Nach viereinhalb Jahren und hunderten Sitzungen mit unzähligen Zeugen und Sachverständigen, nach mehreren hunderttausend Aktenseiten hat der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum NSU und anderen rechtsterroristischen Netzwerken in Mecklenburg-Vorpommern in dieser Woche seine Arbeit offiziell beendet. Korrekterweise sind es sogar neun Jahre parlamentarische Aufarbeitung, denn am Ende waren es zwei Untersuchungsausschüsse und ein vorangegangener Unterausschuss.

Nun wurde Bilanz gezogen und herausgekommen ist ein „Papiergebirge“, das selbst gestandene Bürokraten erblassen lässt: ein Abschlussdokument mit 3.000 Seiten und unzähligen Empfehlungen, die allesamt mit den Stimmen von SPD, Linken und Grünen angenommen wurden. Quantitativ ist es zumindest schonmal ein monumentales Werk. Qualitativ ist der abschließende Bericht vor allem ein Spiegelbild des parlamentarischen Betriebs und des politischen Klein-Klein.

Der Nordosten war kein unbeteiligter Zuschauer

Im Zentrum der Aufarbeitung stand der Nationalsozialistische Untergrund (NSU), der von 2000 bis 2007 mordete und raubte – auch in Mecklenburg-Vorpommern. 2004 wurde Mehmet Turgut vom NSU an einem Imbiss in Rostock erschossen, Banküberfalle gab es in Stralsund. Insgesamt gehen auf das Konto der Neonazi-Terrorzelle um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zehn Morde, Überfälle und Sprengstoffanschläge, die sich quer durch die Republik zogen. Unter den Opfern war auch eine Polizistin.