Der Bischofsstuhl ist schon mal poliert: Christian Würtz wird neuer Bischof von Eichstätt. Diözesanadministrator Alfred Rottler verlas am Dienstag um kurz nach 12 Uhr im gut gefüllten Eichstätter Dom diese Personalentscheidung von Papst Leo XIV., bevor Würtz selbst vortrat und sich den applaudierenden Eichstättern vorstellte. Bereits am Dienstag hatte das Bistum per Video etwas umständlich die Verkündung einer „wesentlichen Personalentscheidung“ avisiert und dazu gezeigt, wie ein Mitarbeiter – mit Lappen und Eimerchen bewaffnet – die Kathedra entstaubt. Schließlich saß jetzt auch mehr als ein Jahr lang niemand auf dem Bischofsstuhl.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Mit Christian Würtz hat Eichstätt nun den jüngsten Bischof Deutschlands: Der 55-Jährige wirkte bislang als Weihbischof im Erzbistum Freiburg. Er stammt aus Karlsruhe und strebte zunächst eine Laufbahn als Jurist an. Nach dem Jura-Studium war Würtz zwei Jahre lang als Rechtsreferendar tätig, bevor er zusätzlich katholische Theologie in Freiburg und Würzburg studierte. 2006 wurde er in Freiburg zum Priester geweiht.Würtz hat zwei Doktortitel, in Jura und Theologie, und wirkte als Richter am Kirchengericht der Erzdiözese Freiburg und als Chef des dortigen Priesterseminars „Collegium Borromaeum“. Zum ersten Mal sei er in Eichstätt, gab Würtz im Dom zu: „Mit ihrem Applaus haben sie mir Mut gemacht, denn es braucht Mut, sich in eine völlig neue Situation hineinzubegeben.“Würtz hatte vielen Reformpapieren des Synodalen Wegs zugestimmtDer Weihbischof folgt auf Gregor Maria Hanke, der Anfang Juni 2025 vorzeitig zurückgetreten war. Normalerweise bieten Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt erst mit 75 Jahren an, der heute 72-jährige Benediktinermönch Hanke aber hatte „innere Ermüdung“ geltend gemacht. Zuvor hatte eine beispiellose Finanzaffäre sein Bistum erschüttert. Der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor des Bistums investierte gemeinsam mit einem Geschäftspartner rund 60 Millionen US-Dollar aus dem Bistumsvermögen in hochriskante US-Immobilienprojekte. 36 Millionen US-Dollar konnten später im Zuge eines Vergleichs zurückgeholt werden. Erst im Juni waren die beiden Verantwortlichen vor dem Landgericht München II wegen Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung und Untreue zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Hanke lebt inzwischen als einfacher Pfarrer im Allgäu.Die Wahl von Würtz ist auch kirchenpolitisch bedeutsam, denn Hanke gehörte – gemeinsam mit Kölns Erzbischof Rainer Maria Woelki sowie den Bischöfen Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Stefan Oster (Passau) – zu den Kritikern des innerkirchlichen Reformprozesses „Synodaler Weg“. Mit dem Rücktritt Hankes ist das Lager der Gegner allerdings geschrumpft, und Würtz dürfte Hankes Kurs vermutlich nicht weiterführen. In Freiburg gehörte Würtz zum „Synodenteam“ von Erzbischof Stephan Burger. Bei der Synodalversammlung 2023 hatte Würtz mehreren Reformpapieren zugestimmt, darunter jenen, die Segensfeiern für homosexuelle Paare fordern oder mehr Verantwortung für Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche. Bereits 2022 hatte Würtz der Forderung nach einem synodalen Gremium auf Bundesebene zugestimmt – Hanke hatte dieses strikt abgelehnt.Die Ernennung des Bischofs von Eichstätt ist auch die erste Personalentscheidung des neuen Papstes in Bayern: Im Freistaat und in der Pfalz kann nämlich der Papst Bischöfe und Erzbischöfe frei ernennen, so ist es in Artikel 14 des Konkordats zwischen dem Freistaat und dem Heiligen Stuhl von 1924 geregelt. Zwar erstellt das jeweilige Domkapitel eine Vorschlagsliste mit möglichen Kandidaten, der Papst ist an diese Liste aber nicht gebunden. Genau andersherum funktioniert es dagegen im Rest des Landes. In NRW, Hessen sowie den nord- und ostdeutschen Bundesländern gilt das Preußenkonkordat von 1929. Danach schlägt der Papst dem jeweiligen Domkapitel drei Kandidaten vor und aus diesen Dreien wählt das Domkapitel dann den neuen Bischof.