Der Düsseldorfer Spezialmaschinenbauer steigert Umsatz und Gewinn stetig, das Management ist den Zielen für 2030 schon recht nah gekommen. Zielbranchen wie Lebensmittelindustrie oder Arzneimittelherstellung sorgen für Resistenz.Arne Gottschalck, «The Market NZZ»06.07.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenLukrative Nische: Sudhaus einer Brauerei mit Anlagen von GEA.GEADies ist ein Artikel aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wenn sie zugreifen, wird der Investor Joel Greenblatt hellhörig: Der Amerikaner betrachtet es als Vertrauensbeweis, wenn Unternehmensführer Aktien des eigenen Unternehmens kaufen. Genau das geschieht bei GEA. Das Management des Spezialmaschinenbauers um den CEO Stefan Klebert hat jüngst Titel im Gesamtwert von gut 1,5 Millionen Euro gekauft. Das zu Aktienkäufen destillierte Vertrauen der Führungskräfte ist damit vorhanden. Aber ist es auch gerechtfertigt und die Aktie ein Kauf?Weltweit in guter PositionAuf den ersten Blick wirkt das Geschäft von GEA fast etwas langweilig. Die Düsseldorfer bauen massgeschneiderte Maschinen für drei Kundengruppen: die Nahrungsmittel-, die Getränke- und die Pharmaindustrie. Dazu gehören Füllanlagen, die Wasser oder Milch in Flaschen bringen. Gefriertunnel wiederum sind rund 30 Meter lange Maschinen, die 30 Tonnen Pommes frites in der Stunde tiefkühlen können.Damit hat sich GEA eine gute Marktposition erarbeitet. Jedes dritte Chicken-Nugget weltweit durchlaufe GEA-Technologie, heisst es in einer Investorenpräsentation von diesem Juni. Jede zweite Krebstablette werde mit GEA-Ausrüstung wie zum Beispiel Tablettieranlagen produziert. Damit geht eine gewisse Marktmacht einher. «Kostensteigerungen konnten wir in den vergangenen Jahren grundsätzlich an den Markt weitergeben», sagt ein Sprecher des Unternehmens.Verkauft werden die Produkte weltweit, wobei keine Region dominiert. 21 Prozent des Umsatzes wurden 2025 in Asien erzielt, 20 Prozent in Nordamerika und 19 Prozent in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Osteuropa.Breit gestreut sind auch die Kunden. Selbst der grösste Abnehmer mache nicht mehr als 1,5 Prozent des Umsatzes aus, notiert Lars vom Cleff, Analyst der Deutschen Bank. Der Umsatz wächst so stetig, wie die breite Aufstellung es vermuten lässt.Auch beim Auftragseingang geht es nach oben. 2024 lag die Grösse bei 5,6 Milliarden Euro, 2025 dann schon bei 5,9 Milliarden Euro.Dass das im unsicheren Umfeld keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen Daten des Branchenverbands VDMA: Die Produktion im Maschinenbau sank im vergangenen Jahr um 5 Prozent. Für 2026 geht der Verband von einem mageren Plus von 1 Prozent aus. GEAs Resilienz gegen den Sektortrend wird von den Anlegern seit einem Jahr nicht honoriert.Auch GEA litt vorübergehend unter dem Iran-Krieg und der Sorge, dass die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird. Doch das Unternehmen hat ambitionierte Pläne.GEA: Die Wahrnehmung verändert sichDer DAX-Aufsteiger vom September 2025 hat seine «Mission 2030» bereits 2024 vorgestellt. Sie umfasst Zielgrössen wie zum Beispiel mehr als 7 Milliarden Euro Umsatz, eine Ebitda-Marge von 17 bis 19 Prozent und eine Rentabilität von über 45 Prozent, gemessen an der Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce). Sie skizziert aber auch einen Weg, wie diese Ziele zu erreichen sind. Ambitioniert und vielleicht etwas zu ambitioniert, lautete damals eine gängige Einschätzung.Genau diese Haltung ändert sich. Die Deutsche Bank stufte GEA am 15. Juni von «Halten» auf «Kaufen» herauf. Bei Morgan Stanley hob man das Urteil von «Untergewichten» auf «Gleichgewichten».Die Zahlen des ersten Quartals untermauern die Einschätzungen. Der Umsatz beispielsweise belief sich auf 1,3 Milliarden Euro, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die Gewinnentwicklung auf Stufe Ebitda weist ebenfalls aufwärts.Die Profitabilität (Ebitda-Marge) wuchs deutlich zwischen dem ersten Quartal 2025 (15,8 Prozent) und dem entsprechenden Vergleichszeitraum 2026 (16,2 Prozent). 2021 hatte sie noch bei 13,3 Prozent gelegen. Helfen können auch Einsparungen bei den Verwaltungskosten. Sie sollen von zuletzt 12,7 Prozent des Umsatzes auf weniger als 10 Prozent fallen. Ein Baustein ist die Vereinheitlichung der Unternehmenssoftware. Früher habe GEA 67 verschiedene Programme genutzt, schreibt RBC Capital Markets in einer Studie. An ihre Stelle soll SAP S/4Hana treten.Auch die Rentabilität, gemessen an der Rendite auf das investierte Kapital (Roic), zeigt sich in den letzten Jahren robust.Ebenfalls aufwärts geht es mit der Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce), der von GEA zur Steuerung verwendeten Kennziffer. Die Kenngrösse stieg von 33,8 Prozent (2024) auf 36,2 Prozent (2025).«Die Ziele der ‹Mission 30› sind definitiv in greifbarer Nähe», sagt Philipp Struwe, Portfoliomanager bei Metzler Asset Management.Das Management liefert weiterEntscheidend dafür ist das Managementteam. Anfang 2019 hatte der CEO Stefan Klebert sein Amt angetreten. GEA galt als zu komplex, zu niedrigmargig. Zwischen 2016 und 2019 gab es sieben Gewinnwarnungen. GEA habe 2019 «in einer tiefen Krise» gesteckt, sagte Klebert auf der Hauptversammlung 2026.Gemeinsam mit dem damaligen und im August 2023 verstorbenen Finanzchef Marcus Ketter brachte er das Unternehmen wieder auf Kurs. «Seine Rolle für den Erfolg von GEA ist nicht zu unterschätzen», sagt der Fondsmanager Struwe.Mit dem Umbau geht es weiter. So wurden die bisher fünf Divisionen auf die Segmente Pure Flow Processing, Nutrition Plant Engineering und Pharma & Food Applications reduziert. Verantwortet werden diese Segmente jeweils von einem der in Summe nun sechs Mitglieder des Managements. Das soll die Handlungsgeschwindigkeit steigern. Die anderen drei kümmern sich um Finanzen, Personal und Nachhaltigkeit sowie um das grosse Ganze.In dem Gremium findet sich viel GEA-Erfahrung. Alexander Kocherscheidt hat das Amt als Finanzchef zwar erst seit Ende 2025 inne (damals folgte er auf Bernd Brinker). Doch er arbeitet bereits seit 2019 bei GEA. Die Personalchefin Nadine Sterley ist seit 2016 bei GEA. Der Vertrag mit Klebert wiederum wurde vorzeitig bis Ende 2028 verlängert, die Wachstumsmärkte China und Indien sowie das Segment Farm Technologies unterstehen seiner Verantwortung.Klare Schwerpunkte gesetztEine Stossrichtung ist der Servicesektor, der anders als das Projektgeschäft stetige Zahlungen mit sich bringt. Mehr Dienstleistungen helfen auf dem Weg zu den Mittelfristzielen: «Da der Service eine erheblich höhere Profitabilität aufweist als der Verkauf der Maschinen, ist dieser positive Mixeffekt eine treibende Kraft bei der Verbesserung der Marge», sagt der Fondsmanager Struwe. Bei Verkündung der neuen Ziele im Jahr 2024 lag der Serviceanteil noch bei 38,9 Prozent, 2025 bei 40 Prozent. Damit wäre die Zielvorgabe vorzeitig erreicht. In absoluten Zahlen peilt GEA für 2030 einen Serviceumsatz von 2,9 Milliarden Euro an (2025: 2,2 Milliarden Euro).Theoretisch könnte es künftig schwieriger werden, das starke Servicewachstum fortzusetzen. Um 7,1 Prozent pro Jahr sei das Segment zwischen 2020 und 2025 gewachsen, rechnet Berenberg in einer Studie vor. Weil das 40-Prozent-Ziel des Services am Umsatz erreicht sei, könnte eine zusätzliche Ausweitung schwierig sein. Allerdings hat das Management es bislang regelmässig geschafft, bei Zielerreichung neue Reizpunkte zu setzen.Technologie soll die Ziele ebenfalls näher bringen. Je mehr Daten GEA bündelt, umso eher lassen sie sich gewinnbringend nutzen, etwa um bei Maschinen die Lebensdauer zu verlängern. Technologie kann also das Servicewachstum anschieben. Heute sind rund 11 000 Maschinen vernetzt. Die Zahl soll auf mehr als 35 000 steigen. Das Programm «GEA SecurityPartner» hilft Kunden, Produktionsanlagen gegen Cyberangriffe zu schützen – und bindet sie enger an das Unternehmen. 80 Millionen Euro erwirtschaftete GEA 2025 mit dem Digitalgeschäft; 2030 sollen es über 200 Millionen Euro sein. Teil dessen ist die diesjährige Eröffnung eines Softwareentwicklungszentrums in Belfast mit Fokus auf Landwirtschaft.Nachhaltigkeit ist ein weiterer Fokus. Immerhin können effiziente Produkte den Kunden helfen, den Energieverbrauch zu senken. Entsprechend will GEA den Anteil nachhaltiger Angebote von 45,7 Prozent (2025) auf mehr als 60 Prozent (2030) hieven.Auch vom Trend hin zu proteinreicher Ernährung will GEA profitieren. Bei der Maschinerie für die Extraktion von Molkeproteinen ist sie laut «mwb Research» Marktführer und hat dort einen Burggraben. Für «New Food» will GEA den Ordereingang von 70 Millionen Euro (2025) auf mehr als 400 Millionen Euro (2030) steigern. Viele der Kunden investierten dafür bereits in zusätzliche Produktionslinien, heisst es von GEA.Wachstum zeigte GEA in der jüngeren Vergangenheit auch bei der Dividendenauszahlung.Zum Wachstum könnten Unternehmensübernahmen beitragen. Es stünden bis zu 2 Milliarden Euro dafür bereit, so GEA in einer Präsentation.Baustellchen statt BaustellenKritisch wird von Analysten die Entwicklung des Free Cashflow in den ersten drei Monaten 2026 betrachtet. Er lag im ersten Quartal bei negativen 190 Millionen Euro, während es vor einem Jahr (Q1/2025) nur negative 49 Millionen Euro waren.Das erste Quartal ist bei GEA tendenziell schwächer als der Rest des Jahres. Auch der Free Cashflow der ersten Jahresviertel der Jahre 2024 und 2025 war negativ. Dennoch wurden die Jahre mit einem positiven freien Barmittelzufluss abgeschlossen. Die Aussagekraft eines Quartals ist damit begrenzt. 2026 solle die Grösse nach GEA-Einschätzung bei 500 Millionen Euro liegen, notiert eine UBS-Studie über ein Treffen mit dem CFO Kocherscheidt.Die Entwicklung in Nahost trifft GEA dagegen wenig. Nur 3 Prozent der Orders stammen aus der Region, der Konzern besitzt dort auch keine Produktionseinheiten. Auch steigende Energiepreise lassen ihn kalt, da er sich nach eigenen Angaben den Grossteil des Energieverbrauchs bis Ende des Jahres mit Festpreisverträgen abgesichert hat.Die grösste Herausforderung dürfte für GEA sein, sich nicht zu verzetteln, sagt Struwe. Hinweise darauf finden sich nicht.GEA ist kein SchnäppchenGemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis rangiert die Bewertung ungefähr auf dem Niveau des langjährigen Schnitts.Auch die Relation zwischen Unternehmenswert und Gewinn auf Stufe Ebitda zeigt mit 10 den gleichen Wert wie im Schnitt der vergangenen zehn Jahre.Der Vergleich mit der Konkurrenz ist nicht einfach, weil keines der Unternehmen ein mit GEA deckungsgleiches Profil hat. Krones beispielsweise ist mit dem Bau von Getränkeabfüllmaschinen fokussierter. Alfa Laval wiederum weist eine Premiumbewertung auf, weil sie neben Separatoren, wie GEA sie ebenfalls herstellt (zur Trennung von Komponenten), auch Themen mit politischem Rückenwind wie Energieeffizienz oder Dekarbonisierung im Portfolio hat.Die Deutsche Bank sieht für GEA eine Diskrepanz zwischen den robusten Fundamentaldaten und der gegenwärtigen Bewertung. Sprich: Zwar ist das Unternehmen nicht billig, bietet aber einiges, was der Markt derzeit noch nicht vollumfänglich anerkennt. Es hat das Stadium der Turnaround-Story hinter sich gelassen, wird aber noch nicht umfassend als Qualitätsunternehmen wahrgenommen. Es sitzt also etwas zwischen den Stühlen.Bei der Rendite und der Profitabilität steht der DAX-Konzern besser da als die Vergleichsunternehmen. Er bietet einen klaren Fokus auf profitables Wachstum, ein robustes Geschäft sowie ein diszipliniertes Management. Inzwischen beginnt sich die Wahrnehmung der Investoren zu ändern. Damit ist GEA in dieser Übergangsphase für langfristig orientierte Anleger interessant.
GEAs überlegene Rentabilität wird von den Anlegern verkannt
Der Düsseldorfer Spezialmaschinenbauer steigert Umsatz und Gewinn stetig, das Management ist den Zielen für 2030 schon recht nah gekommen. Zielbranchen wie Lebensmittelindustrie oder Arzneimittelherstellung sorgen für Resistenz.








