Schillers Räuber am Schauspiel Stuttgart: Mein Bruder, der Wutbürger!

Sebastian Pucher inszeniert einen erwartbaren Familienzwist. Schillers „Räuber“ werden am Schauspiel Stuttgart zu Extremisten der Gegenwart.

Die Räuberbande erscheint in Sebastian Puchers „Räuber“-Inszenierung im zeitgenössischen Gewand

Thomas Aurin

Ehrlich gesagt geben sich beide nichts. Der eine, integriert, wiegelt den Vater auf, um allein an das Erbe und die Macht in der Familie zu gelangen. Der andere gründet daraufhin eine Schlägerbande, um einen Rachefeldzug zu beginnen. Die Rede ist von den rivalisierenden Brüdern Karl und Franz Mohr in Friedrich Schillers furiosem Debütdrama „Die Räuber“. Ein kraftvoller Sturm-und-Drang-Text über die Möglichkeiten und Grenzen der Freiheit. Dass dieser insbesondere in einer Epoche wiedererstarkender autoritärer Tendenzen reichlich Anschlusspotenzial birgt, ist für jede Regie verführerisch. Rasch drängen sich plakative Bilder auf, nach denen letztlich auch Sebastian Pucher in seiner Inszenierung für das Schauspiel Stuttgart gegriffen hat.