Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, von den Einheimischen als Völki verniedlicht, erinnert an ein in Stein gehauenes Space Shuttle. Falls man zu Fuß und aus der geschichtsvergessenen Ferne näherkommt. Als würde es auf den Countdown warten, so steht das Ding da, raketenaufrecht, mit der Schnauze in den Himmel ragend. Und hey, wer weiß, wenn nicht jetzt, wann dann? – Vielleicht wird es ja an diesem Wochenende tatsächlich abheben.
Oder ganz andere Assoziationsebene: die phallische. Weil hier zwischen Friedhofsweg und dem „See der Tränen“ Till Lindemann spielt an diesem Abend. Und weil man längst weiß, welchen expliziten Bilder- und Körperweltenmix man bei seinen Solokonzerten eingeschenkt bekommt. Grundwissen Lindemann auch: Ohne seine basisdemokratisch geführte Stammformation Rammstein ist er ein noch dunklerer Lord. Seine Stimme rollt schamlos über Grenzen, Gefühle und Geschmäcker hinweg. Lindemann singt vom Baumeln unrettbar verlorener Seelen, von seiner eigenen. Hat er allein das Sagen, beherrscht ein nicht zu leugnender Anteil von Wahnsinn seine Auftritte. Das Triebhafte. Der Exzess. Das Völki könnte also auch ein Penis sein, ein kleiner Napoleon.
Musik
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