Der Blick von David Alaba in der 36. Spielminute gegen Spanien war einer, den man immer wieder sieht im Sport. Wenn einer giftig, grimmig gucken will – aber nur Anerkennung und Resignation im Repertoire hat. Weil man beim Spielzug des Kontrahenten halt resignieren und akzeptieren muss.Ein Laufweg von Alex Baena hatte Spanien gerade den Weg zum Tor bereitet. Baena bot sich kurz an, schlug einen Haken, sprintete in den Strafraum, er kam dabei noch nicht mal in die Nähe des Balles. Das Manöver zog jedoch gleich mehrere Österreicher aus der Bahn – und öffnete jeweils die Wege für die Pässe nach außen und dann von Marc Cucurella zurück nach innen, zum Torschützen Mikel Oyarzabal. Für viele Zuschauer unbemerkt, für Alaba womöglich glasklar: Das muss man so akzeptieren. Wie auch die Tatsache, dass einem Team wie Spanien ein Moment wie dieser genügt für die Botschaft: Schluss jetzt mit Spielverderben, jetzt gibt’s Spielvergnügen. Und davon gab’s dann tatsächlich noch eine Menge.Die Österreicher wären so gern Spielverderber gewesen in diesem Sechzehntelfinale, so wie es Paraguay gegen Deutschland war. Sie wollten den Favoriten piesacken, ihm die Freude am Spielen nehmen. Und dann den genervten Gegner mit einem eigenen Tor in die Panik schicken. So weit kam es allerdings gar nicht, Spanien vertraute seiner eigenen Taktik: die eigenen Stärken herausarbeiten, sodass es egal ist, ob der Gegner passt oder nicht. Er wird halt passend gemacht. 3:0 gewann Spanien dieses Sechzehntelfinale in Los Angeles.„Das Österreich, das man sehen könnte, gab’s noch nicht zu sehen“, hatte Österreichs WM-Trainer Ralf Rangnick vor der Partie gesagt. Gegen Algerien und Jordanien habe man jeweils mitspielen, kreativ sein müssen – da kamen die eigenen Stärken nicht immer zur Geltung. Das Spiel gegen Argentinien war dann eher ein als WM-Partie getarntes Messi-Spektakel. „Wir haben noch nicht diesen Flow gekriegt“, sagte Rangnick. Der perfekte Flow für seine Elf: Gegner piesacken, Freude am Spielen nehmen, ins von Rangnick so geliebte Pressing und Gegenpressing kommen. In der Startelf verzichtete Rangnick zunächst auf Marko Arnautović, dessen Unberechenbarkeit hielt der Trainer offenbar eher für ein Risiko als für eine Chance.David Alaba und Ralf Rangnick stehen nach dem Spiel auf dem Rasen. Charlotte Wilson/Getty Images via AFPZunächst lief es auch für Österreich. Beim vermeintlichen ersten Gegentor durch Cucurella sah der Schiedsrichter noch eine Torwartbehinderung; die Entscheidung war ähnlich strittig wie bei Deutschlands aberkanntem Tor gegen Paraguay. Österreich lenkte Steilpässe mit der Fußspitze zum Kollegen, für einen Schultercheck von Alaba gab es keine gelbe Karte. Spanien schoss an die Latte und lupfte drüber. Österreich setzte plötzlich selbst ein paar Angriffe. Es fehlte nur der eine Moment, in dem die Spanier hätten unsicher werden können. Dann aber zog Baena den Gegner weg, Cucurella passte und Oyarzabal traf zum erwähnten 1:0.Rangnick änderte seine Strategie nach 60 Minuten durch die Hereinnahme von Marko Arnautovic und Sturmkollege Sasa Kalajdzic. Man sah nun wieder das Österreich, das man bereits ein paar Mal gesehen hatte bei dieser WM. Eine Mannschaft, die nicht so recht wusste, ob sie jetzt weiterhin verderben oder doch gestalten sollte. Diese Verwirrung erschnüffelte Spanien und nahm dem Gegner die Entscheidung ab: Cucurella leitete den Ball wieder entscheidend zu Baena, der präzise auf Pedro Porro flankte. Kopfball, Tor in der 66. Minute.Damit war Schluss mit Spielverderben, die Österreicher wurden für die restliche Zeit zu Spiel-Hinterherläufern und Bewunderern einer 20-Pass-Staffette unter „Olé“-Rufen des Publikums. Es folgte zum dritten Mal die Kombination Pass nach außen, wieder auf Cucurella, Pass nach innen, Tor, wieder durch Oyarzabal. Sie wehrten sich tapfer. Aber beim 0:3 war Alaba wieder in bester Position, um danach alles zu beurteilen. Da stand er, vor dem eigenen Strafraum, Hände in den Hüften und mit dem Blick, den nur Österreicher so wunderbar resigniert hinkriegen: Bist deppert, sind die gut! Kannst nix machen ...
Spanien schlägt Österreich bei der WM 3:0: Keine Chance für Spielverderber
Spanien lässt sich im Sechzehntelfinale von Österreich nicht beirren und gewinnt deutlich.











