Charlotte Knobloch ist und bleibt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern. Am Montagabend wurde die 93-Jährige einstimmig dazu vom neu gewählten Vorstand der Gemeinde ins Amt berufen. Gegenkandidaten gab es keine. Seit 1985 führt die gebürtige Münchnerin die etwa 9500 Mitglieder starke IKG ununterbrochen an. Sie zählt zu den größten jüdischen Gemeinden Deutschlands und vertritt weite Teile des religiösen, kulturellen und sozialen Lebens der jüdischen Gemeinschaft in München und großen Teilen Oberbayerns.Zu Vizepräsidenten gewählt wurden in der konstituierenden Sitzung des neuen IKG-Vorstands der Unternehmer Yehoshua Chmiel, der das Amt bereits seit 2016 bekleidet, und der Jurist und Antisemitismusbeauftragte des Landkreises Dachau, Michael Holland. Er ist zum ersten Mal in das Gremium eingezogen.Erstmals wurde Michael Holland in den IKG-Vorstand und gleich auch ins Präsidium gewählt. Der Antisemitismusbeauftragte des Landkreises Dachau ist einer der beiden Stellvertreter von Charlotte Knobloch. Toni HeiglVorausgegangen ist der Wahl die des gesamten Vorstands der IKG in der vergangenen Woche. Auch dabei belegte Knobloch den ersten Platz von 15 neu zu bestimmenden Vorstandsmitgliedern. 25 Kandidatinnen und Kandidaten waren insgesamt angetreten. Vorstand und Präsidium sind für vier Jahre gewählt.Für eine Überraschung sorgte bei der Wahl das Abschneiden von Roy Rajber, der es aus dem Stand auf Platz zwei schaffte. Der 42-jährige Enkel von Holocaust-Überlebenden ist nach eigenen Angaben ein „echtes Münchner Kindl“ und Mitglied einer seit Jahrzehnten hoch engagierten Familie in der jüdischen Münchner Community. Rajbers Großvater war Gründungsmitglied des Vereins TSV Maccabi München, bei dem sich auch sein Vater viele Jahre lang engagiert hatte. Sein Onkel Robert ist dessen langjähriger Präsident. Rajbers Mutter Anat ist eine Art IKG-Community-Managerin. Er selbst leitet eine Sportleragentur und war auch schon Pressesprecher des Deutschen Fußballbunds.Rajbers Unterstützer warben vor der Wahl für den Unternehmer damit, „dass er den Dialog sucht und Menschen zusammenbringen möchte – Orthodoxe, Traditionelle und Säkulare, junge und ältere Mitglieder, langjährige Gemeindemitglieder ebenso wie Neuzugänge“. Das Verbinden unterschiedlicher Strömungen treibt viele in der Gemeinde um, wie vor den Wahlen zu hören war.Platz drei, erwartungsgemäß weit oben, ging bei den Vorstandswahlen an Guy Katz. Der Hochschulprofessor ging seit dem Massaker der Hamas auf israelische Zivilisten am 7. Oktober 2023 für die Freilassung der Geiseln verstärkt in die Öffentlichkeit, initiierte unter anderem die in München wöchentlich stattfindenden Märsche zur Erinnerung an die israelischen Hamas-Geiseln („Run for their lives“) und zahlreiche Kundgebungen gegen Antisemitismus.Auch Judith Epstein, ehemalige IKG-Vizepräsidentin, ist ein in München bekanntes Gesicht und wieder im Vorstand vertreten. Die Immobilienunternehmerin ist Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition und damit des Vereins, der jedes Jahr die jüdischen Kulturtage in der Stadt veranstaltet.Marian Offman ist nicht mehr in den Vorstand gewählt wordenNicht ins Gremium gewählt wurde der langjährige Stadtrat Marian Offman, amtierender Beauftragter für den interreligiösen Dialog der Landeshauptstadt und bis zuletzt noch als Nachrücker im IKG-Vorstand.Der Beauftragte für interreligiösen Dialog der Landeshauptstadt, Marian Offman, hat es nicht mehr in den Vorstand der Kultusgemeinde geschafft. Stephan RumpfUnter den Gewählten, so ein IKG-Sprecher, seien vier Personen, die Russisch als eine Muttersprache beherrschen. Schätzungen zufolge kommt mehr als die Hälfte der heutigen Gemeinde aus Familien von Neuzuwanderern aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.Die 93-jährige Charlotte Knobloch führt damit die Kultusgemeinde auch in die Zukunft. Sie gehört zu den profiliertesten Stimmen des jüdischen Lebens in Deutschland und setzt sich seit Jahrzehnten für die Erinnerung an die Schoah, den Kampf gegen Antisemitismus und den Erhalt jüdischen Lebens ein. Für ihren persönlichen und politischen Einsatz wurde Knobloch vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2023 mit dem Bayerischen Verfassungsorden. Von 2006 bis 2010 war sie Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, von 2005 bis 2013 Vize-Präsidentin des Jüdischen Weltkongresses.