In ihrer letzten Sitzung vor den Sommerferien haben die Stadtverordneten die Entscheidung über die Zukunft der Musikschule vertagt. Erst nach den Sommerferien wollen sie festlegen, wohin die Reise für die städtische Musikschule geht, an der rund 6000 Schüler unterrichtet werden. Zieht sie dauerhaft in ein umgebautes Büro- und Geschäftshaus in der Innenstadt? Oder soll die Schule doch wieder zurück in die städtische Kunsthalle Schirn, die sie wegen einer energetischen und brandschutzrechtlichen Sanierung erst vor einem Jahr verlassen hat?Eigentlich schienen die Weichen für einen dauerhaften Umzug gestellt. Im Mai hatte der Magistrat dafür jedenfalls den Weg frei gemacht: Damals verkündete Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), dass die Musikschule in ein Gebäude an einer Nebenstraße der Zeil ziehe, in dem früher verschiedene Musikklubs untergebracht waren. „Mit diesem neuen Standort schreiben wir die Frankfurter Musikgeschichte fort, die bis in die Fünfzigerjahre reicht“, sagte Weber.Doch im Hintergrund gibt es Streit. Denn nach der Kommunalwahl scheint die inzwischen gebildete neue Koalition im Römer die Pläne nicht kritiklos durchwinken zu wollen. Vor allem in der CDU und bei den Grünen gibt es starke Vorbehalte gegen den Plan von Weber, die Musikschule in das Gebäude zwischen Stift- und Brönnerstraße in der Innenstadt zu verlagern. Denn das bedeutet für die Stadt Kosten von mehr als 50 Millionen Euro.Direktor Mathias Metzner vor den alten Unterrichtsräumen der Musikschule in der SchirnSophie BoyerDie Stadt will das Gebäude für 30 Jahre von einem privaten Eigentümer aus Liechtenstein mieten für jährlich 1,5 Millionen Euro, inklusive Betriebskosten. Weil der Mietpreis an die Entwicklung der Verbraucherpreise gekoppelt wird, steigt die Miete jährlich um voraussichtlich rund drei Prozent. Hinzu kommt ein Baukostenzuschuss von 8,3 Millionen Euro. Somit werden über die gesamte Laufzeit voraussichtlich mehr als 50 Millionen Euro fällig.Stadtverordnete zweifeln an der WirtschaftlichkeitMehrere Stadtverordnete in der Koalition halten das für zu teuer und zweifeln an der Wirtschaftlichkeit. Denn bisher war die Musikschule in der Kunsthalle Schirn untergebracht. Zwar wird auch dort eine Miete von 420.000 Euro jährlich fällig, zuzüglich 100.000 Euro Nebenkosten, aber das Gebäude ist in städtischem Eigentum. Die Stadt schließt also nur sozusagen ein Geschäft mit sich selbst und zahlt nicht viele Millionen Euro Steuergeld an einen privaten Eigentümer. Die Kritiker in der Koalition sehen sich getäuscht: Offiziell habe es geheißen, dass die Musikschule nach Beendigung der lärmintensiven Arbeiten zurück in die Schirn ziehe, doch im Hintergrund hätten die Verantwortlichen eine dauerhafte Verlagerung vorbereitet.Für zusätzliche Dramatik sorgt, dass die Musikschule bei ihrem Auszug aus der Schirn nur für ein Jahr ein Interim in den Kornmarktarkaden an der Berliner Straße gemietet hat, obwohl schon damals klar war, dass die Kunsthalle mindestens für zwei Jahre gesperrt ist. Kritiker vermuten, dass es damals schon die Absicht gab, dauerhaft umzuziehen. Man habe die Stadtverordneten offenbar vor vollendete Tatsachen stellen wollen, heißt es aus der Koalition. Der Mietvertrag für das Interim in den Kornmarktarkaden läuft im Sommer ab, bis zum Jahresende kann die Musikschule noch bleiben. Doch danach ist der weitere Verbleib ungewiss.Eltern haben im Haupt- und Finanzausschuss darauf aufmerksam gemacht, dass die Zeit dränge, zumal die neuen Flächen in der Innenstadt noch für die Zwecke der Musikschule umgebaut werden müssten. Der Leiter Mathias Metzner bot den Fraktionen an, den „Klärungsbedarf“ zu stillen. Und auch der Sprecher des Fördervereins, Roland Pajunk, verweist darauf, dass das neue Gebäude den Bedürfnissen der Musikschule weitaus besser entspreche als die Schirn. Die Arbeits- und Unterrichtsbedingungen dort seien „grenzwertig“ gewesen. Die Raumsituation in der Schirn gilt als beengt, die Warteliste ist lang. Es gibt auch weder einen Saal für Aufführungen noch einen angemessenen Wartebereich für die Eltern. In der Stiftstraße könne die Musikschule auch zu einer weiteren Belebung der Innenstadt beitragen, meint Pajunk.Die Kritiker in der Koalition halten diesen Effekt für gering. Sie betrachten das Risiko als selbst verschuldet und überschaubar: Die Musikschule habe sehenden Auges nur einen einjährigen Mietvertrag für ihr Interim geschlossen. Bis zum Rückzug in die Schirn lasse sich eine Übergangslösung finden, heißt es aus der Koalition.Allerdings wird dennoch erwartet, dass die Stadtverordneten dem Umzug der Musikschule im August zustimmen. „Niemand wagt es, sich mit den Eltern anzulegen“, sagt einer der Kritiker.