PfadnavigationHomePolitikDeutschlandDeutschlandtrendMerz stürzt auf neuen Tiefstwert – Union so schwach wie seit fast fünf Jahren nichtStand: 18:03 UhrLesedauer: 4 MinutenKanzler Friedrich Merz (CDU)Quelle: Getty Images/Sean Gallup; Montage: Infografik WELT/jbEine riesige Mehrheit der Deutschen zeigt sich unzufrieden mit der Arbeit des Kanzlers. Neben der Wirtschaftsschwäche treibt vor allem ein anderes Thema eine Mehrheit der Bürger um.„Deutschland kommt voran. Dies ist ein großer Schritt nach vorne“, verkündete Kanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag mit Bezug auf das schwarz-rote Reformpaket „für Aufschwung und Beschäftigung“. Auch der Regierungschef persönlich könnte einen „Aufschwung“ gebrauchen: Im Deutschlandtrend, der im Auftrag von ARD-„Tagesthemen“ und WELT erfasst wurde, stürzt Merz auf ein neues Rekordtief ab. In der Erhebung, die vor der Verkündung der Reformvorhaben abgeschlossen wurde, äußern sich nur 13 Prozent der Befragten „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ mit dem Kanzler. Das sind drei Prozentpunkte weniger als im Vormonat. 84 Prozent hingegen geben an, sie seien „weniger“ oder „gar nicht zufrieden“. Unter Unionsanhängern verhält es sich ausgewogener: 51 Prozent sind mit Merz unzufrieden, 48 Prozent hingegen zeigen sich von seiner Arbeit überzeugt.Lesen Sie auchUnbeliebter als Merz sind in der Gesamtbevölkerung nur Grünen-Chefin Franziska Brantner und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit je elf Prozent Zustimmung sowie Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner mit neun. Deutlich besser als der Kanzler schneidet die SPD-Spitze ab: Arbeitsministerin Bärbel Bas und Finanzminister Lars Klingbeil landen bei ihren Vormonatswerten: 18 beziehungsweise 21 Prozent. Knapp darüber liegt Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), mit dessen Arbeit 22 Prozent der Bürger zufrieden sind. AfD-Chefin Alice Weidel schafft es mit 27 Prozent in die Top drei des Rankings, sie liegt einen Punkt hinter Außenminister Johann Wadephul (CDU). An der Spitze mit weitem Abstand: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) – er ist der einzige Politiker, mit dem sich eine Mehrheit (52 Prozent) zufrieden äußert.Schlechte Nachrichten hält der Deutschlandtrend nicht nur für Merz persönlich, sondern auch für seine Union bereit: In der Sonntagsfrage gibt die CDU/CSU im Vergleich zum Vormonat einen Punkt ab und kommt aktuell auf 22 Prozent – das ist laut Infratest Dimap ihr niedrigster Stand seit November 2021. Beim Koalitionspartner läuft es ebenfalls schlecht, die SPD verliert einen Punkt und landet bei zwölf Prozent. Lesen Sie auchWie im Vormonat ist die AfD mit 27 Prozent stärkste Kraft. Grüne und Linke legen je einen Punkt zu, sie kommen auf 15 beziehungsweise elf Prozent.Mehrheit sieht Klimaschutz als PrioritätWelche Sorgen treiben die Deutschen aktuell am meisten um? Klar dominiert hier die schwächelnde Wirtschaft: 78 Prozent der Befragten geben an, sich „sehr große“ oder „große“ Sorgen um den Standort Deutschland zu machen. Auf Platz zwei findet sich die Befürchtung, „dass der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen zerstört“ – zwei Drittel der Bürger äußern sich entsprechend. Knapp mehr als die Hälfte äußern sich besorgt, „dass zu viele Fremde nach Deutschland kommen“. 48 Prozent befürchten laut Erhebung Geldprobleme im Alter. Die Sorge unter den befragten Erwerbstätigen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ist eher gering: Fast drei Viertel beschäftigt das Thema kaum oder gar nicht.Lesen Sie auchDas Thema Klimaschutz wurde von den Demoskopen noch näher beleuchtet. Eine Mehrheit von 58 Prozent findet, es sollte „angesichts der aktuellen Krisen und Herausforderungen“ dennoch „nicht hintenanstehen“. 36 Prozent hingegen sind der Auffassung, der Klimaschutz sollte niedrige Priorität haben. Nach Parteianhängern betrachtet, vertreten nur AfD-Anhänger letztere Einstellung mehrheitlich.Lesen Sie auchFür 89 Prozent der Bürger steht fest, dass die Politik mehr Geld bereitstellen solle, „um die Infrastruktur wie Verkehrswege, Schulen und Krankenhäuser besser auf künftige Hitzephasen vorzubereiten“. Zugleich sagt eine Mehrheit von 59 Prozent, dass sie bei dem Thema „eher die Industrie in der Pflicht als einzelne Konsumenten“ sähen. Dass die „ökologischen Kosten für Produkte, Güter und Dienstleistungen“ stärker in den Preis einfließen sollten, befürworten 38 Prozent.Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Bewertung von Reformvorschlägen der Rentenkommission. Dass der frühe Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren – die sogenannte Rente mit 63 – wegfallen soll, ist für 70 Prozent der Deutschen „die falsche Richtung“. Eine „Koppelung des regulären Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung“ stößt bei 63 Prozent auf Ablehnung. Positiv aufgenommen wird eine „Einbeziehung von Selbstständigen, Politikern und Vorständen von Aktiengesellschaften in die gesetzliche Rentenversicherung“ – 84 Prozent äußern sich entsprechend. 56 Prozent begrüßen „eine kapitalgedeckte Zusatzrente, bei der die Beitragssätze für Arbeitnehmer und Arbeitgeber leicht erhöht werden und dieser Teil verpflichtend am Kapitalmarkt angelegt wird“. In dem schwarz-roten Beschlusspapier steht, die Koalition werde die Empfehlungen der Kommission in einem Gesetzespaket umsetzen. „Dieses wird bis Ende 2026 im Deutschen Bundestag verabschiedet.“Für den repräsentativen Deutschlandtrend hat Infratest Dimap vom 29. Juni bis 1. Juli 1317 wahlberechtigte Bürger in 785 Telefon- und 532 Online-Interviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten.Johannes Wiedemann ist Leitender Redakteur Politik Deutschland.
Deutschlandtrend: Merz stürzt auf neuen Tiefstwert – Union so schwach wie seit fast fünf Jahren nicht - WELT
Eine riesige Mehrheit der Deutschen zeigt sich unzufrieden mit der Arbeit des Kanzlers. Neben der Wirtschaftsschwäche treibt vor allem ein anderes Thema eine Mehrheit der Bürger um.







