Ein Motorradtaxifahrer aus Puerto Plata sagt: «Ich war drei Tage bewusstlos und hatte viele Verletzungen. Seitdem fahre ich anders»Domingo Decena erzählt von den Gefahren seines Berufs, warum er Kunden manchmal abweist und weshalb er lieber ein Auto fahren würde.Linda Käsbohrer03.07.2026, 05.30 Uhr3 Leseminutenxxx BITTE BILDLEGENDE xxxLinda KäsbohrerDomingo Decena ist 48 Jahre alt und wohnt mit seinem Bruder im Haus seiner Mutter in Puerto Plata. Seinen 16-jährigen Sohn, der bei der Mutter lebt, sieht er nur alle paar Monate. Decena arbeitet als Motoconcho-Fahrer. Motoconchos sind Motorradtaxis, die in der Dominikanischen Republik Menschen gegen Bezahlung transportieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Decena fährt ein einfaches Motorrad, einen günstigen Nachbau im Stil der Honda CG125. Einen Taxameter gibt es nicht: Eine Fahrt durch Puerto Plata dauert meist zwischen fünf und fünfzehn Minuten und kostet zwischen 50 und 100 Pesos (1 Franken 30).Wie sind Sie Motoconcho-Fahrer geworden?Ich fing früh an zu arbeiten, weil mein Vater uns verlassen hatte und meine Mutter allein für uns sorgen musste. Nachdem ich mit 13 die Schule aufgegeben hatte, verkaufte ich Früchte, wusch Autos und arbeitete in einer Bäckerei und auf dem Bau. Aber nichts brachte ein verlässliches Einkommen. 1999 begann ich als Motoconcho-Fahrer, weil es die einzige Möglichkeit war, einigermassen sicheres Geld zu verdienen.Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?Ich beginne um sechs Uhr morgens und fahre bis halb acht am Abend, mit einer zweistündigen Pause am Mittag. Ich arbeite sechs Tage die Woche, Ferien mache ich keine. Ich transportiere Kunden, erledige aber auch Botengänge für sie, bezahle Stromrechnungen oder bringe Geld zur Bank. Die Leute vertrauen mir.Wie viel verdienen Sie?An einem guten Tag 1500 Pesos, an einem schlechten vielleicht die Hälfte. Meistens habe ich etwa fünfzehn Kunden am Tag. Wenn es gut läuft, komme ich auf 35 000 Pesos im Monat (etwa 450 Franken). Am Ende des Monats kann ich manchmal 3000 Pesos sparen.Gibt es für Ihren Beruf eine offizielle Zulassung?Wir sind bei der Stadtverwaltung registriert. Die graue Weste mit Nummer und Foto sowie ein Ausweis mit meiner Blutgruppe machen mich identifizierbar. In der Praxis halten sich aber viele nicht daran. Es gibt zahlreiche Fahrer mit gefälschten Westen.Ist der Verkehr gefährlich?Kurz nach 1999 hatte ich einen schweren Unfall. Ich war nachts unterwegs, um meinen betrunkenen Bruder zu suchen. Ein anderer Fahrer kam ohne Licht, wir prallten zusammen. Ich war drei Tage bewusstlos und hatte viele Verletzungen. Seitdem fahre ich anders. Ich schaue ständig nach links, rechts und hinten. Hier darf man keine Sekunde unaufmerksam sein. Viele fahren ohne Respekt. Selbst bei Rot halten sie nicht.Wer sind Ihre Kunden?Die meisten sind berufstätige Dominikaner: Hotelangestellte, Bauarbeiter oder Verkäufer. Wer genug Geld hat, nimmt ein reguläres Taxi. Manche können sich aber nicht einmal ein Motoconcho leisten und gehen zu Fuss.Nehmen Sie jeden Kunden mit?Betrunkene nehme ich nicht mit. Wenn jemand vom Motorrad fällt, habe ich ein Problem.Fahren Sie auch Touristen?Sehr selten. Die meisten nehmen ein Taxi. Einmal habe ich zwei Kanadierinnen gefahren. Ich spreche ein bisschen Englisch, deshalb konnte ich mich mit ihnen verständigen. Sie wollten die Stadt sehen, also machten ein Kollege und ich mit ihnen eine kleine Stadttour. Das war ein guter Tag.Fahren Sie gerne Motoconcho?Es ist kein Traumjob. Aber es ist meine Arbeit. Hier in Puerto Plata kann ich damit überleben. Solange ich gesund bin, fahre ich weiter.Haben Sie einen Traum für die Zukunft?Mein Ziel ist es, Taxi mit einem Auto zu fahren – wie mein Cousin, der Touristen von Kreuzfahrtschiffen transportiert. Mit einem Auto ist man sicherer und geschützt vor Regen und Sonne. Aber es ist teuer. Es ist schwer, genug Geld zu sparen, wenn am Ende des Monats fast nichts übrig bleibt.Dominikanische RepublikEinwohner: 11,6 Millionen.BIP pro Kopf: 9100 Franken.1 Liter Benzin: 1 Franken 05.1 Liter Milch: 1 Franken 20.1 Liter Coca-Cola: 1 Franken 05.Big Mac: 2 Franken 40.1 Kilogramm Reis: 0 Franken 90.Netflix-Abonnement pro Monat: 6 Franken 50.1 Packung Zigaretten: 4 Franken 60.Ein Artikel aus der «NZZ Folio»Passend zum Artikel
Gefahren und Träume: Der Alltag eines Motorradtaxifahrers in der Karibik
Domingo Decena erzählt von den Gefahren seines Berufs, warum er Kunden manchmal abweist und weshalb er lieber ein Auto fahren würde.






