PfadnavigationHomePanoramaFriedrich Merz„I'm already dying inside“ – der merkwürdig-morbide Kanzler-PostStand: 07:58 UhrLesedauer: 3 MinutenTom Rohrböck zählt zu den geheimnisvollsten AfD-Akteuren. Er ist laut eigener Aussage unheimlich gut vernetzt und gilt in der Partei als Königsmacher. Jetzt verhängt die AfD ein „Kontaktverbot“. Wer ist dieser Mann und wer steht hinter ihm, fragt WELT-Autor Dennis Sand.Friedrich Merz will sich als „Reformkanzler“ inszenieren. Doch bei einem Posting unterläuft seinem Kommunikationsteam offenbar ein weiterer Fauxpas. Oder muss man sich um den Kanzler etwa Sorgen machen?Wer sich im politischen Betrieb bewegt, der weiß, dass es in der Politik immer bloß Interessen, niemals aber echte Freundschaften geben könne. Freundschaften? Ein Friedrich Merz dürfte sich mittlerweile schon damit zufriedengeben, wenn seine politischen Gegner wenigstens nicht auch noch für ihn arbeiten. Aber so sicher kann man sich da nicht mehr sein. Denn dass sich die Umfragewerte des Kanzlers immer wieder unterbieten, dürfte nicht bloß an seiner Politik, sondern auch zu großen Teilen an seiner Kommunikation liegen. Und an seinem Kommunikationsteam.Da gab es vergangene Woche den legendären Fußball-Tweet von Merz. Nachdem Deutschland blamabel aus der WM geflogen war, hatte Merz gepostet, dass er stolz auf die Mannschaft sei. Das fanden einige Leute, nun, verwirrend, aber die wirkliche Demontage kam ein wenig später, als das Kanzleramt den sich wundernden Journalisten steckte, das wäre ein „Abstimmungsfehler“ gewesen. „Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf“, hieß es. Ohje. Und jetzt kommt auch schon der nächste Fauxpas.Eine gute Merz-Inszenierung. Beinahe zumindestNachdem Merz stolz sein neues Reformprogramm vorgestellt hat, postet sein Social-Media-Team ein Foto vom Bundeskanzler. Man sieht Merz da von schräg oben gefilmt, entschlossener Schritt, Sonnenbrille, Aktentasche in der Hand, dazu der plakative Schriftzug: „Reformkanzler“. Das signalisiert Aufbruch und Tatkraft. Eine gute Inszenierung. Beinahe zumindest.Denn unterlegt ist das Bild mit dem Song „Goth“ von Sidewalks and Skeletons, einem besonders auf TikTok populären Witch-House-Track, dessen gesamte Atmosphäre zwischen Depression, Horror und Weltuntergang pendelt. Sicher muss sich ein 14-jähriger NuWave-Emo nicht mit den Inhalten eines solchen Songs befassen, wenn er ihn, vom Weltschmerz geplagt, unter seine Postings legt. Aber das Social-Media-Team des Bundeskanzlers, das könnte vielleicht schon ein bisschen besser hinhören, bevor man einen Soundschnipsel verwendet.Lesen Sie auchDie Lyrics von dem Song gehen im Original so: „Place me in my casket tonight / Because I'm already dying inside.“ Jemand wünscht sich, in einen Sarg gelegt zu werden, weil er innerlich stirbt. Ja, die gesamte Bildwelt des Songs kreist um Tod, Depression und das Gefühl innerer Leere. „My hollow heart finds it too hard to trust / We're all alone until we turn back to dust.“ Der Song erzählt nicht vom Aufbruch, sondern vom Zerfall. Ausgerechnet damit unterlegt die CDU einen Beitrag, der den „Reformkanzler“ als Symbol für einen politischen Neuanfang inszenieren soll. Muss man sich Sorgen um Friedrich Merz machen? Vielleicht leidet er ja nicht bloß am Weltschmerz, sondern am politischen Betrieb, der dafür sorgt, dass sich Friedrich Merz künftig tatsächlich weniger vor der Opposition als vor den Leuten fürchten muss, die morgens seine Social-Media-Posts freigeben. Das kann wirklich schon mal zu Depressionen führen.