Kann Deutschland kasachisches Öl künftig wirklich an Russland vorbei bekommen? Mit der Reise von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nach Kasachstan in dieser Woche wird diese Frage aktueller denn je. Während nach dem Ende des Tankrabatts die Spritpreise bereits wieder deutlich steigen, fehlen der PCK-Raffinerie in Schwedt weiterhin jene rund 20 Prozent ihrer bisherigen Rohölimporte, die zuletzt aus Kasachstan kamen.

Seit Mai ist die bisherige Lieferroute über die Druschba-Pipeline durch Russland blockiert. Die ursprünglich für Deutschland bestimmten Ölmengen wurden nach Angaben des kasachischen Energieministeriums bereits auf andere Exportwege verteilt: rund 100.000 Tonnen über den russischen Ostseehafen Ust-Luga und weitere 160.000 Tonnen über das System des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC). Für die Raffinerie Schwedt standen diese Mengen damit zunächst nicht mehr zur Verfügung.

Kasachstan baut neue Ölwege auf – Deutschland will profitieren

Die Gespräche zwischen Deutschland und Kasachstan reichen deshalb weit über die Versorgung der Raffinerie Schwedt hinaus. Nach Angaben der Financial Times (FT) arbeitet Kasachstan seit Beginn des Ukrainekriegs daran, seine gesamte Exportlogistik neu auszurichten. Hintergrund ist, dass noch immer rund 80 Prozent der kasachischen Ölexporte über das CPC laufen. Doch auch diese Pipeline führt über russisches Staatsgebiet zum Schwarzmeerhafen Noworossijsk.