Nach der Erdbeersaison steht nun die der Kirschen bevor, dann kommen die Pflaumen, später Äpfel, Birnen und nicht zu vergessen die Weintrauben. Die Vielfalt der Fruchtformen wird noch überwältigender, wenn man einen gut sortierten Markt betritt, der Flugobst aus aller Herren Länder feilbietet.Und das sind nur einige der besonders großen, besonders fleischigen und süßen Diasporen, wie der botanische Oberbegriff für alles lautet, was Blütenpflanzen ausbilden, um damit ihre Samen zu verbreiten. Das Formenspektrum ist aber noch sehr viel breiter, bedenkt man, was es darüber hinaus noch alles gibt: hartschalige Nüsse, gestachelte Kastanien, geflügelte Ahornsamen oder die des Löwenzahns an ihren Schirmchen. Man fragt sich, ob es in dem Raum physikalisch möglicher Fruchtformen überhaupt noch unbesetzte Fleckchen gibt.In der Paläobotanik war es lange Konsens, dass sich diese überbordende Vielfalt erst lange nach dem Siegeszug der Blütenpflanzen herausbildete, nämlich vor 66 bis 23 Millionen Jahren, nach dem großen Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, dem auch sämtliche Dinosaurier zum Opfer fielen, sofern es sich nicht um die Vorfahren der heutigen Vögel handelte.Charlotte WagnerBlüten bilden Pflanzen zwar schon seit der frühen Unterkreide aus – seit 136 Millionen Jahren –, und bereits am Ende der Dinosaurierzeit stellten die Bedecktsamer, wie sie auch genannt werden, einen bedeutenden Teil der terrestrischen Flora. Doch bei den Methoden zur Samenverbreitung schien ihre Evolution noch wenig erfinderisch.Die Blütenpflanzen der frühen und mittleren Kreidezeit scheinen vor allem krautige, nicht besonders hoch aufragende Pioniergewächse gewesen zu sein, mit wenig spezialisierten Diasporen, die kaum größer wurden als Mohnsamen. Entwickelte Vegetationsflächen mit geschlossenem Kronendach, auf denen in modernen Ökosystemen eher Pflanzen mit größeren Samenorganen zu finden sind, wurden dieser Auffassung zufolge noch bis zum Untergang der Dinosaurier von Koniferen dominiert.Nun allerdings berichten Biologen um Jaemin Lee von der University of California in Berkeley in Science von einer fossilen Flora, die nicht recht in dieses Bild passt. In einer Sedimentformation namens Dori’s Tuff in New Mexico, die vor 74,6 Millionen Jahren versteinerte – und damit noch vor dem Auftauchen von Tyrannosaurus rex oder Triceratops – fanden sie fossile Reste von Früchten und Samenständen überraschender Diversität, insgesamt 77 verschiedene Formen. Vier davon verfügten über „Flügel“ nach Art des Ahorns, und 26 waren fleischige Früchte. Die durchschnittliche Größe der Diasporen im Dori’s Tuff entsprach der heutiger Blaubeeren, eine brachte es immerhin auf die Größe einer Dattel und ist damit die größte kreidezeitliche Frucht, die bisher gefunden wurde.Die Pflanzen dürften derlei kaum entwickelt haben, wären diese Früchte nicht von Tieren gefressen worden, die damit zu ihrer Verbreitung beitrugen. Vermutlich handelte es sich dabei um Multituberculata, eine Gruppe nagetierähnlicher früher Säugetiere, kleine Flugsaurier, aber auch richtige Dinosaurier, etwa jene aus der Gruppe der Marginocephalia, die ähnlich wie der spätere Triceratops ein Nackenschild am Schädel trugen.Es bedurfte also nicht erst moderner Vögel oder Säugetiere, um die große Diversifikation der Fruchtformen anzustoßen, schließen die Forscher aus Berkeley. Und die Blütenpflanzen hatten bereits vor dem Ende der Kreidezeit damit begonnen, sich auch in schattigen Wäldern anzusiedeln. Die Flora am Ende der Dinosaurierzeit wäre uns wohl nicht ganz so fremdartig vorgekommen wie die prominentesten Vertreter ihrer Fauna.