Die App Hessenwarn wird zu Anfang des nächsten Jahres eingestellt. Das teilte Innenminister Roman Poseck (CDU) in seiner schriftlichen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage mit. Er geht damit über die aktuelle Empfehlung des Rechnungshofs hinaus.Der hatte im Mai eine Evaluation gefordert und auf die App Nina hingewiesen. Sie wird vom Bund und allen Ländern genutzt. Weil Hessen als einziges der 16 Länder daneben noch ein eigenes System betreibt, hatte der FDP-Abgeordnete Oliver Stirböck in der Anfrage digitale Doppelstrukturen und die zusätzlichen Kosten moniert.Die App Nina wird von anderen Ländern und vom Bund genutztDie App Hessenwarn ist eine technologische Weiterentwicklung des Systems Katwarn und bietet Gefahren und Katastrophenwarnungen verschiedener Behörden aus einer Hand. Bei der Einführung im November 2019 kündigte der damalige Innenminister Peter Beuth (CDU) eine „neue Zeitrechnung in der präventiven Sicherheitskommunikation“ an.Wie der Politiker damals erläuterte, können neben den Grundfunktionen der aktiven Benachrichtigung gemäß individuellen Bedürfnissen und Interessen noch weitere Leistungen ausgewählt werden. Sie reichen beispielsweise von Fahndungen nach Vermissten über Warnungen vor „falschen Polizisten“, Hochwasser- und Unwettermeldungen und Produktrückrufen bis zur Suche nach Zeugen und der Ankündigung von Unterrichtsausfall an Schulen.Zu den Optionen zählt auch ein Notruf mit der Übermittlung des Standorts. Im Februar 2022 teilte Beuth mit, dass die App konstant rund 300.000 Nutzer verzeichne. In seiner Stellungnahme zum Bericht des Rechnungshofs erklärte das Innenministerium, der Grund für die Entscheidung aller anderen Länder zugunsten der App Nina seien nicht etwa „überzeugende Funktionalitäten der Anwendung“ gewesen.Kosten sind von 107.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro gestiegenGerade darin seien sie mit den Möglichkeiten der hessischen Warn-App nicht vergleichbar. Ausschlaggebend für die anderen Länder sei gewesen, dass der Bund bei der Nutzung von Nina die Übernahme der Kosten zugesagt habe. Nach den Angaben des Innenministeriums wäre die Anwendung von Nina damals „für Hessen ein Rückschritt“ gewesen.Die Entscheidung für die landeseigene App sei „auf der Basis unzureichender Informationen zu möglichen Kosten getroffen“ worden, so der Rechnungshof. Stirböck spricht von einer „Kostenexplosion“. Der 2017 geschätzte Betrag von 107.000 Euro sei bis 2022 auf mehr als 1,2 Millionen Euro gestiegen.Poseck erinnert daran, dass die ursprüngliche Betrachtung zur Wirtschaftlichkeit einem deutlich geringeren Projektumfang gegolten habe, der qualitativ ausgeweitet worden sei. Dies habe auch der Rechnungshof festgestellt. Die spätere Entwicklung habe in der ursprünglichen Kostenschätzung nicht abgebildet werden können, da die zusätzlichen Anforderungen und Leistungsbestandteile damals noch nicht festgestanden hätten.Die Betriebskosten von 60.000 Euro im Jahr werden nun eingespartSeit Mitte 2025 würden polizeiliche Warnmeldungen auch durch Nina bereitgestellt, so Poseck. Stirböcks Frage, welche exakten Funktionen der hessischen App Nina nicht abdecke, beantwortet Poseck mit Meldungen über Unterrichtsausfälle, temporäre Veranstaltungen, Notrufe mit Angabe des Ortes, Anzeigen der nächsten Polizeidienststelle sowie Produktrückrufe und Warnungen vor Wildunfällen.Allerdings habe der Bund die Funktionalitäten von Nina in den vergangenen Jahren schrittweise an Hessenwarn angeglichen. Angesichts der Entwicklung der bundesweiten App sei der Mehrwert der Landes-App deutlich geringer geworden, erklärte Poseck. Darum ende die Unterstützung der App am 1. Januar 2027, und zwar ohne eine vorherige Evaluation. Das Einsparpotential beziffert Poseck auf die Betriebskosten in Höhe von rund 60.000 Euro im Jahr.