Die philippinische Vizepräsidentin steht unter Korruptionsverdacht – jetzt könnte sie abgesetzt werdenDie Fehde zwischen Präsident Ferdinand Marcos und Vizepräsidentin Sara Duterte lähmt das Land seit Monaten. Ob Duterte ihr Amt tatsächlich abgeben muss, ist allerdings unklar.06.07.2026, 15.58 Uhr3 LeseminutenDemonstranten in Manila: Sie protestieren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte.Gerard Carreon / APIn der sowieso turbulenten politischen Landschaft der Philippinen dürfte in den kommenden Wochen noch mehr Unruhe aufkommen: Am Montag begann das Impeachment-Verfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte. Ihr werden mehrere Vergehen zur Last gelegt, unter anderem Korruption und ein versuchtes Mordkomplott gegen Präsident Ferdinand Marcos.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es ist nicht Dutertes erstes Impeachment-Verfahren, schon im vergangenen Jahr gab es einen Versuch, die Vizepräsidentin abzusetzen, dieser scheiterte am Ende am höchsten Gericht. Die Philippinen wählen alle sechs Jahre nicht nur ihren Präsidenten, sondern auch dessen Stellvertreter. Duterte kann also nicht von Präsident Marcos aus dem Amt entfernt werden, sondern ist eine gewählte Volksvertreterin.Sollte der Senat sie für schuldig befinden, wäre Duterte von allen zukünftigen politischen Ämtern ausgeschlossen. Das ist der Kern des Verfahrens gegen sie: Duterte gilt als Favoritin für die Präsidentschaftswahlen 2028. Eine Absetzung als Vizepräsidentin würde eine Kandidatur verhindern. Experten glauben, das Impeachment-Verfahren könnte mehrere Monate dauern. Der erste Tag verlief ohne Überraschungen und diente vor allem der Klärung von Formalitäten und Vorwürfen. Damit eine Absetzung zustande käme, müsste der Senat mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen, und es ist nicht sicher, ob sich diese findet. Am Montag wurde ein Duterte nahestehender Senator verhaftet, ebenfalls wegen Korruptionsvorwürfen.Proteste für und gegen DuterteAm Montag kam es in der Hauptstadt Manila zu Protesten von Duterte-Unterstützern und -Gegnern. 6000 Polizisten sicherten das Parlamentsgebäude. Sara Duterte ist in weiten Teilen der Bevölkerung populär. Das hat auch mit ihrem Vater zu tun.Sie ist die Tochter von Rodrigo Duterte, dieser erwartet derzeit seinen Prozess am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Duterte erlangte weltweite Bekanntheit mit seinem Drogenkrieg: Während seiner Amtszeit als Bürgermeister der südphilippinischen Stadt Davao und später als Präsident liess er Tausende Drogenkonsumenten, Dealer und Verdächtige auf offener Strasse ermorden. In Den Haag muss er sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten.Dutertes Drogenkrieg sorgte zwar weltweit für Entsetzen, in den Philippinen aber geniesst der ehemalige Präsident vor allem im Süden des Landes weiterhin viel Popularität. Seine Anhänger sehen ihn als eine Art Sheriff, der endlich aufräumte in Manila. Seine Tochter, einst ebenfalls Bürgermeisterin von Davao, profitiert von diesem Ruf. Das Impeachment-Verfahren nutzt sie als Bühne: Sie präsentiert sich als Kämpferin gegen die korrupten Eliten in der Hauptstadt.Präsident Marcos liess mitteilen, dass er sich aus dem Impeachment-Verfahren heraushalten wolle. Er steht selber unter Druck: Seit dem vergangenen Jahr gab es in den Philippinen immer wieder grosse Proteste gegen Korruption – diese flammten erstmals auf, als während der Regenzeit klar wurde, dass bitter benötigte Hochwasser-Infrastruktur zwar bezahlt, aber nie gebaut wurde.Einst gemeinsam angetretenMarcos und Duterte waren 2022 noch gemeinsam angetreten. Es schien eine Vereinigung der beiden wichtigsten Politikerfamilien im Land: Marcos’ Vater war einst Präsident, dann nach Ausrufung des Kriegsrechts langjähriger Diktator. Beide Familien besitzen ein weitverzweigtes Machtnetzwerk, mehrere Tanten, Cousins und Neffen sind ebenfalls in der Politik. Der Friede zwischen den Familien hielt allerdings nicht lange. Duterte bekam nicht die Macht, die sie sich wünschte, schon bald beschuldigten sich Präsident und Vizepräsidentin gegenseitig der Mordabsichten. Duterte verdächtigte Marcos zudem der Drogensucht.Die Fehde zwischen Präsident und Vizepräsidentin lähmt die philippinische Politik. Beide können auf eine grosse Schar von Unterstützern zählen, die mit ihren Demonstrationen ganze Strassenzüge blockieren können.Marcos darf 2028 nicht mehr zu den Wahlen antreten – die Philippinen erlauben dem Staatspräsidenten nur eine Amtszeit. Sollte Duterte die Absetzung überstehen, dürfte sie gestärkt in den nächsten Wahlkampf gehen. Und die Philippinen könnten bald wieder von jemandem aus der Duterte-Familie regiert werden.Passend zum Artikel
Philippinen: Vizepräsidentin Sara Duterte muss sich Impeachment stellen
Die Fehde zwischen Präsident Ferdinand Marcos und Vizepräsidentin Sara Duterte lähmt das Land seit Monaten. Ob Duterte ihr Amt tatsächlich abgeben muss, ist allerdings unklar.












