Der Veranstaltungskalender für den Kulturcampus auf dem alten Universitätsgelände in Bockenheim für die nächsten Tage ist gut gefüllt. Verschiedene Initiativen laden ein, etwa zu einer Diskussion über die Vergesellschaftung digitaler Plattformen, zu einer Performance chinesischer Künstler oder zu „Straßenspielen“ zum Thema Klimawandel. Es ist eine provisorische Aneignung des Geländes. Genutzt werden Räume im zweiten Obergeschoss der früheren Dondorf-Druckerei, die größtenteils als Übergangsquartier der Schirn dient, oder die Freifläche vor dem Studierendenhaus.Die angrenzende frühere Kunstbibliothek kann bisher nicht für das Programm genutzt werden. Ende des Jahres werde die auf fünf Jahre angelegte Zwischennutzung beginnen, teilte Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) in der vergangenen Woche im Stadtparlament mit. Nicht nur dieser vergleichsweise einfache Umbau kommt schleppend voran. Mit dem Herzstück des Kulturcampus, dem Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK), ist nicht vor Beginn des nächsten Jahrzehnts zu rechnen.Es ist sogar möglich, dass die Diskussion darüber, in welcher Form die Hochschule ihren Neubau bekommt, noch von vorn beginnt. CDU, Grüne und SPD, die im Römer ein neues Bündnis bilden, haben in ihrem Koalitionsvertrag einen „Neustart“ für den Kulturcampus vereinbart. Das wird vor allem in der CDU so interpretiert, dass die von der Hochschule bisher abgelehnte Aufteilung des Neubaus auf drei Standorte auf dem Kulturcampus auf den Prüfstand gestellt wird.„Faktenbasierte Debatte“ gefordertNoch als Oppositionspartei hatte die CDU dafür plädiert, das ehemalige Juridicum abzureißen, damit Platz entsteht für einen Neubau, der groß genug für die gesamte Hochschule ist. Vor- und Nachteile eines Erhalts des Juridicums haben Fachleute in den vergangenen Monaten in einem interdisziplinären Zukunftslabor erörtert. Die Ergebnisse sollen im September präsentiert werden. Schon vor einigen Wochen haben sich die Beteiligten zu Wort gemeldet und eine „faktenbasierte Debatte“ gefordert. Es habe sich bereits gezeigt, dass die Tragstruktur des Juridicums insgesamt in einem guten Zustand sei und für unterschiedliche Nutzungsoptionen Potentiale biete. Allerdings seien noch weitere Untersuchungen nötig, etwa zur Fassade.Laut Koalitionsvertrag soll die Diskussion zur Zukunft des Juridicums in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Gegebenenfalls“ – gemeint ist wohl im Fall eines Votums für den Abriss – müsste 2027 oder 2028 in Absprache mit dem Land Hessen eine Entscheidung über die Umplanung der HfMDK getroffen werden, für die sich auch eine Bürgerinitiative einsetzt.Allerdings ist fraglich, ob das die Hochschule selbst überhaupt noch will. Anfang Juni hat sich der Senat mehrheitlich für die auf drei Standorte verteilte Lösung ausgesprochen. Darauf hat Gwechenberger in der vergangenen Woche auch im Stadtparlament hingewiesen. „Die Entscheidung des Senats ist für das Projekt sehr bedeutend“, sagte er. Darauf basierend, würden nun die nächsten Schritte eingeleitet, um das 2021 genehmigte Raumprogramm „vollständig und zeitnah“ zu realisieren. Das klingt nicht nach Neustart. Ehrgeizig bleiben die politischen Ziele: Nach Ansicht der Stadtverordneten Desislava Zhecheva (Die Grünen) hat der Kulturcampus „noch immer die Chance, zu einem städtebaulichen Leuchtturmprojekt zu werden“.