Eigentlich soll Ida heute etwas lernen. Sie ist Teilnehmerin des Ferienprogramms „Tierische Erlebnisse“ im Frankfurter Zoo, beim Thema Affenbande geht es heute vor allem um die nahen Verwandten des Menschen. Aber was soll ein acht Jahre altes Mädchen wie Ida noch lernen, das schon alle Affen beim Namen kennt, ganz aufgeweckt durch den Zoo spaziert und dabei den anderen Kindern munter die Namen und Besonderheiten diverser Tiere aufzählt. Selbst das Goldkopflöwenäffchen ist für sie beim munteren Tierquiz kein Zungenbrecher, das Faultier erkennt sie sowieso und weiß es von den Affen zu unterscheiden. „Ich habe über das Faultier schon mal ein Referat in der Schule gehalten“, sagt sie stolz. „Ich interessiere mich halt sehr für Tiere. Deshalb weiß ich ganz viel.“Die anderen Kinder richten sich deshalb schnell nach Ida, als sie beim Quiz über ein Seil hüpfen sollen, wenn sie auf einem Bild einen Affen erkennen. „Wenn Ida einen Affen erkennt, dann stimmt das“, sagt ihre Freundin Linda. Als Zoopädagogin Viktoria Feucht zum Abschluss ein Bild von sich selbst zeigt und fragt, ob das auch ein Affe sei, müssen die Kinder lachen. „Ich darf stolz behaupten, dass ich ein Affe bin“, sagt Feucht und fordert die Kinder auf, die Gesichtszüge der Bonobos mal mit den eigenen zu vergleichen, dann sei die Verwandtschaft nicht zu leugnen.Die „Affenbande“, das erste von sechs Ferienangeboten des Zoos für Kinder, ist ein zweistündiger Parforceritt. Die Abteilung Bildung und Vermittlung bietet jede Woche je zwei Stunden dienstags für Kinder von acht bis zehn Jahren und donnerstags von elf bis 14 Jahren an. Bei den anstehenden Angeboten zu Bären, Raubtieren oder dem Lebensraum Ozean sind meist noch Plätze frei und für zehn Euro beim Zoo zu buchen.„Stellt euch einen Affen vor!“Der Zoo versteht solche Aktionen als immer wichtigeren Bestandteil seiner Arbeit. Schon lange sind Tierparks keine Einrichtungen mehr, die schlicht Tiere ausstellen. Stattdessen wird Vermittlungsarbeit zu Arten- und Naturschutz als Legitimation für die Tierhaltung angesehen.Wo sind sie denn? Die Kindergruppe sucht aufmerksam nach Affen.Maximilian von Lachner„Macht mal die Augen zu und stellt euch einen Affen vor“, sagt Feucht zum Auftakt der Runde. Vor ihr sind nun 14 Kinderaugen ganz akkurat zugedrückt, die Denkanstrengung ist am Stirnrunzeln zu erkennen. Dann fragt sie, welchen Affen sich die Kinder denn vorgestellt hätten. „Schimpanse!“, wird gerufen, „Bonobo!“, „Gorilla!“ und „Totenkopfäffchen!“ folgen. Schon sind die Kinder mitten in ihrer Reise durch die Affenwelt. Als sie auf die Frage antworten sollen, wo sich ihr Affe befindet, hat Feucht das Bildungsziel schon fast erreicht. Ein Kind hat seinen Affen im Baum verortet, ein anderes sieht ihn auf dem Boden liegend vor sich. „Das ist ganz toll, wie die Kinder sich auf unsere Reise durch den Zoo einlassen“, sagt die Pädagogin.Greifen wie die Affen: Fünf Äpfel in einer Hand schafft aber kein Kind.Maximilian von LachnerDerart eingestimmt geht es nach einem kurzen Besuch bei den Gibbons ins Affenhaus. Ida erkennt die Rotscheitelmangaben natürlich sofort und erläutert deren spezifische Fortbewegungseigenschaften. Die Kinder beobachten, wie die Affen im Gehege herumwimmeln. Es ist viel los. Überall hangeln sich Affen die Seile entlang. Milan, acht Jahre alt, zeigt derweil sein Wissen über das Thema Fossilien. Er hat schon einen klaren Berufswunsch: „Wenn ich groß bin, dann werde ich Paläontologe.“Immer wieder kommen Fragen. „Können Affen schwimmen?“, fragt der neun Jahre alte Jeremias, als die Gruppe bei den Klammeraffen angekommen ist, deren riesiger Baum auf einer kleinen Insel von einem Wassergraben umgeben ist. Sie können es nicht, und somit bleiben die geschickten Kletterer, die ihren Schwanz wie einen fünften Arm einzusetzen verstehen, brav auf ihrer Insel.Bei den Kapuzineräffchen lernen die Kinder anschließend, wie clever die Tiere Steine als Werkzeuge nutzen, wenn sie Nüsse öffnen wollen. Die Kinder sollten es zuvor selbst versuchen. Irgendwie hat jedes Kind seine Nuss aufbekommen, auf die Idee mit einem Stein ist aber keines gekommen. Ganz so schlau wie die kleinen Affen sind dann also selbst die klugen Kinder vom Frankfurter Zoo noch nicht.