Wochenlange Proteste in Albanien haben sich zur bislang größten Basisbewegung gegen Ministerpräsident Edi Rama entwickelt. Das geht aus einer Analyse des Warschauer Thinktanks Centre for Eastern Studies (OSW) hervor. Ausgangspunkt war Widerstand gegen ein Luxus-Tourismusprojekt nahe geschützter Feuchtgebiete, mittlerweile richte sich der Unmut jedoch gegen Korruption, Umweltzerstörung und wirtschaftliche Ungleichheit insgesamt.

Die Proteste, die den Namen „Flamingo-Revolution“ tragen, begannen demnach Ende Mai nahe dem Dorf Zvërnec. Aktivisten hätten dort versucht, den Bau eines Ferienresorts im Bereich der Vjosa-Feuchtgebiete zu verhindern, einer ökologisch sensiblen Region, die Heimat Hunderter Vogelarten, darunter Flamingos, sei.

Was als lokaler Umweltprotest begann, habe sich rasch auf Tirana und weitere albanische Städte wie Vlorë, Durrës und Korçë ausgeweitet. Auch Teile der großen albanischen Diaspora hätten im Ausland parallel demonstriert.

Nach Angaben des OSW markiere die Bewegung „einen Bruch mit der Stagnation, die die albanische Zivilgesellschaft in den vergangenen Jahren geprägt habe“. Die Protestierenden richteten sich zunehmend gegen das politische Establishment als Ganzes und nicht mehr nur gegen einen einzelnen Streitpunkt.