Weltstar Rafael Nadal genießt das Leben nach seiner Tenniskarriere. Endlich ein wenig Ruhe und Endspannung. Wie das ist und was er Alexander Zverev vor dessen Triumph bei den French Open riet, berichtet er im großen Interview.Er war der „König des Sandplatzes“: Der Spanier Rafael Nadal, 40, gewann in seiner Karriere 14-mal das Grand-Slam-Turnier French Open in Paris – Rekord. Ende 2024 hörte die Tennislegende auf und orientierte sich neu: Unter anderem stieg Nadal ins Hotelgeschäft ein. Mit WELT AM SONNTAG sprach er ausführlich per Videoschalte am Rande der Präsentation seines neuen Hotels auf Fuerteventura.WELT AM SONNTAG: Señor Nadal, Alexander Zverev gewann mit den French Open endlich erstmals ein Grand-Slam-Turnier. Sie selbst triumphierten 14-mal in Roland Garros. Wie fanden Sie seinen Sieg?Rafael Nadal: Ich freue mich ganz persönlich unheimlich für ihn! Das hat er sich so sehr verdient, nach all den Jahren, die er für diesen ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier gekämpft hat. Für ihn war das mehr als einfach nur ein Ziel. Die Bedeutung ist für ihn auf einem ganz anderen Level.WAMS: Im Sommer 2025 besuchte Zverev Ihre Tennisakademie auf Mallorca, trainierte mit Ihrem Onkel Toni. Was besprachen Sie damals mit ihm?Nadal: Wir redeten damals über Tennis, über Mentalität, über das Vertrauen, das ich in ihn habe, dass er so ein großes Turnier wie einen Grand Slam gewinnen kann. Ich war mir sicher, dass er dort siegen könne, wenn er etwas mehr riskiert, aggressiver spielt und den Mut hat, die richtigen Dinge zu machen, wenn es die Situation erfordert. Aber im Endeffekt ist der Titel jetzt das Ergebnis all der Arbeit von ihm und seinem Team mit seinem Vater. Aus meiner Sicht habe ich nichts mit seinem Erfolg zu tun, ich führte mit ihm nur ein paar Gespräche als Kollege. Ich sagte ihm: Wenn ich dir irgendwie helfen kann, bin ich stets für dich da. Wie ich es auch für andere Spieler bin. Meine Mission war es, ihm zu helfen, damit er einige Dinge erkennt und versteht, dass er mehr als bereit für große Turniersiege ist.Lesen Sie auchWAMS: Hat es Sie überrascht, dass er diesen Durchbruch erst mit 29 schaffte?Nadal: Er ist der Spieler, von dem wir alle immer dachten, dass er der Richtige sei, um mehrere Grand-Slam-Turniere zu gewinnen. Aber aus verschiedenen Gründen schaffte er es nicht, wie ich es ihm zugetraut hätte. Wenn dir so ein Erfolg nicht gelingt, obwohl du es schaffen solltest, dann wird es immer nur noch schwieriger. Daher bin ich umso glücklicher, dass er gewonnen hat. WAMS: Zverev und Sie verbinden emotionale Momente: Im French-Open-Halbfinale 2022 verletzte er sich im Spiel gegen Sie schwer am Knöchel, 2024 war er dann Ihr letzter Gegner beim Abschied von Roland Garros. Wie prägen solche Momente Ihre Beziehung?Nadal: Wir haben auch oft zusammen trainiert, waren auch im selben Laver-Cup-Team. Es war immer eine sehr positive Beziehung, wir haben über die Jahre oft gesprochen. Dazu kamen wichtige Matches. Er hatte großes Pech bei diesem Halbfinale 2022. Es war ehrlich gesagt hart, die Verletzung mitanzusehen. Zufällig war er dann auch mein Gegner beim French-Open-Abschied. WAMS: Viele frühere Topspieler wie Boris Becker oder John McEnroe arbeiteten als Trainer. Ist das eine Option für Sie?Nadal: Ich würde niemals nie sagen. Aber momentan denke ich nicht daran. Ich habe so viel in meinem Leben: meine Familie, meine Kinder. Ich kümmere mich um meine Akademie, persönliche Projekte im geschäftlichen Bereich. Daher fehlt mir die Zeit, mich so sehr auf einen Spieler einzulassen, wie er es brauchen würde. Ich kann allerdings mit Spielern sprechen und ihnen Ratschläge geben, aber eher als, nennen wir es mal, Amateur. Ich kann mich aktuell nicht für die Profession eines Trainers verpflichten. Aber für die Zukunft weiß man nie. Aktuell ist es schwer vorstellbar, aber ich liebe Tennis und Sport. Also, wer weiß?WAMS: Alle Tennisfans werden Sie als besten Sandplatzspieler der Tennisgeschichte nennen. Abgesehen von sich selbst, wen setzen Sie nach ganz oben?Nadal: Für mich war Björn Borg der Beste. Das zeigen auch die Statistiken. Alle, die ihn haben spielen sehen, hatten auch dieses Gefühl. Sie sagen alle, dass er der Beste war. Ich hatte leider nicht das Glück, seine Spiele persönlich zu sehen, als er Weltspitze war. WAMS: Am 19. November 2024 hatten Sie beim Davis Cup in Malaga das letzte Match Ihrer Karriere. Wie geht es inzwischen Ihrem Körper, der über die Jahre viele Verletzungen verkraften musste?Nadal: Ich bin glücklich, weil mein Körper mir endlich etwas Frieden gönnt. In Bezug auf Schmerzen bin ich in einer guten Lebensphase. Nach all den Jahren, in denen ich jeden Morgen mit Schmerzen aufgewacht bin. Jetzt erlebe ich etwas Neues in meinem Leben, endlich keine täglichen Schmerzen. Das ist mir natürlich sehr wichtig, und das genieße ich. Daher will ich meinen Körper auch nicht zu viel Stress aussetzen. Daher spiele ich aktuell auch kein Tennis.WAMS: Möchten Sie das in Zukunft noch zum Spaß tun?Nadal: Ich werde sicher irgendwann noch einmal Tennis spielen, ich würde gern ein paar Showmatches bestreiten. Zu solchen muss ich mich wohl erst einmal verpflichten, bevor ich mit der Vorbereitung loslege. Ohne so ein Ziel fällt es mir schwer, wieder mit dem Tennis anzufangen. Mein Leben und meine Arbeit verschlingen so viel Zeit, dass es schwer wäre, alles so zu organisieren, um noch Tennis zu spielen.WAMS: Serena Williams gibt gerade mit 44 Jahren ihr Comeback. Wie stehen die Chancen, dass Sie irgendwann einmal zurückkommen?Nadal: Sagen wir mal so: Die Chancen sind nicht sehr hoch. Aber auch da gilt: Sag niemals nie. Aber wenn Sie mich fragen, ob Sie Geld auf ein Comeback von mir setzen sollten, dann würde ich Ihnen sofort davon abraten. Aber ich freue mich für Serena. Es sind tolle Nachrichten. Für sie, weil sie noch einmal spielen möchte. Aber auch für die Fans ist es schön, weil es unterhaltsam und interessant wird, sie noch einmal auf dem Tennisplatz sehen zu können. WAMS: Ihr Landsmann Carlos Alcaraz, der frühere Weltranglistenerste, ist aktuell leider verletzt, er hat Probleme mit dem rechten Handgelenk. Jetzt sucht er Hilfe bei Ihrem früheren Arzt Ángel Ruiz Cotorro. Wie groß sind Ihre Sorgen um Alcaraz?Nadal: Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um ihn, weil ich genau diese Verletzung selbst zweimal hatte: 2014 beim Training auf Mallorca und 2016, als ich bei den French Open aufgeben musste. Wenn man diese Verletzung richtig behandelt, wird sie dich in deiner Karriere nicht weiter verfolgen. Jetzt ist es wichtig für Carlos, die Vorgaben des Arztes zu befolgen. Ángel hat viel Erfahrung. Es ist wichtig, dass Carlos es richtig behandelt und auskuriert, weil er so jung und sehr gut ist.WAMS: Im September 2022 gingen die Bilder von Ihnen und Roger Federer bei dessen Abschied um die Welt, als sie beide zusammensaßen und weinten. Was bedeutete Ihnen dieser Moment?Nadal: Das war natürlich emotional. Damals beendete mit Roger mein größter Rivale neben Novak Djokovic seine Karriere. Als ich auf die Profitour ATP kam, war Roger der erste große Konkurrent, auf den ich traf. Also ging mit ihm ein großer Teil meines Lebens. Er war auch einer der Spieler, die ich am meisten bewunderte. Daher war es so emotional, weil ich wusste, dass ich nicht mehr gegen ihn antreten würde. Das war traurig. Nach all den Momenten, die wir im Tennis teilten. All die Erfahrungen, all die Emotionen, selbst als große Rivalen. Wir respektierten uns gegenseitig so sehr und hatten gemeinsam tolle Erlebnisse und schwere Momente. Ich habe es genossen, ein Teil dieser Erlebnisse zu sein. Als Roger aufhörte, ging ein Stück von mir mit ihm.WAMS: Sie erwähnten Djokovic. Er jagt seit einiger Zeit den 25. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. Trauen Sie ihm den noch zu?Nadal: Novak ist super gut, auch in seinem Alter. Er spielt seltener als früher, was es schwerer macht. Daher stehen seine Chancen auf diesen Titel natürlich ohne Zweifel schlechter als noch vor zwei Jahren. Aber er erreichte auch das Finale der Australian Open in diesem Jahr. Also, warum soll es ihm nicht doch noch gelingen?WAMS: Sie sind Fan von Real Madrid. Hätten Sie gern Bayerns Michael Olise oder Manchester Citys Erling Haaland bei Ihren Königlichen?Nadal: Wenn Sie mich so fragen, sage ich natürlich ja zu Olise und auch zu Haaland. Die hätte ich gern bei Real. Da wären wir alle sehr glücklich. Aber am Ende können nur jeweils elf spielen. Wir haben bereits ein großartiges Team. Jetzt ist es wichtig, die Mannschaft richtig zu managen. Mir ist es wichtig, dass wir eine Saison mit weniger Verletzungen haben. Die vergangenen Jahre hatten wir davon zu viel, und so ist es schwierig, zu 100 Prozent wettbewerbsfähig zu sein. Wenn wir gesund bleiben, können wir wieder viel erreichen. Aber Olise und Haaland können Sie gern bei uns vorbeischicken.WAMS: Bereits zu Spielerzeiten stiegen Sie 2022 ins Hotelgeschäft ein. In Zusammenarbeit mit Zel Melià eröffneten Sie gerade auf Fuerteventura ein neues Hotel. Wie kam es dazu?Nadal: Ich stamme aus Mallorca, und unser größter Wirtschaftszweig ist der Tourismus. Daher war es für mich ein ganz natürlicher Schritt, weil wir auf Mallorca einige große Hotelkonzerne haben, die weltweit im Geschäft sind. Der erste und wohl größte war Melià. Ich kenne die Familie Escarrer, die dahintersteht, bereits seit langer Zeit und habe eine gute Beziehung zu ihrem Geschäftsführer Gabriel. Daher sprachen wir darüber, ob wir nicht zusammenarbeiten möchten.WAMS: Warum reizt Sie diese Branche?Nadal: Ich hatte Interesse, weil Hotels eine Welt sind, die ich sehr gut kenne, weil ich praktisch mein halbes Leben in Hotels verbracht habe. Aber natürlich brauchte ich einen Geschäftspartner, dem ich vertrauen kann. Da waren Gabriel und Melià perfekt. Von ihm und seinem Team kann ich viel lernen. So erforsche ich diese Welt, die mir gefällt und die mich interessiert.WAMS: Was war Ihnen in Hotels immer besonders wichtig – Stille oder eine gute Matratze?Nadal: Es ist schon ein Unterschied, ob ich auf Dienst- oder Urlaubsreise gehe. Aber bei beidem war es mir immer am wichtigsten, dass ich mich bereits bei der Ankunft im Hotel gleich ein bisschen wie zu Hause fühle. Daher suchte ich mir früher immer eher keine supergroßen Hotels aus, sondern welche mit familiärer Atmosphäre. So wurde ich erzogen, und so gehe ich ans Leben heran. Als Tennisspieler ließ ich mich von diesem Gefühl leiten. Jetzt baue ich eine Marke mit auf, bei der uns dieses Familiäre sehr wichtig ist. Wir wollen den mediterranen Lebensstil in die gesamte Welt tragen. Wir lieben das Meer, das Licht, die Lebensweise von Mallorca. Wenn Menschen von einem Hotel zum anderen ziehen, sollen sie sich heimisch fühlen.WAMS: Wie viele Hotels wollen Sie in den nächsten fünf Jahren eröffnen?Nadal: Wenn alles wie geplant läuft, werden wir bis zum Jahresende sieben Hotels in Betrieb haben. In den kommenden fünf Jahren hoffen wir, dass es über 20 sein werden. Das ist das ehrgeizige Ziel, aber so müssen wir dort herangehen. Wir sind stolz, dass wir eine neue Marke aufgebaut haben. Das ist nicht einfach im harten Wettbewerb des Hotelgeschäfts.WAMS: Die Padel-Tour Ihrer Tennisakademie auf Mallorca expandiert auch nach Deutschland. Welche Rolle spielt der deutsche Markt?Nadal: Padel wächst und hat eine positive Zukunft. Wir sind dabei, unsere Marke in die ganze Welt auszuweiten. Der deutsche Markt ist natürlich super wichtig für uns. Mallorca ist eine zweite Heimat von sehr vielen Deutschen, und sie sind immer sehr willkommen. Auch unsere Akademie hat viele deutsche Besucher, erwachsene Spieler, Junioren, aber auch Touristen, die unser Museum anschauen. Hoffentlich können wir unsere Marke auch nach Deutschland bringen.
Rafael Nadal: „Als Roger aufhörte, ging ein Stück von mir mit ihm“ - WELT
Weltstar Rafael Nadal genießt das Leben nach seiner Tenniskarriere. Endlich ein wenig Ruhe und Endspannung. Wie das ist und was er Alexander Zverev vor dessen Triumph bei den French Open riet, berichtet er im großen Interview.







