Die vier Parteichefs der großen Koalition am Donnerstagmorgen vor dem Bundeskanzleramt Foto: REUTERSAn diesem Donnerstag ist Friedrich Merz genau dreizehn Monate und 27 Tage im Amt. Üblicherweise gewähren die Bürgerinnen und Bürger ihren neuen Regierungschefs hundert Tage Einarbeitungszeit. Außenpolitisch brauchte Merz diese Schonfrist nicht auszureizen. Auf der Weltbühne fand der deutsche Kanzler recht schnell Ton und Statur. Innenpolitisch sah die Lage vollkommen anders aus.Es spricht einiges dafür, dass Merz erst am heutigen Donnerstag in die Rolle hineingewachsen ist, die er so gern von Anfang an eingenommen hätte: ein Kanzler, der die Wende wenigstens wagt.„Wir können uns nicht in der Vergangenheit verstecken“, sagt Merz an diesem Donnerstagmorgen nach sieben Stunden Koalitionsausschuss. Er nehme eine Bereitschaft wahr, die „Stagnation hinter uns zu lassen, einen neuen Aufbruch zu wagen“. Seine Regierung wolle „Lust auf Zukunft“ machen. Dieses Land, sagt er, „kann mehr und will mehr“.Problem für Problem, Schicht für SchichtAll das hat Merz so oder so ähnlich bereits des Öfteren gesagt, schon klar. Noch immer fehlt ihm das Talent für diesen einen programmatischen Satz zum Einrahmen. Für ein Leitmotiv, das dem Land Klarheit und seiner Regierung Fokus schenkt.Und trotzdem ist etwas anders. Diese große Koalition muss sich nicht mehr nur auf Worte oder bloße Ankündigungen verlassen, sondern kann diese seit einigen Wochen mit Substanz unterlegen.Schwarz-rote Koalition Das steht im Reformpaket der Koalition Mit den Reformen wollen CDU, CSU und SPD das Wachstum in Deutschland stärken. Dafür einigten sie sich in den Bereichen Steuern, Gesundheit, Rente und Bürokratie auf umfassende Änderungen. Niemand durchschlägt in der Hauptstadt mit schimmernder Rüstung und heroischer Geste einen gordischen Knoten. Dafür bearbeiten die Koalitionäre mittlerweile Problem für Problem. Sie versuchen, Blockade für Blockade zu lösen. Schicht um Schicht der Verkrustung abzutragen, die diesen Standort lähmt.
Bundesregierung: Ein bisschen Aufbruch. Nach 423 langen Tagen
Friedrich Merz hat lange geglaubt, ein Kanzlerwechsel alleine brächte die Wende. Weit gefehlt. Mittlerweile aber arbeitet seine Regierung.






