Die größte Blume der Welt lockt mit dem Geruch der Verwesung: An der Uni Hohenheim blühte eine Titanenwurz. Ihr Duft soll eigentlich für Insekten anziehend sein. Stattdessen kamen Menschen, die ihn abstoßend finden.

Nicht nur die Universität fieberte diesem Gestank entgegen. Wenn in Hohenheim eine Titanenwurz blüht, lockt das bis weit über die Stadtgrenzen hinaus Schau- und Riechlustige an. Der Publikumsmagnet, der eigentlich ein Opfermagnet sein möchte, trägt den Namen Surprise. 2021 öffnete das Exemplar erstmals an diesem Standort seinen Blütenkelch, 4.000 Menschen eilten herbei, um das buchstäbliche Schauspiel der Natur zu bezeugen. Denn in der Blüte verströmt die Titanenwurz eine trügerische Prise, einen ködernden Geruch, der Aas und Kot vorgaukelt, wo in Wahrheit eine Blume darauf wartet, bestäubt zu werden.

Als Mensch ist Neid die logische Konsequenz. Ein schlecht getimter Furz kann das gesellschaftliche Ansehen ruinieren. Nach Verwesung zu riechen, mindert die Aussichten, sich fortzupflanzen, erheblich. Aber wenn es eine Blume macht, sind alle begeistert. Vom Statistischen Landesamtes gab es neulich einen aufwändigen Vortrag, wie Zahlen Wissen schaffen. Im Publikum saßen drei Leute. Es gibt eine Menge Menschen, die an Einsamkeit leiden. Aber diese Blume bekommt Gesellschaft, die sie nie gewollt hat. Sie riecht abstoßend und wird dadurch anziehend. Was macht das Unattraktive so attraktiv?