PfadnavigationHomePolitikAuslandAsylanträge in EuropaZielland Nummer eins für Afghanen ist DeutschlandStand: 04:04 UhrLesedauer: 3 MinutenAfghanisch-pakistanisches Grenzgebiet: Die meisten Asylantragsteller in Deutschland kamen mit 37 Prozent aus AfghanistanQuelle: AIMAL ZAHIR/AFPDie neuesten europäischen Asylzahlen zeigen, dass in Deutschland deutlich weniger Anträge gestellt werden als vor einem Jahr. Aus dem Land mit den meisten Schutzsuchenden in der EU beantragten vier von zehn Menschen Asyl in der Bundesrepublik.Deutschland steht bei Asylanträgen nur noch an vierter Stelle in den Ländern der Europäischen Union plus Norwegen und der Schweiz (EU+). Das berichtet WELT AM SONNTAG unter Berufung auf bisher unveröffentlichte Zahlen der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA). Laut dem EU-Dokument wurden im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland insgesamt 51.147 Asylanträge (Erst- und Zweitanträge) gestellt – ein Rückgang von 27 Prozent gegenüber den 70.000 Gesuchen im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die meisten Asylantragsteller in Deutschland kamen mit 37 Prozent aus Afghanistan, gefolgt von der Türkei und Syrien mit jeweils neun Prozent. Spitzenreiter bei den Asylanträgen in den Ländern der EU+ in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ist Frankreich (65.538), gefolgt von Italien (63.985) und Spanien (53.888). Schlusslichter sind Ungarn (49 Asylanträge), die Slowakei (66) und Litauen (130). Nach der Errichtung eines meterhohen, gut bewachten Zaunes in Litauen gelingt es dem Regime in Belarus offensichtlich nicht mehr, Migranten aus dem Irak und anderen Staaten gezielt über die Grenze nach Litauen zu schicken, um das Land durch einen Flüchtlingsstrom zu destabilisieren. Lesen Sie auchDie Zahlen der EUAA unterscheiden sich von denen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), da das für seine Statistik nur die Erstanträge zugrunde legt.Abwärtstrend setzt sich fortLaut Statistik der europäischen Asylagentur stellten zwischen Anfang Januar und Ende Juni insgesamt 321.627 Menschen in den Ländern der Europäischen Union plus Norwegen und der Schweiz einen Schutzantrag – das entspricht einem Rückgang von 19,3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 (399.000). Lesen Sie auchDie meisten Schutzsuchenden in der EU kamen aus Afghanistan (37.419), Venezuela (33.754) und Bangladesch (18.970). Zielland Nummer eins für Afghanen ist Deutschland: Vier von zehn Afghanen, die in der EU+ Asyl beantragen, kommen in die Bundesrepublik. Ein weiteres beliebtes Zielland für Afghanen ist Frankreich, wo mehr als jeder fünfte Migrant vom Hindukusch Schutz sucht. Lesen Sie auch43 Prozent der Schutzsuchenden aus der Türkei stellen ihren Antrag in Frankreich, 33 Prozent in Deutschland. Bevorzugtes Zielland für Asylsuchende aus Venezuela ist Spanien, und Menschen aus Bangladesch gehen am häufigsten nach Italien. In dem vertraulichen EU-Bericht, in dem die Asylstatistik der EUAA erscheint, heißt es, die „unsicheren“ Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten müssten „gründlich beobachtet werden“. Seit Ende Februar seien eine Million Libyer auf der Flucht. Aber auch in Afghanistan verschlechtere sich die humanitäre Lage immer mehr. Ein Ort, an dem der Migrationsdruck steigt, ist demnach die griechische Insel Kreta. Dort sei die Zahl der Migranten, die über Libyen kommen, in den ersten sechs Monaten um ein Drittel angewachsen. Insbesondere Migranten aus dem Sudan und Bangladesch kämen dort an. Christoph B. Schiltz ist Korrespondent in Brüssel. Er berichtet unter anderem über Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU, die europäische Migrationspolitik, die Nato und Österreich.