Das Wahlrecht ist aber zentral für die Demokratie. Hier entscheidet sich, wer in die Volksvertretung einzieht und wie sich diese zusammensetzt. Die Union pocht zu Recht darauf, dass jeder in einem Wahlkreis direkt gewählte Abgeordnete auch in den Bundestag einziehen muss. Bei aller sonstigen Komplexität des Wahlrechts: Dass es derzeit anders ist, ist wirklich niemandem zu erklären.Quoten vertragen sich nicht mit einer freien WahlDie SPD wiederum – und nicht nur sie – hat sich immer noch nicht von ihren Paritätsphantasien verabschiedet. Dem kann sie gern nach Kräften Rechnung tragen. Aber Quoten vertragen sich nicht mit einer freien Wahl. Jeder Abgeordnete ist Vertreter des ganzen deutschen Volkes. Das Parlament ist damit gerade kein Abbild der Gesellschaft. Ein Wahlgesetz, das das erzwingen wollte, wäre verfassungswidrig.Im Übrigen zeigt auch die bisherige Erfahrung, dass Geschlecht oder Herkunft nicht zwingend für eine bestimmte Politik stehen. So ist Angela Merkel in ihren 16 Jahren als Bundeskanzlerin nicht durch ausgeprägte Frauenförderpolitik aufgefallen. Gleichwohl war sie zweifellos Rollenvorbild.Eine Frage der Wahl, nicht der Zahl. Eine Schwächung der freien und gleichen Wahl, also der Demokratie, und eine Rückkehr zum Ständestaat wären gerade in diesen Zeiten keine gute Idee.