PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftTerrassen-BegegnungVermisst jemand einen Leopardgecko?Stand: 16:44 UhrLesedauer: 3 MinutenGoogle Lens sagt: Das ist ein LeopardgeckoQuelle: Frédéric SchwildenIn den Hitzetagen taucht ein gelb gefleckter Leopardgecko mitten im deutschen Wohngebiet auf. Das Tier verliert im Stress seinen Schwanz und damit seine Energiequelle. Was tun damit? Viele Telefonate und Nachbarschaftsbesuche später ist eine Lösung gefunden.Es ist schon dunkel. Aber es hat noch 32 Grad Celsius. Ich bin gerade dabei, die Terrassentür zu schließen, als ich einen Schatten über die Terrasse huschen sehe. Einen kleinen, sehr flinken Schatten. Meine Frau steht neben mir und hat ihn auch gesehen. „Was ist das?“, fragt sie. Wir sehen etwas, was wir für ein kleines Tier halten. Ich gehe näher hin. Ich denke, das kann doch nicht sein. Denn ich meine, eine Art Baby-Krokodil zu sehen. Ich mache das Handylicht an. Und wir beide sehen eine vielleicht 20 Zentimeter große Echse auf unserer Terrasse.Ihre Augen funkeln. Und sie ist gelb mit schwarz-braunen Flecken. Sie sieht aus wie ein Leopard oder Gepard. Und bewegt sich nicht mehr. Sie steht regungslos da. Nur dieser Sack unter dem Kiefer bewegt sich. Sie atmet noch. Ich meine, mal gelesen zu haben, dass Echsen erstarren, wenn sie Gefahr wittern, um so für Feinde weniger sichtbar zu werden.Bekommt der Gecko Probleme bei der Partnerwahl?Heimisch sieht sie nicht aus. Die ganzen Salamander, Blindschleichen und Kröten, die ich bisher gesehen habe, hatten nicht so viele Schuppen. Sie waren eher glatt. Und nicht so verpanzert. Ich mache ein Foto mit meinem Telefon. Google Lens sagt, dass auf meiner Terrasse ein Leopardgecko steht. Leopardgeckos kommen in Indien, Pakistan und Afghanistan vor. Ist der Gecko also ein Klimaflüchtling? Oder einer dieser dringend gebrauchten Facharbeiter? Aber dann lese ich, dass der Leopardgecko auch ein sehr beliebtes Haustier ist, bei guter Haltung bis zu 20 Jahre alt werden und auch recht zahm werden kann.Inzwischen fällt mir auf, dass der Gecko seinen Schwanz verloren hat. Da ist eine recht große Wunde an seinem Hinterteil. Tatsächlich werfen Geckos ihren Schwanz bei Gefahr ab. Der Gecko rennt dann weg, der Schwanz bleibt zuckend liegen. Feinde sollen sich auf den Schwanz stürzen. Das ist einerseits praktisch, weil der Gecko so eine größere Überlebenschance hat. Aber auch gefährlich. Im Schwanz speichern die Tiere Fettreserven, falls sie mal nichts zu fressen finden. Außerdem, so lese ich, würden schwanzlose Geckos in der sozialen Rangfolge absteigen, also schlechtere Karten bei der Partnerwahl haben.Lesen Sie auchIch stülpe einen Topf über den Gecko, weil ich denke, wenn er ein Haustier ist, wird er bestimmt vermisst. Das Tierheim hat schon geschlossen. Das Ordnungsamt ebenso. Die Feuerwehrdienststelle sagt, dass sie auch nicht wüsste, was man da machen könne. Bei der Polizeidienststelle Erlangen hänge ich zehn Minuten in der Warteschleife, ehe ich auflege. Meine Kinder sind ganz aufgeregt. Sie fragen mich, was wir denn jetzt tun.Lesen Sie auchAm Ende klingele ich an den Häusern unserer Straße. Aber niemand vermisst einen Leopardgecko. Aber die nette Gärtnermeisterin an der Ecke hat noch ein altes Aquarium. Wir schütten Sand rein. Und sie passt auf den Gecko auf. Sie sagt, ihr Mann wollte mal Pfeilgiftfrösche halten. Am nächsten Tag bringt sie den Gecko zum Tierheim. Und ich denke nur: Gut, dass es kein Krokodil war. Zehn Minuten in der Warteschleife der Polizei hätte ich da wohl etwas lang gefunden.