Wenn man mit dem Zug nach Husum fährt, dann mit dem Bus über die ehemalige Insel Nordstrand, weiter mit der Fähre nach Pellworm und schließlich mit dem Fahrrad oder Rufbus in den Ort Alte Kirche am anderen Ende der Insel, dann steht man, direkt am Deich, vor einer alten Kirche. Darin eine der schönsten Orgeln, die im 18. Jahrhundert gebaut wurden. Zuverlässig fegt der Wind von der Nordsee aus um den Kirchturm aus Backstein, der massig die Kirche und den Deich überragt, obwohl seit über 400 Jahren nur noch die Hälfte von ihm übrig ist. Es stellt sich direkt ein Land’s-End-Gefühl ein.An einem frischen Mittwochabend im Frühjahr, außerhalb der Saison, füllt sich die kleine Kirche St. Salvator auf Pellworm allmählich. Frühe Urlauber und Inselbewohner nehmen in den beheizten Bänken Platz, Rentner mit Windjacke in Signalfarben und Fahrradhelm am Arm, eine Mutter mit erwachsener Tochter, konzertfein angezogen. „Das ist sie“, murmelt die Mutter und dreht sich in der Kirchenbank Richtung Balustrade um. Die Hauptperson heute Abend, das ist die Orgel der Kirche, gebaut 1711 von Arp Schnitger. Gegeben werden Bachs Leipziger Choräle, erster Teil.Gebaut für die EwigkeitArp Schnitgers Orgeln waren gebaut für die Ewigkeit. Doch die Ewigkeit wirkt an kaum einem Ort so fragil wie auf Pellworm. Nicht nur, dass die Orgel im Schatten des halb eingestürzten Kirchturms liegt. Die ganze Insel würde verschwinden, wenn es die Deiche nicht gäbe, denn Pellworm liegt einen Meter unter dem Meeresspiegel.
Orgelwunder: Pellworm und seine Alte Kirche
Mitten im schleswig-holsteinischen Wattenmeer, auf Pellworm, lässt eine Orgel aus dem frühen 18. Jahrhundert nicht nur die Herzen der Urlauber pochen – der Weg bis zum Deich lohnt sich.







