Dem Deutschen wird gern nachgesagt, beim Einkauf müsse es für ihn vor allem eines sein: billig. Kaum irgendwo sonst in Europa geben die Menschen einen so kleinen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel aus wie hierzulande. Im Land der Discounter liebt man Angebote, manch einer versteht das Blättern in Prospekten gar als Volkssport.Umso erstaunlicher ist, was derzeit im Tomatenregal passiert: Statt zur günstigen Eigenmarke zu greifen, kaufen Kunden immer häufiger Dosentomaten, die mehr als das Doppelte, manchmal sogar das Dreifache kosten. Die teuren Tomaten stammen von der italienischen Marke „Mutti“. Eine Dose kostet hierzulande um die 1,80 Euro. Ein stolzer Preis für Tomatenfruchtfleisch. Und trotzdem: Mutti erreichte innerhalb von weniger als zehn Jahren einen Marktanteil von knapp 15 Prozent in Deutschland. In Italien und Frankreich ist Mutti längst Marktführer. Wie kann das nur sein?Unternehmenschef Francesco MuttiMuttiFrancesco Mutti sitzt gerade im Auto. Zeit, um über seine Firma zu reden, nimmt er sich trotzdem. „Tomaten anzubauen, das ist nicht einfach. Überhaupt nicht einfach“, sagt er. „Im Juli, August und September können Sie nicht ans Meer fahren. Und glauben Sie mir, in Italien fährt jeder Mensch im Sommer ans Meer. Als Tomatenbauer müssen Sie sich opfern.“ Francesco Mutti opfert sich seit mehr als 30 Jahren. Der Achtundfünfzigjährige leitet das Familienunternehmen aus dem italienischen Parma in vierter Generation. Er studierte Finanzmanagement an der Universität Cardiff. Heute wohnt er auf dem Firmengelände.Francesco Mutti übernahm eine Firma, die schon seit 1899 in Familienbesitz ist. Damals gründeten die Brüder Marcellino und Callisto das Unternehmen unter dem Namen Fratelli Mutti, auf Deutsch „Gebrüder Mutti“. Francesco ist ihr Urenkel. Innovativ war Mutti von Anfang an. Das Unternehmen entwickelte bereits 1909 einen Vorläufer des Tomatenmarks, rund vierzig Jahre später die erste Tomatenmark-Tube — eine Verpackung, die heute die meisten Tomatenhersteller nutzen.
Warum die Deutschen teure Dosentomaten kaufen
Die Deutschen mögen billige Lebensmittel. Doch der italienische Hersteller Mutti erobert das Land mit teuren Konserven – und einem simplen Trick.







