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Online-Kriminalität: Wie Cyberangriffe Unternehmen ruinieren können Immer mehr Unternehmen werden von Hackern attackiert. Cybersecurity-Experten sollen die IT schützen. Doch die Experten sind schwer zu finden. Das ist gefährlich.
Florian Weyand 07.07.2026 - 08:03 Uhr Hacker haben zuletzt zahlreiche deutsche Unternehmen attackiert. Foto: IMAGO/Addictive StockAusgerechnet per Fax geht bei Wolfgang Kreisel das Erpresserschreiben einer Hacker-Gruppe ein. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellers von Schüttgutanlagen aus dem sächsischen Krauschwitz muss darin lesen, dass Cyberangreifer alle digitalen Daten seiner Firma verschlüsselt haben. Zurück bekomme er diese nur gegen Zahlung eines Lösegelds.So wie dem Unternehmen Kreisel Industries, das bereits Anfang 2024 Opfer einer Cyberattacke wurde, geht es mittlerweile vielen Unternehmern in Deutschland. Jeden Tag greifen Hacker Computer in deutschen Firmen an – und oft sind sie erfolgreich.Eine aktuelle Studie von Bitkom, dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, zeigt, dass mittlerweile 15 Prozent der befragten deutschen Unternehmen bereits Geld an Daten-Erpresser überwiesen haben.Um sich vor den digitalen Angreifern zu schützen, stellen immer mehr Unternehmen Cybersecurity-Experten ein. Zuletzt waren mehr als 25.000 Stellen ausgeschrieben – in Konzernen, bei Mittelständlern, in Verbänden und Verwaltungen. Doch weil qualifiziertes Personal in Deutschland fehlt, lassen sich die Jobs nur schwer besetzen.Unternehmen zahlen Millionen an Online-ErpresserNationale Sicherheit Fragwürdiger Einsatz von Steuergeld: Wie Deutschland Chinas Cyber-Aufrüstung mitfinanziert Die Bundesregierung fördert ein führendes Zentrum für Cybersicherheitsforschung. Doch nun gibt es einen schweren Verdacht: Könnte es eine Eliteschmiede für chinesische Militärforscher sein? von Dietmar NeuererNeben ihnen gibt es zahlreiche weitere Hackergruppen, die oft von Osteuropa aus westliche Unternehmen angreifen. Einige von ihnen bieten die Angriffe als eine Art Dienstleistung an: Cybercrime-as-a-Service, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mitteilt.Laut BSI veröffentlichten Hacker im ersten Quartal dieses Jahres auf bekannten Szene-Internetseiten die Namen von 246 deutschen Unternehmen, die angegriffen wurden. Die Dunkelziffer dürfte laut Experten aber höher sein. „So werden in der Regel nur diejenigen Organisationen auf Leak-Seiten genannt und veröffentlicht, die die Zahlung eines Löse- oder Schweigegelds verweigern“, heißt es beim BSI. Zudem veröffentlichen viele, aber nicht alle Hacker ihre Angriffe.Hacker veröffentlichen Unternehmensdaten im DarknetIm Fall TKMS ist noch unklar, welchen Schaden die Angreifer angerichtet haben. Sicher ist aber, dass die Hacker einen großen Datenbestand abgesichert und Teile davon mittlerweile im Darknet veröffentlicht haben. Die WirtschaftsWoche konnte dort bereits Datensätze einsehen und stieß unter anderem auf Verträge sowie weitere PDF-Dateien.Cybersecurity Doppelagenten im eigenen Computer Digitale KI-Assistenten versprechen Unternehmen Effizienzgewinne. Die Kehrseite: Sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar, gegen das es praktisch noch keinen Schutz gibt. von Thomas KuhnIn vielen Unternehmen sorgen die Angriffe für Verunsicherung. Laut der Bitkom-Studie fühlen sich 59 Prozent der befragten Unternehmen durch Cyberangriffe in ihrer Existenz bedroht. „Ein erfolgreicher Cyberangriff kann für Unternehmen das wirtschaftliche Aus bedeuten. Eine umfassende Cybersicherheit muss deshalb integraler Teil jeder Digitalstrategie sein“, fordert Wintergerst.Im Jahr 2024 schrieben Unternehmen in Deutschland 24.373 Stellen aus, wie Daten des Personalmarktdienstleisters Index Research, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegen, zeigen. Dafür wertete Index 197 Printmedien, 315 Onlinebörsen, das Stellenportal der Bundesagentur für Arbeit und 960.000 Firmenwebsites aus.Im Jahr darauf nahm die Nachfrage nach Profis im Bereich Cybersicherheit noch einmal zu. 2025 waren laut Index 25.839 Stellen ausgeschrieben. Damit entwickelte sich das Stellenangebot für Cybersecurity-Spezialisten im Vorjahr gegen den allgemeinen Trend auf dem Arbeitsmarkt. „2025 schrieben Arbeitgeber für diese spezialisierten Fachkräfte sogar 6 Prozent mehr Stellen aus als 2024“, berichtet Index-CEO Jürgen Grenz.Dienstleister suchen Cybersecurity-ExpertenDoch obwohl fast täglich neue Meldungen über Hackerangriffe auf Unternehmen, Verwaltungen oder Verbände öffentlich gemacht werden, registrierten die Datenexperten für 2026 bisher kaum Aufwärtsbewegung. Von Januar bis Mai dieses Jahres waren bisher 12.732 Stellen ausgeschrieben.Wie stark nach Experten für Cybersicherheit gesucht wird, hängt von der Branche ab. So hat die Nachfrage von Kfz-Händlern oder Energieversorgern zwischen 2024 und 2025 kaum zugenommen. Anders sieht es dagegen bei Unternehmen aus den Bereichen Erziehung/Unterricht aus, wo die Experten von Index eine starke Nachfrage registriert haben. Besonders häufig suchten Unternehmen aus der Branche Information und Kommunikation sowie Dienstleister nach IT-Sicherheitsexperten.Gesucht werden vor allem hoch qualifizierte Informatiker. Mit großem Abstand richteten sich die meisten Stellen in der IT-Sicherheit an akademisch ausgebildete Fachkräfte (11.927 Stellen). Weit dahinter folgten Fachkräfte mit Berufsausbildung (6116 Stellen). Zudem wurden 4362 Stellen für Projektleiter ausgeschrieben.IT-Spezialisten sind in Deutschland schwer zu finden„Zwar ist der Anteil der Unternehmen, bei denen IT-Stellen ein Jahr oder länger vakant bleiben, leicht zurückgegangen, gleichzeitig steigt jedoch der Anteil derer, die für die Besetzung zwischen sieben und zwölf Monaten benötigen“, heißt es in einer aktuellen Bitkom-Studie.Was das bedeutet, zeigt sich auch konkret in den Daten von Index. Um die Chancen bei der Suche nach einem geeigneten Cybersecurity-Experten zu verbessern, greifen Unternehmen in vielen Fällen auf Personaldienstleister zurück.Zwischen Januar und Mai dieses Jahres schalteten externe Dienstleister im Auftrag von Unternehmen fast 5400 der insgesamt rund 12.700 Jobangebote. Dies zeige, „wie schwer es ist, Experten in diesem Fachgebiet zu finden“, sagt Index-Chef Grenz.Besonders schwierig dürfte die Suche zudem für Verbände oder öffentliche Verwaltungen sein. Diese können häufig nicht mit den Gehältern mithalten, die in der Privatwirtschaft gezahlt werden. Dabei ist der Bedarf groß. Zuletzt gab es immer wieder Angriffe auf staatliche Einrichtungen. 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