Foix (dpa) - Torstein Traeen starrte ungläubig ins Leere beim Abkühlen mit seiner Eisweste. Der norwegische Radprofi trotzte der Hitze-Hölle im Süden Frankreichs und schnappte Star Tadej Pogacar bei der Tour de France das gelbe Führungstrikot weg. „Ich bin heute einfach dankbar“, sagte er. Während des Rennens habe er nicht so viel über den möglichen Erfolg nachgedacht. „Hauptsache cool bleiben“, fügte er hinzu. Vermutlich meinte er damit sowohl den mentalen Zustand als auch die Hitze. Allgemein komme er mit hohen Temperaturen gut klar.Politt: „Alles noch machbar“Der slowenische Titelverteidiger Pogacar und sein Team hatte davor keine großen Bemühungen unternommen, um den 30-jährigen Skandinavier und dessen enteilte Ausreißergruppe aufzuhalten. Das weltweit größte Radrennen dauert schließlich noch fast drei Wochen - genug Zeit also für den besten Rennfahrer der Welt, sich wieder an die Spitze zu setzen.Pogacars Teamkollege Nils Politt reagierte entsprechend entspannt auf die Situation. „Ne, alles gut“, sagte der Kölner. „Es ist alles noch machbar.“ Pedersen gewinnt EtappeFür Traeen ist es der größte Karriereerfolg. Der Profi, der schon beim Tour-Debüt seines norwegischen Uno-X-Teams vor drei Jahren dabei war, ist dritter Norweger jemals im Gelben Trikot. Der Mann, der erfolgreich Hodenkrebs besiegt hatte, fuhr vergangenes Jahr auf vier Etappen bei der spanischen Vuelta im roten Führungstrikot.Traeen führt in der Gesamtwertung mit einem Abstand von 28 Sekunden vor dem US-Amerikaner Quinn Simmons und 3:50 Minuten vor dem Tschechen Mathias Vacek. Pogacar steht nun mit 7:53 Minuten dahinter auf dem vierten Rang. Der deutsche Jungstar Florian Lipowitz rutschte aus den Top Ten der Gesamtwertung heraus. Er steht nun als Elfter mit 8:46 Minuten hinter Traeen.Mads Pedersen gewann die Etappe aus dem Sprint der Ausreißergruppe heraus klar. Der dänische Ex-Weltmeister siegte nach den 181,9 Kilometern zwischen Carcassonne und Foix und feierte seinen dritten Tour-Tagessieg. Pedersen-Teamkollege Simmons wurde Zweiter, der Spanier Raul Garcia holte Rang drei. Kein Deutscher erreichte die Top Ten. Hitze bestimmt vierte EtappeDie Temperaturen kletterten im Süden Frankreichs auf bis zu 40 Grad. Eispäckchen im Nacken und großer Durst dominierten im Fahrerfeld. Der Weltverband UCI beschloss ausnahmsweise, dass in den nur für Trinkflaschen vorgesehenen Zonen auch ganze Verpflegungsbeutel ausgegeben werden dürfen, um die gleichzeitige Ausgabe mehrerer Flaschen an jeden Fahrer zu erleichtern.In brütender Hitze unterwegs: Die Profis bei der Tour de France. Thibault Camus/AP/dpaAm Vortag hatte sich Superstar Pogacar zu den Bedingungen geäußert. „Bei dieser Hitze zu fahren ist gefährlich, wenn man seine Körpertemperatur nicht niedrig hält“, sagte der 27-Jährige, der während der Etappe selbst Flaschen am Auto abholte. Zudem sei es ein „logistischer Albtraum“. „Als Team geben wir uns wirklich große Mühe, den Fahrern so viel Wasser und Eis wie möglich zu bringen. Manchmal, wenn das Tal lang ist – 10 bis 15 Kilometer –, fahren drei Jungs zurück zum Auto, um Trinkflaschen und Eis zu holen, damit man sich weiter abkühlen kann“, sagte er. Vingegaard bedauert Verlust des Gelben TrikotsSein Dauerrivale Vingegaard bedauerte den Verlust der Gesamtführung am Vortag. Der Däne sagte, es sei schade, nicht mehr das Gelbe Trikot zu haben. „Wir hätten eigentlich damit gerechnet, zu diesem Zeitpunkt etwas zurückzuliegen, daher ist das ein guter Ausgangspunkt für uns“, sagte er. In der für Ausreißer konzipierten Etappe bildete sich eine größere Gruppe, in der sich auch die Deutschen Nico Denz, Georg Steinhauser und Georg Zimmermann eingefunden hatten. Der Abstand zwischen den Gruppen und dem Hauptfeld um Pogacar wurde größer. Und der Star schien auch so früh im Rennen kein großes Interesse, das gelbe Dress zu verteidigen.Sprinter in Pau im FokusAm Mittwoch sind die Sprinter gefragt. Auf den 158,3 Kilometern zwischen Lannemezan und Pau im Süden von Frankreich gibt es keine größeren Anstiege, nur eine kurze Bergwertung der dritten Kategorie steht auf dem Programm. Top-Sprinter Jasper Philipsen aus Belgien gewann hier bei der letztmaligen Ankunft 2024.© dpa-infocom, dpa:260707-930-348880/4