Schon rund 20 Jahre ist es her, da hat der Würzburger Robotik-Professor Klaus Schilling mit einem kleinen Satelliten 690 Kilometer über der Erde ausprobiert, wie man Internetsignale im und aus dem Weltall nutzen kann. Lange bevor Unternehmen wie Space-X und Amazon damit begonnen haben, mit Tausenden Satelliten Breitbandsignale aus dem All auf die Erde abzustrahlen. Der Wissenschaftler gilt als Pionier. Mit seinem Team am Forschungsinstitut Zentrum für Telematik (ZfT) hat er 2024 und Anfang 2026 zwei Satelliten ins All gebracht, bei denen es darum geht, Quantenschlüssel zu erzeugen, die Nachrichten abhörsicher machen sollen.An diesem Dienstagmorgen haben die Würzburger nun mit einer Falcon-9-Rakete des kalifornischen Herstellers Space-X von Vandenberg in den USA aus neun Kleinsatelliten auf einen Schlag ins All geschossen. Nach eigenen Angaben ein Rekord, denn erstmals seien so viele Satelliten eines europäischen Herstellers mit einer Rakete ins All gebracht worden. An Bord waren auch rund 70 weitere Kleinsatelliten aus aller Welt. Die Satelliten aus Würzburg sind ungefähr so groß wie ein Schuhkarton und wiegen jeweils bis zu zehn Kilogramm. Das ZfT-Team hat die neun Satelliten gemeinsam mit dem Start-up Smart Small Satellite Systems (S4) gebaut und getestet. Noch am Vormittag meldete Klaus Schilling den Empfang der ersten Satellitensignale.Ein Teil der jetzt gestarteten Satelliten im Reinraum des Zentrums für Telematik in Würzburg. Prachit Kamble/S4 Smart Satellites SystemsFünf der Satelliten (Cuby) sollen für die bayerische Landesregierung mit Multispektralkameras frühzeitig Waldschäden erfassen, Informationen für den Katastrophenschutz bei Hochwasser liefern und Vermessungsaufgaben erledigen. Drei weitere Satelliten (Tom) sollen ebenfalls im Dienste der Staatsregierung hochauflösende 3D-Bilder der Erdoberfläche und Atmosphäre liefern. So erhofft man sich auch bei Überschwemmungen oder Vulkanausbrüchen (Verteilung der Asche) wichtige Daten.In Würzburg will man von Handarbeit auf Serienproduktion umstellenBemerkenswert ist vor allem Satellit Nummer neun: Er soll ein Satellitennetz namens CloudCT vorbereiten, das bessere Klimamodelle und -vorhersagen ermöglichen soll. Per Computertomografie sollen, ähnlich wie in der Medizin, demnächst zehn Würzburger Satelliten die Zusammensetzung von Wolken analysieren. Womöglich könnte es damit schon im nächsten Jahr losgehen. Und: Das Projekt wird gemeinsam von deutschen und israelischen Forschern geleitet und vom Europäischen Forschungsrat mit 14 Millionen Euro gefördert.Bei den Satelliten geht es aber auch darum, dass sie sich mit neuen Technologien selbst organisieren und so effizienter arbeiten können sollen. „So wird ein effektiverer Betrieb der nächsten Generation globaler Satelliten­netze vorbereitet“, sagt S4-Manager Oliver Ruf.Der Wissenschaftler Klaus Schilling in der Forschungsfabrik des Zentrums für Telematik. Karl-Josef Hildenbrand/dpaMit der Satellitenserie will das Würzburger Team aber auch einen weiteren Schritt in Richtung Industrialisierung gehen. Dieser Übergang von Satelliten in Handarbeit hin zur Serienfertigung stehe in Europa noch am Anfang. „Hier wird nun ein wichtiger Fortschritt erzielt, diese strategisch wichtigen Technologien auch bei uns zu etablieren“, sagt ZfT-Chef Klaus Schilling. Neun Satelliten parallel fertigzustellen und zu testen, erfordere Fähigkeiten, die in der Würzburger Forschungsfabrik wissenschaftlich untersucht und der Industrie bereitgestellt werde. Solche Produktionstechnologien sollen es der Raumfahrtindustrie in Europa ermög­lichen, Satellitennetze für autonomes Fahren, Kommunikation, Erdbeobachtung oder Navigation aufzubauen.Dass Schilling auf kleine, einfachere Satelliten setzt, erklärt er damit, dass diese deutlich günstiger seien als tonnenschwere Satelliten und schneller im All platziert werden könnten. Die Kosten bewegen sich also eher im einstelligen Millionenbereich als hunderte Millionen Euro bei traditionellen Satelliten. Damit könne man dann auch eher herumexperimentieren und mehr Risiken eingehen. Bei großen Satelliten wäre das zu teuer, „das muss 100-prozentig funktionieren“.