Während der jüngsten Hitzewelle Ende Juni mit Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius haben die Rettungsdienste in Wiesbaden erheblich mehr Todesfälle verzeichnet als im Juni ein Jahr zuvor. Das hat Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) am Dienstag mitgeteilt und zugleich städtische Projekte vorgestellt, die die Bürger vor künftigen Hitzewellen schützen sollen. Der Schwerpunkt liegt auf der Prävention und Information der Menschen, damit diese sich selbst vor der Hitze schützen. „Achten Sie auf sich und aufeinander. Schauen Sie nach Ihren Nachbarn“, appellierte der Oberbürgermeister an die Bürger, nach dessen Auskunft die Stadt einen Krisenstab eingerichtet hat.Die extreme Hitze Ende Juni hatte die Rettungsdienste in Wiesbaden an ihre Grenzen gebracht. Im Vergleich zum Wochenende Ende Juni 2025 stieg die Zahl der Einsätze um 42 Prozent, die Krankenhauszuweisungen um 30 Prozent, und besonders deutlich sei der Anstieg bei den schwer erkrankten Patienten mit 162 Prozent ausgefallen. Die Zahl der vom Rettungsdienst festgestellten Todesfälle sei von drei auf 33 gestiegen, berichtete Norbert Hagner, Sachgebietsleiter für Rettungsdienst und medizinische Gefahrenabwehr.Gefährdet sind vor allem Menschen mit VorerkrankungenBei den Toten handelte es sich vor allem um alte Menschen mit Vorerkrankungen. Er schränkte ein, dass nur mit einer Obduktion abschließend geklärt werden könne, woran die Menschen gestorben seien. Es sei jedoch davon auszugehen, dass ein Großteil der Todesfälle durch die Hitze verursacht worden sei.Hagner verdeutlichte die Dimension, indem er die Einsatzzahlen verglich. Während im Normalfall in der Landeshauptstadt etwa 175 Rettungseinsätze täglich gefahren würden, seien es während des Wochenendes Ende Juni 2025 mit einer Temperatur von 34 Grad Celsius etwa 190 Einsätze gewesen. In diesem Jahr sei die Zahl der Rettungseinsätze an dem Hitzewochenende auf knapp 300 pro Tag gestiegen. „Hier war die Grenze des Machbaren erreicht, und das gilt auch für die Krankenhäuser“, sagte Hagner. Es sei nicht möglich gewesen, Hilfe von Nachbarstädten anzufordern, denn die hätten mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Auf Nachfrage sagte Hagner, es könne bei der nächsten Hitzewelle und einer eskalierenden Lage notwendig sein, den Katastrophenfall auszurufen, um weitere Einsatzkräfte zu aktivieren.Stadt schaltet „Hitze-Telefon“ freiDamit dies nicht geschieht, hat die Stadt ein ganzes Bündel an präventiven Aktionen vorgelegt, das ergänzend zu dem seit 2024 existierenden Hitzeaktionsplan umgesetzt werden soll. „Wir möchten durch möglichst gute Prävention weitere Opfer verhindern“, sagte Mende. Weil im Internet nicht alle Bürger erreicht werden können, hat die Stadt einen Flyer mit Hitze-Tipps erarbeitet, der in den kommenden Tagen an alle Wiesbadener Haushalte versendet wird.Von Mittwoch an ist zudem werktags ein sogenanntes Hitze-Telefon freigeschaltet. Unter der Rufnummer 0611 319 090 beantworten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Fragen der Bürger. Im Rathaus wird ein klimatisierter Raum als kühler Ort mit ausreichend Trinkwasser zur Verfügung gestellt, der an Tagen mit mehr als 30 Grad Celsius montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 15 Uhr geöffnet ist.„Viele Hochbetagte leben in sozialer Isolation“Entscheidend ist für Mende und Katharina Ferrari-Kühne, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, jedoch, wie sich die Menschen künftig während weiterer Hitzewellen verhalten. „Jeder Einzelne kann dazu beitragen, gut durch die Hitze zu kommen“, sagte Ferrari-Kühne. Dazu zähle, ausreichend zu trinken, kühle Orte aufzusuchen und körperliche Aktivitäten in die Morgen- oder Abendstunden zu verlegen.Es gebe immer mehr Hochbetagte, von denen viele in sozialer Isolation lebten, und es werde künftig in Wiesbaden mehr extreme Hitze geben. Nach einer Untersuchung des Deutschen Wetterdienstes würden die heißen Tage und die sogenannten Tropennächte in der Landeshauptstadt mit ihrer Kessellage bis 2060 deutlich zunehmen.„Achten Sie auf sich und ihre Mitmenschen, auf Ältere, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen“, appellierte Ferrari-Kühne an die Wiesbadener. Dahinter stehe der Gedanke, dass jeder nicht notwendige Rettungseinsatz die Lage entschärfe. Alte Menschen hätten oft kein Durstgefühl mehr und würden Hitze anders wahrnehmen, daher müsse man sich um sie kümmern.Die Stadt hat aufgrund der zu erwartenden Hitzewellen schon 2024 ihren 60 Seiten umfassenden Hitzeaktionsplan verabschiedet. In diesem werden unter anderem kühle Orte (wie etwa Kirchen, Kurhaus und Landesmuseum) sowie Trinkwasserstationen und auch Wasserspielplätze wie in den Reisinger Anlagen aufgeführt. In der Innenstadt wurden zwei mobile Sprühnebelanlagen aufgebaut, die einen kühlenden Wassernebel verteilen. Eine Anlage steht auf dem Kochbrunnenplatz und die andere auf dem Dernschen Gelände. Beide Anlagen sollen Bürgern ermöglichen, sich an heißen Tagen zu erfrischen.Auf dem Luisenplatz steht eine sogenannte Klimakiste und soll dort bis Ende August mit Sitzgelegenheiten, ebenfalls einer Sprühnebelanlage, einem Sonnensegel und klimagerechter Bepflanzung für Erholung, vor allem aber für Information rund um den Klimawandel sorgen. In diesem Jahr wird es abermals einen Wasserspielplatz geben. Vom 18. Juli an wird auf dem Kochbrunnenplatz die „Playfountain“ aufgebaut, die dort für Abkühlung sorgen soll.