PfadnavigationHomeGeschichte80 Jahre WELT2007„Das sind nicht drei separate Geräte. Das ist ein Gerät!“Stand: 07:40 UhrLesedauer: 5 MinutenApple-CEO Steve Jobs bei der Vorstellung des ersten iPhones am 9. Januar 2007Quelle: picture alliance/AP Images/Paul SakumaSteve Jobs‘ legendäre Präsentation des iPhones löste 2007 Begeisterung aus, aber auch Skepsis. Viele konnten sich nicht vorstellen, dass Smartphones mit physischen Tasten bald vom Markt verschwinden würden. Die neue Folge unserer Serie zu 80 Jahren WELT.Manche Produkte sind nicht nur sehr erfolgreich, sondern verändern die ganze Welt. Etwa das Telefon. Dessen Erfindung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutete eine Revolution der Kommunikation, und mehrfach wurde danach das Telefon „neu erfunden“ – was dann wieder rund um den Globus das tägliche Leben der Nutzer grundlegend umkrempelte. So führte der Siegeszug der Mobiltelefone dazu, dass man nun überall und jederzeit erreichbar war, wenn man denn wollte. Vorbei waren die Zeiten, in denen man gespannt den Anrufbeantworter am Festnetz abhörte, wenn man nach Hause kam – oder in denen man unterwegs immer ein paar Groschen dabei hatte, falls man sie in einer Telefonzelle brauchte. Deren erstes deutsches Exemplar wurde 1881 aufgestellt, und um die Jahrtausendwende waren sie noch allerorts anzutreffen. Heute sind sie aus dem Stadtbild verschwunden.Lesen Sie auchDas gilt auch für „Internet-Cafés“. In den Nullerjahren waren diese noch oft anzutreffen und viel frequentiert von allen, die daheim keinen Internetzugang hatten oder unterwegs dringend online gehen mussten. Heute hat fast jeder das Internet in der Hosentasche – in Form eines Smartphones.Für dessen weltweiten Durchbruch war der 9. Januar 2007 ein wichtiges Datum. An jenem Dienstag stellte Steve Jobs in San Francisco das erste iPhone vor. Der charismatische Apple-Gründer war ein Meister darin, neue Produkte des US-Konzerns pointenreich und mit maximalem Werbeeffekt auf der großen Bühne vorzustellen – und dabei einen enormen Hype auszulösen. So auch dieses Mal.Lesen Sie auch„Dies ist ein Tag, auf den ich mich zweieinhalb Jahre gefreut habe“, begann Jobs. „Von Zeit zu Zeit kommt ein revolutionäres Produkt auf den Markt, das alles verändert... Man hat viel Glück, wenn man einmal in seiner Karriere an so etwas mitarbeitet. Apple hat viel mehr Glück gehabt. Wir konnten gleich mehrere davon einführen.“Jobs nannte den Macintosh-Computer mit grafischer Benutzeroberfläche, der 1984 mit einem ikonischen Werbespot vorgestellt wurde. Und den iPod, der ab 2001 mit dem Slogan „1000 Songs in deiner Tasche“ das Musikhören unterwegs modernisierte, das bis dahin vor allem von Sonys Walkman geprägt war, der mit Audiokassetten gefüttert wurde. Auf Apples Gerät waren die Songs digital auf einer internen Festplatte gespeichert.Der iPod avancierte zum weltweit meistverkauften Musik-Player und war sehr lukrativ für Apple. Der Konzern krempelte mit ihm nicht nur die Musikindustrie um, sondern schlug auch ein neues Kapitel der eigenen Unternehmensgeschichte auf. Statt eines reinen Computerherstellers wurde der Konzern zum rasant wachsenden Anbieter einer ganzen Reihe mobiler Lifestyle-Gadgets und des dazugehörigen Contents – und zum wertvollsten Unternehmen der Welt.Lesen Sie auchDas iPhone war dabei der nächste große Meilenstein – und für dessen Entwicklung spielte der iPod eine entscheidende Rolle. Er war ein Sprungbrett hinsichtlich der für Apples Smartphone notwendigen Technologie, des Designs und Marketings.Bei seiner Vorstellung des iPhones gelang Jobs nach den Kampagnen für Mac und iPod ein weiterer großer Show-Moment, der Werbegeschichte schrieb. Bewusst führte er sein Publikum zunächst in die Irre und tat so, als würde er drei neue, separate Produkte vorstellen: „Das erste ist ein iPod mit großem Bildschirm... Das zweite ist ein revolutionäres Mobiltelefon. Und das dritte ist ein bahnbrechendes Internet-Kommunikationsgerät.“Mehrfach wiederholte Jobs die drei Features, um dann schließlich die Pointe zu bringen: „Versteht ihr? Das sind nicht drei separate Geräte. Das ist ein Gerät! Und wir nennen es iPhone.“Lesen Sie auchDie Apple-Fans im Saal waren begeistert, schier überwältigt. Konkurrenten und Tech-Experten waren indes skeptisch. Denn das iPhone verzichtete auf fest installierte, „echte“ Tasten (die für Jobs nur eine Platzverschwendung auf dem Gerät darstellten), setzte stattdessen auf ein dementsprechend größeres, damals noch ungewohntes Touch-Display. Kommentatoren unkten, dass vor allem Business-Kunden wohl eher weiterhin auf Tastengeräte wie das Blackberry setzen würden. Der damalige Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer sagte voraus, Apple könne mit dem iPhone unter anderem aufgrund seines zu hohen Preises wohl nur einen einstelligen Marktanteil erreichen. Tatsächlich gingen die Verkaufszahlen bereits im ersten Jahr in die Millionen. Knapp zwei Jahrzehnte und diverse iPhone-Modellgenerationen später hat die Zahl verkaufter Geräte längst die Milliardengrenze geknackt, und Apple ist heute vor Konkurrent Samsung führend im Smartphone-Markt.In Deutschland war das erste iPhone ab dem 9. November 2007 zu haben. WELT widmete dem Verkaufsstart an jenem Freitag eine ganze Seite, auf der ein großer Produkttest und ein Artikel zu den Marktchancen des Geräts zu finden waren.Wie ungewohnt das Touchscreen-Konzept des iPhones damals war, geht aus den Zeilen hervor, die den Lesern das heute allseits bekannte Feature detailliert erläuterten: „Ist das iPhone revolutionär? Es ist zumindest einzigartig und mit Sicherheit dazu geeignet, neidische Blicke auf sich zu lenken. Auch das Konzept ist wegweisend. Das iPhone wird hauptsächlich über einen berührungsempfindlichen Bildschirm gesteuert. Im Unterschied zu anderen Handys ist das Display nicht aus Plastik, sondern aus Glas, was es unempfindlicher gegen Kratzer macht.“Auch WELT war aber skeptisch, ob Mobilgeräte mit physischer Tastatur nun bald passé sein würden: „Ersetzt das iPhone die E-Mail-Maschine Blackberry? Das ist aus mehreren Gründen nicht anzunehmen. Zum einen gibt es keine verschlüsselte Übertragung von E-Mails. Somit werden Unternehmen Sicherheitsbedenken haben. Zum anderen ist die virtuelle Tastatur, die sich beim Schreiben von Mails oder SMS in der unteren Hälfte des Bildschirms öffnet, gewöhnungsbedürftig. Zwar lässt sich nach einigen Tagen Gewöhnungszeit relativ zügig darauf schreiben. Das liegt nicht zuletzt an der automatischen Worterkennung, die auch mehrere Tippfehler pro Wort korrigiert. Doch eine Blackberry-Tastatur ist immer noch schneller.“Dass Prognosen schwierig sind, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, ist ein beliebtes Bonmot (und Historiker, die von Berufs wegen nur in die Vergangenheit blicken, haben dabei leicht reden). Tatsächlich verloren Hersteller traditioneller Tasten-Mobiltelefone immer mehr den Anschluss. Heute sind Smartphones mit großen Bildschirmen und keinen physischen Tasten omnipräsent. Und Blackberry längst Geschichte.Wie technische Innovationen entstehen und das Leben der Menschen verändern, hat Martin Klemrath schon in diversen Artikeln bei WELTGeschichte nachgezeichnet. Beispielsweise ist er der Frage nachgegangen, warum die amerikanische Computer-Maus gefeiert wurde, während die deutsche eine graue blieb.