Im vergangenen Jahr drohte in Teheran die Wasserzufuhr zu versiegen. Neue Satellitenbilder geben einen ersten Hinweis darauf, wie angespannt die Lage diesen Sommer werden könnte. Der Krieg hat zudem offengelegt, wie anfällig die Wasserinfrastruktur des Landes ist.05.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEs ist Sommer in Iran. In den kommenden Monaten steigen die Temperaturen oft auf über 40 Grad, bis zum Herbst fällt kaum Regen. Für die Wasserversorgung beginnt nun die entscheidende Zeit des Jahres. Denn jetzt zeigt sich, mit welchen Wasserreserven das Land in den Sommer startet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Iran lebt in den Sommermonaten von dem Wasser, das Winterregen und Schneeschmelze in den Stauseen hinterlassen haben. Vor dem Sommer hat es deshalb am meisten Wasser in den Reservoirs, nach der langen Trockenzeit im Herbst am wenigsten.Im vergangenen Jahr wurden die Reserven knapp. Die Pegelstände der Stauseen rund um Teheran fielen bis im November auf historische Tiefstwerte. In einzelnen Stadtvierteln kam zeitweise kein Wasser aus den Hähnen. Schulen und Behörden blieben teilweise tagelang geschlossen, um den Verbrauch zu senken.Inzwischen haben sich die Reservoirs wieder gefüllt. Mit diesen Vorräten muss Iran bis zum Ende des trockenen Sommers auskommen. Doch in diesem Jahr ist eine weitere Unsicherheit hinzugekommen. Der Krieg hat gezeigt, wie verwundbar die Infrastruktur ist.Wie sehr haben sich die Stauseen erholt?Die Wasserversorgung Teherans hängt vor allem von fünf grossen Stauseen im Umland der Hauptstadt ab. Sie versorgen Millionen von Menschen mit Trinkwasser.Neue Satellitenbilder zeigen, wie gut sich die Reservoirs nach dem Winter erholt haben. Dafür wurden die Aufnahmen mit dem Normalized-Difference-Water-Index (NDWI) ausgewertet. Der Filter unterscheidet Wasser von der umliegenden Landschaft und macht Veränderungen von Seen, Flüssen oder Stauseen sichtbar. Die verschiedenen Blautöne in den Bildern können unter anderem durch Uferbereiche, Sedimente oder Schwebstoffe im Wasser beeinflusst sein.Der Vergleich zeigt: Die meisten Stauseen haben über den Winter an Wasser gewonnen. Nur beim Mamlu-Stausee fällt die Zunahme der Wasserfläche gering aus.Entwarnung bedeutet das jedoch nicht. Zwar ist die Wasserfläche einzelner Reservoirs heute grösser als im Sommer 2025, als sich die Wasserknappheit rund um Teheran zuspitzte. Der Vergleich mit älteren Satellitenbildern zeigt jedoch, dass viele Stauseen weiterhin deutlich unter ihrem früheren Niveau liegen. Iran startet damit zwar mit besseren Wasserreserven in den Sommer als vor einem Jahr. Der generelle Rückgang der Stauseen setzt sich allerdings fort.Hinzu kommt eine weitere Herausforderung. Selbst gut gefüllte Stauseen garantieren heute keine sichere Wasserversorgung.Der Krieg verschärft die WasserkriseLange galt Irans Wasserkrise vor allem als eine Folge von Dürre, Klimawandel und jahrzehntelanger Misswirtschaft. Der Krieg hat eine weitere Schwachstelle sichtbar gemacht: die Verletzlichkeit der Wasserinfrastruktur selbst.In der Nacht auf den 10. Juni wurden nach iranischen Angaben bei einem Angriff zwei Trinkwasserspeicher bei Bemani im Süden des Landes beschädigt. Mehr als 20 000 Menschen waren zeitweise ohne Wasser. Tankwagen übernahmen die Versorgung, bis die Leitungen provisorisch repariert waren.Eine Recherche der «New York Times» kam zu dem Schluss, dass die Anlage wahrscheinlich durch einen Präzisionsschlag der USA getroffen wurde. Die amerikanischen Streitkräfte bestätigten Luftangriffe in der Region, erklärten jedoch, militärische Ziele angegriffen zu haben. Berichte über beschädigte Wasseranlagen seien bekannt und würden geprüft, sagte ein Sprecher.Der Trinkwasserspeicher bei Bemani nach dem Angriff.Wasser- und Abwassergesellschaft der Provinz HormozganOb die Trinkwasseranlage bewusst getroffen wurde, bleibt bis heute ungeklärt. Ein gezielter Angriff auf zivile Wasserinfrastruktur könnte gegen das humanitäre Völkerrecht verstossen.Der Vorfall zeigt, dass nicht nur die Wassermenge über die Versorgung entscheidet. Auch Pumpwerke, Leitungen, Wasserspeicher oder Entsalzungsanlagen sind kritische Infrastruktur. Fallen sie aus, kann Wasser selbst dort knapp werden, wo eigentlich genügend Reserven vorhanden wären.Passend zum Artikel
Iran kämpft um Wasser: Wie sicher ist die Versorgung diesen Sommer?
Neue Satellitenbilder geben einen ersten Hinweis darauf, wie angespannt die Lage diesen Sommer werden könnte.






