PfadnavigationHomeGesundheit„Besonders hohes Risiko“Forscher belegen Zusammenhang zwischen täglichem Sitzen und KrebserkrankungenStand: 07:43 UhrLesedauer: 3 MinutenSchon kurzes Sitzen wirkt sich langfristig auf die Gesundheit ausQuelle: Getty Images/Science Photo Library RF/SCIEPRO/SCIENCE PHOTO LIBRARYWer etwas für seine Gesundheit tun will, denkt meist an Sport. Eine große Langzeitstudie rückt nun einen bislang unterschätzten Faktor in den Fokus. Was man in seinem Alltag vermeiden sollte, um länger zu leben.Wann sind Sie das letzte Mal aufgestanden? Wenn Sie länger überlegen müssen, ist es Zeit, Ihre Position zu wechseln. Dass Bewegungsmangel der Gesundheit schadet, ist bekannt. Doch reicht Bewegung allein aus, wenn wir stundenlang sitzen?Genau das hat jetzt ein Forschungsteam der Universität Glasgow untersucht. Dafür wertete das Forschungsteam die Daten von mehr als 90.000 Erwachsenen aus der britischen Langzeitstudie UK Biobank aus. Eine Woche lang trugen die Teilnehmer einen Bewegungssensor am Handgelenk. Die einwöchige Messung sollte ein typisches Bewegungsmuster erfassen. Dieses Muster glichen die Forscher dann mit Daten aus nationalen Gesundheitsregistern ab. So ließ sich nachverfolgen, wer in den folgenden zwölf Jahren erkrankte oder starb. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal „PLOS Medicine“.Lesen Sie auchAnders als frühere Studien erfassten die Bewegungssensoren nicht nur, wie viel Zeit die Teilnehmer saßen. Sie schauten sich auch an, wie lange einzelne Sitzphasen dauerten und wie häufig sie unterbrochen wurden.Dabei zeigte sich: Menschen, die regelmäßig länger als 30 Minuten am Stück saßen, hatten ein höheres Risiko, später an Krebs zu sterben. Mit jeder zusätzlichen Stunde solcher längeren Sitzphasen pro Tag stieg das Risiko um zehn Prozent. „Unsere Daten zeigen, dass Sitzen von mehr als 30 Minuten am Stück mit einem besonders hohen Krebsrisiko verbunden ist. Die gute Nachricht ist: Schon kurze Spaziergänge während des Sitzens können schützend wirken“, wird der Autor der Studie, Frederick Ho, im „Guardian“ zitiert.Lesen Sie auchEntscheidend war allerdings nicht nur, wie viel sich die Teilnehmer bewegten. Auch kleine Unterbrechungen machten einen Unterschied. Die Forscher berechneten deshalb verschiedene Alltagsszenarien. Sie untersuchten, was passiert wäre, wenn Teilnehmer einen Teil ihrer Sitzzeit durch Bewegung ersetzt hätten. Schon leichte Aktivitäten gingen dabei mit einem geringeren Krebssterblichkeitsrisiko einher. Dazu zählten etwa langsames Gehen oder Hausarbeit wie Bügeln oder Abwaschen. Wer täglich eine Stunde Sitzen durch leichte Bewegung ersetzte, hatte ein um zwölf Prozent geringeres Risiko, an Krebs zu sterben.Lesen Sie auchAuch moderate Bewegung machte einen Unterschied. Wer täglich 30 Minuten Sitzen durch 30 Minuten zügiges Gehen oder eine vergleichbare Aktivität ersetzte, senkte sein Risiko um acht Prozent. Wurden dagegen fünf Minuten Sitzen durch fünf Minuten intensive Bewegung ersetzt, fiel das Krebssterblichkeitsrisiko sogar um 22 Prozent geringer aus.Die Forscher werteten neben der Krebssterblichkeit insgesamt auch 23 einzelne Krebsarten aus. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Brustkrebs. Auch bei Lungen-, Mund- und Rachenkrebs sowie bestimmten Blutkrebsarten fanden sich ähnliche Muster.Langes Sitzen bedeutet nicht nur, dass der Körper wenig Energie verbraucht. Über längere Zeit bleiben auch große Muskelgruppen nahezu inaktiv. Dadurch verändern sich Stoffwechselprozesse, die unter anderem den Zucker- und Fettstoffwechsel sowie Entzündungsreaktionen beeinflussen.Die Autoren vermuten deshalb, dass nicht allein die tägliche Sitzdauer entscheidend ist. Auch die Verteilung über den Tag könnte eine Rolle spielen. Wer regelmäßig aufsteht und sich kurz bewegt, unterbricht diese Phasen der Inaktivität immer wieder.Aus den Ergebnissen lässt sich allerdings nicht ableiten, dass langes Sitzen Krebs verursacht. Die Untersuchung zeigt statistische Zusammenhänge, keine Ursache-Wirkung-Beziehung. Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Andere Faktoren könnten das Krebsrisiko ebenfalls beeinflusst haben.Dennoch liefert die Studie einen wichtigen Hinweis. Für die Gesundheit könnte nicht nur entscheidend sein, wie viel sich Menschen bewegen. Sondern auch, wie oft sie das Sitzen im Alltag unterbrechen.lkl