So richtig Stimmung kam lange nicht auf an diesem angenehmen Sommersamstag im zweitgrößten Stadion des Rasenturniers in Wimbledon, doch dafür musste sich Alexander Zverev nicht entschuldigen. Der aktuelle French-Open-Sieger hatte eben nur seine Arbeit verrichtet, sachlich und weitgehend effizient spulte er sein Spiel herunter und kam so auf Court No. 1, unweit des Centre Courts im All England Club gelegen, zu einem 6:2, 7:6 (4), 6:4-Erfolg gegen den Weltranglisten-92. Marcos Giron, 32.Erst am Ende, als sich Zverev mal wieder das Leben selbst schwerer machte, wurde es auf den Rängen lauter. Giron spielte in dieser Phase auch gutes Tennis, was Zverev im kurzen Interview auf dem Platz würdigte. „Er ist jemand, der fantastisch auf Rasen spielt, das zeigt er immer wieder“, sagte er. „Ich bin froh, in drei Sätzen durch zu sein.“Im dritten Satz offenbart Zverev eine Schwäche, die ihn regelmäßig ereiltUnter den Zuschauern war auch Georg von Waldenfels, 81, der von 1999 bis 2011 den Deutschen Tennis Bund (DTB) angeführt hatte und der mittlerweile dessen Ehrenpräsident ist. Einen männlichen deutschen Wimbledonsieger hatte er in dieser Zeit nicht erlebt, aber womöglich ist er nun dabei, wenn Zverev etwas Großes gelingen sollte. Der Weltranglistendritte gibt sich jedenfalls weiterhin keine Blöße, dabei glänzte der 29-Jährige nicht einmal gegen Giron. Im ersten Satz nahm er seinem bis dahin ungefährlichen Gegner zweimal das Aufschlagspiel ab, der sich dann zwar steigerte. Aber im Tiebreak legte Zverev zu, eine Fähigkeit, die die Besten auszeichnet.Nur im dritten Satz offenbarte er eine regelmäßige Schwäche: Trotz Überlegenheit lässt er Kontrahenten zurück ins Match. Bei 3:0 hatte er zwei Spielbälle zum 4:0, plötzlich stand es 4:4. Einige Punkte spielte Zverev nicht energisch genug. So musste er wieder zulegen, um nach einer Spielzeit von 2:33 Stunden zu gewinnen. Nach dem verwandelten Matchball schrie er kurz auf, das macht er selten. Beim Interview mit Moderatorin Annabel Croft hatte er gleich mal die Lacher auf seiner Seite. Als er gefragt wurde, wie er noch das Match gewonnen habe, sagte er: „Ich habe den letzten Punkt gemacht.“ Ernster wurde er, als ihm entgegnet wurde, dass sein Aufschlag mit 212 km/h die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit im Feld bislang vorweise. „Es ist immer schön, sich darauf verlassen zu können“, sagte Zverev. 17 Asse schlug er diesmal.Zverev ist jetzt der dritte deutsche männliche Spieler der Profi-Ära (seit 1968), der in Wimbledon mindestens viermal das Achtelfinale erreicht hat. Vor ihm hatten das der dreimalige Wimbledon-Sieger Boris Becker und der Wimbledon-Champion von 1991, Michael Stich, geschafft. In der Runde der letzten 16 trifft Zverev auf Jiri Lehecka, 24, der der härteste Test für ihn bislang werden könnte. Der Tscheche ist 14. der Weltrangliste, beim ATP-Turnier der Masters-Kategorie in Miami war er im März bis ins Finale vorgestoßen und hatte dort erst gegen den Weltranglistenersten Jannik Sinner aus Italien verloren.Titelverteidigerin Swiatek scheitert, Serena Williams tritt aus Verletzungsgründen nicht zum Doppel anZwei Ereignisse im Turnier der Frauen am Samstag sorgten derweil für gewisse Erschütterungen. Zunächst verlor Titelverteidigerin Iga Swiatek, 25, überraschend gegen die 21-jährige Alexandra Eala von den Philippinen 6:7 (9), 2:6. Eala zählt zu den Aufsteigerinnen im Tennis und ist in Wimbledon bei der Auslosung als 32. sogar gesetzt gewesen. Im Achtelfinale bei diesem Rasenklassiker stand aber noch nie jemand aus dem asiatischen Inselstaat.Kurz darauf verkündete dann der All England Club, dass Serena Williams ihren mit ihrer Schwester Venus, 46, geplanten Einsatz im Doppel-Wettbewerb zurückgezogen hat. Die 44-Jährige hatte in Wimbledon vier Jahre nach ihrem letzten offiziellen Einzelmatch eine Wildcard erhalten, war jedoch gleich an der 20-jährigen Australierin Maya Joint gescheitert. Tags darauf hatte Williams Kniebeschwerden vermeldet, die sie nun zum Rückzug im Doppel zwangen. Bei Instagram teilte die 23-malige Grand-Slam-Siegerin mit, dass sie „untröstlich“ sei.Phasenweise wie früher gespielt und doch verloren: Serena Williams, 44, unterlag bei ihrem Einzelcomeback nach vier Jahren der Australierin Maya Joint, 20. Henry Nicholls/AFPWeiter schrieb sie zu Fotos, die sie dazu veröffentlichte: „Das Foto der Spritzen zeigt die Flüssigkeit, die mir nach meinem Einzelmatch aus dem Knie gezogen wurde – heftig! Die gute Nachricht ist, dass mein Knie eigentlich nicht mehr so stark anschwellen oder sich so viel Flüssigkeit darin ansammeln sollte. Die schlechte Nachricht ist, dass ich es trotz aller Bemühungen einfach nicht rechtzeitig für das Doppel fit bekommen habe.“Kurios war, dass sie auf einer kleinen Filmsequenz mit dem rechten Bein humpelte, das bandagiert war. Ihre Agentin Jill Smoller hatte auch mitgeteilt, dass es sich um das rechte Knie handle. Jedoch zeigten auch zwei Fotos, dass Williams am linken Knie behandelt wurde und es mit Tape-Bändern versehen war. Eine exakte Diagnose teilte sie nicht mit, so blieb offen, ob gar beide Knie in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Verletzung hatte sich Williams, wie sie am Mittwoch vermeldete, zum Ende des ersten Satzes zugezogen, als sie sich nach eigenen Angaben das Knie verdreht hatte. Danach hatte sie einen starken zweiten Satz gespielt und Joint in den dritten Satz gezwungen. In der Partie hatte es keine Anzeichen gegeben, dass sie eingeschränkt war. Williams erntete viel Lob für ihren Kampfgeist und ihr spielerisches Niveau. Einerseits.Andererseits hatte die US-Amerikanerin nach ihrer Niederlage gegen Joint auch Kritik einstecken müssen. Sie war ohne Angabe von Gründen nicht zur für Profis verpflichtenden Pressekonferenz erschienen. Auch ihr unfreundlich anmutender Händedruck mit Joint am Netz kam in internationalen Medien nicht gut weg. Dass Williams ihre Comeback-Tour fortsetzen wird, machte sie abschließend in ihrem Beitrag am Samstag deutlich: „Ich kann nur sagen: Haltet die Augen offen – vielleicht komme ich bald in eine Stadt in eurer Nähe.“
Tennisturnier in Wimbledon: Alexander Zverev zieht mit Becker und Stich gleich
Zverev erreicht zum vierten Mal das Achtelfinale im All England Club. Bei den Frauen ist die Titelverteidigerin ausgeschieden. Serena Williams kann nicht zum Doppel antreten.










