PfadnavigationHomeRegionalesNordrhein-WestfalenWohnungsbau in NRW stockt – Baukosten bremsen Neubau ausStand: 13:34 UhrLesedauer: 3 MinutenIn Nordrhein-Westfalen müssten viel mehr neue Wohnungen gebaut werden. Doch Baukosten und Zinsen sind oft so stark gestiegen, dass neue Projekte nur noch schwer zu finanzieren sind. (Symbolbild)Quelle: Patrick Pleul/dpa18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter – für viele unbezahlbar. Wie Baukosten, Lieferprobleme und gestiegene Zinsen den Wohnungsmarkt in NRW verändert haben. Und was ein Wirtschaftsverband fordert.Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen sieht eine anhaltende Verschärfung der Lage am Wohnungsmarkt. Die Neubautätigkeit reiche nicht aus, um den bestehenden Wohnungsbedarf zu decken, sagte der Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VdW) Rheinland Westfalen, Alexander Rychter, in Düsseldorf. Zwar deuteten zuletzt mehr Baugenehmigungen auf eine leichte Belebung im Wohnungsbau hin. Dieser Trend sei jedoch mit dem Beginn des Iran-Kriegs wieder ins Stocken geraten. Vor allem hohe Bau- und Finanzierungskosten belasteten die Branche weiterhin stark.Laut Verband war die Zahl der Baugenehmigungen 2025 nach zuvor vier rückläufigen Jahren erstmals wieder leicht gestiegen: Knapp 45.000 Wohnungen wurden in NRW genehmigt - 10,7 Prozent mehr als 2024. Auch Anfang 2026 habe der Aufwärtstrend zunächst angehalten. Seit Ende Februar habe sich die Lage jedoch erneut verschärft. Der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus hätten die Energie- und Materialkosten getrieben, Lieferprobleme verursacht und für steigende Zinsen gesorgt, so der Verband.Verbandsmitglieder stellten 2025 gut 3.600 Wohnungen fertigWegen der hohen Baukosten seien in NRW 2025 nur noch 37.185 (2024: 41.025) Wohnungen fertiggestellt worden. Bei den Verbandsmitgliedern sei die Zahl der fertiggestellten Wohnungen trotz höherer Investitionssummen um mehr als 30 Prozent auf 3.607 gesunken, darunter 3.239 Mietwohnungen.Für viele Wohnungsunternehmen und -genossenschaften stelle sich die Frage, welche Projekte sie noch finanzieren können, so Rychter. «Freifinanziertes Bauen zu bezahlbaren Mieten ist unseren Mitgliedsunternehmen und Mitgliedsgenossenschaften im Moment nahezu unmöglich.» Er verwies in diesem Zusammenhang auf eine Nettokaltmiete in einem frei finanzierten Neubau-Mehrfamilienhaus mit 24 Wohnungen, die 2021 bei 10,62 Euro je Quadratmeter liegen musste, um eine bestimmte Rendite zu erzielen. Wegen der gestiegenen Baukosten und Zinsen hätte die Kaltmiete 2025 in solch einem Haus dann bei 18 Euro liegen müssen. «Das ist weit weg von dem, was wir als bezahlbar für weite Teile der Menschen ansehen, für die unsere Mitgliedsunternehmen und Genossenschaften eben bauen.»Kosten senken durch serielles und modulares BauenDer Verband hofft auf eine Verbesserung der Lage vor allem durch eine Reduktion von Baustandards, etwa bei der geplanten Novelle der Landesbauordnung NRW. Auch serielles und modulares Bauen soll Kosten senken. Dabei werden Gebäude oder Bauteile in Fabriken vorgefertigt und auf der Baustelle montiert. Zahlreiche Verbandsmitglieder würden solche Bauweisen bereits erproben.Beim Thema Kostensenkung betonte Rychter auch die Bedeutung der Wohnraumförderung des Landes, die in den vergangenen Jahren angehoben wurde. «Das ist für uns ein ganz essenzielles Instrument. Ohne die Wohnraumförderung des Landes Nordrhein-Westfalen wäre der mietpreisgebundene Wohnungsbau nicht mehr möglich.» Rund 80 Prozent der mit öffentlichen Fördermitteln modernisierten Mietwohnungen in NRW entfielen auf die Mitgliedsunternehmen und -genossenschaften des VdW Rheinland Westfalen. Im Neubau ist es den Angaben zufolge etwa jede fünfte Wohnung.dpa-infocom GmbH