Mit immer mehr und immer besseren Drohnen greift Russland die Ukraine an, die Verteidiger intensivieren ihr Training. Über einen tödlichen Wettlauf.
E s ist ein Aprilabend kurz vor acht Uhr. Die Abendsonne zieht lange Schatten über ein weites Feld nördlich der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw. Zwei junge Soldaten sitzen vor Computermonitoren im Laderaum eines umgebauten Kleinbusses. Vor dem einen leuchtet eine Karte der Ukraine, auf der sich Ansammlungen kleiner weißer und roter Pfeile bewegen. Neben dem Bulli parkt ein Pickup, auf dessen Ladefläche, versteckt unter einer Plane, ein Katapult montiert ist. Ein paar Männer verkabeln auf einem Klapptisch aufgereihte Drohnen, sie erinnern ein wenig an große Modellflugzeuge. Es ist die neuste Generation Abfangdrohnen des Systems Merops, eine billige Alternative zu klassischen Raketen, mit der die ukrainische Luftverteidigung neuerdings russische Drohnen jagt. Die Männer hier draußen werden heute Nacht lernen, sie zu fliegen – denn Russland soll wieder einen Großangriff geplant haben.
Abfangdrohnen revolutionieren derzeit die Luftverteidigung. In der Ukraine, die als erstes Land der Welt einen ausgewachsenen Drohnenkrieg gegen Russland führt, machen sie inzwischen ein Drittel aller Abschüsse aus. Auch im Westen wächst das Interesse an dieser neuen Technologie. Besonders seit der US-Angriff auf Iran im Frühjahr die Unterlegenheit konventioneller Waffen gegenüber Schwärmen iranischer Billigdrohnen zeigte.







