierte zudem, den Verkauf von F-35-Jets an die Türkei in Erwägung zu ziehen. Die Türkei habe sich in vielerlei Hinsicht als deutlich loyaler bewiesen als andere Länder, von denen die USA das erwartet hätten, lobte er. Konkreter wurde er nicht. Unklar bleibt somit, wann und vor allem wie Trump die rechtlichen Hürden überwinden will.Denn sowohl der Verkauf von F-35 als auch die Wiederaufnahme der Türkei in das Rüstungsprogramm brauchen zwingend die Zustimmung des Kongresses. Damit dieser die Sanktionen aufhebt, müsste Ankara laut einem amerikanischen Gesetz zunächst das S-400-System abstossen. Die Türkei könnte dies an ein Drittland verkaufen, würde dafür aber die Zustimmung Moskaus brauchen. Eine Rückgabe an Russland scheint ausgeschlossen. Die Rede ist auch davon, die Systeme funktionsunfähig zu machen – etwa durch das Entfernen wichtiger Teile.Trumps Ankündigung erfolgt gut zwei Wochen, nachdem Washington den Kongress über die geplante Lieferung von F110-Triebwerken im Wert von über 700 Millionen Dollar an die Türkei informiert hat. Auch dieser Export war wegen des S-400-Kaufs jahrelang vom Kongress blockiert worden. Weil dieses Geschäft jedoch keinen gesetzlichen Sanktionen unterliegt, kann Trump den Verkauf in eigener Kompetenz durchsetzen. Die Türkei benötigt die Motore für den Bau ihrer Flugzeuge des Typs Kaan, eines Kampfjets der 5. Generation aus Eigenproduktion.Trumps Vorgehen stösst nicht nur im Inland auf Widerstand. Am Montag sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gegenüber Fox News, dass die USA der Türkei keine F-35-Kampfjets oder Triebwerke überlassen sollten. Er warnte davor, dass der Schritt das Machtgleichgewicht im Nahen Osten stören könnte.Zum offiziellen Abschluss des Nato-Gipfels am Mittwoch wird Trump eine Pressekonferenz halten. Davor will er sich unter anderem mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski treffen. Selenski erklärte am Dienstag, er wolle dabei den dringenden Bedarf der Ukraine an Raketenabwehrsystemen ansprechen. Trump wiederum zeigte sich nach seiner Ankunft in Ankara optimistisch, dass der Krieg bald beigelegt werde.Mehr als 40 Milliarden für DrohnenabwehrNoch bevor Trump am Dienstagnachmittag in Ankara gelandet war, stellte die Nato beim «Defense Industry Forum» eine Reihe von Rüstungsprojekten vor. Damit unterstrichen die Alliierten, dass sie den Forderungen der USA nach einer Stärkung ihrer Streitkräfte nachkommen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte sprach von Verträgen in einem Gesamtwert von mehreren Dutzend Milliarden Dollar. Genaue Zahlen wurde keine bekannt.Unter anderem will die Nato im Rahmen der Initiative «Drone Edge» in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar in die Drohnenabwehr investieren. Die Alliierten verpflichteten sich zudem, bis Ende 2027 fünfmal so viele Soldaten für den Einsatz von Drohnen auszubilden wie bisher. Die unbemannten Luftfahrzeuge hätten die moderne Kriegsführung grundlegend verändert und seien zu einem entscheidenden Faktor auf dem Schlachtfeld geworden, sagte Rutte. Das sehe man in der Ukraine, im Nahen Osten, aber auch im Bündnisgebiet.Rutte forderte angesichts der Bedrohungen durch Länder wie Russland, China, Nordkorea oder Iran eine «Revolution» in der transatlantischen Verteidigungsindustrie. «Wir brauchen Fähigkeiten, um sicherzustellen, dass wir einsatzbereit bleiben. Die Sicherheitslage verlangt das», sagte er. Als konkrete Schritte nannte Rutte weitere langfristige Bestellungen, Investitionen und Bürokratieabbau. Die Integration des «Defense Industry Forum» in das Jahrestreffen der Nato ist ein Novum von mehr als nur symbolischer Bedeutung. Damit sitzt erstmals auch die Rüstungsindustrie mit am Tisch.Passend zum Artikel