Zwei Tage hatte sich Joshua Kimmich Zeit gelassen, ehe er sich wieder zu Wort meldete. Schon nach der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay war er an die Mikrofone geschritten, um Fußballdeutschland Frage und Antwort zu stehen. Trotzdem wollte er sich noch mal an seine Fans wenden. „Es tut unendlich weh. Wir hatten so viel vor, wollten für die Fans und für Deutschland etwas Großes erreichen. Das erneute, frühe Scheitern ist schwer in Worte zu fassen. Wir müssen uns dieser Realität stellen und die Fehler gnadenlos analysieren“, schrieb er nach dem WM-Aus auf Instagram.Wieder mal ist Deutschland schon vor dem Achtelfinale aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Wieder mal mit Joshua Kimmich als einer der Säulen des Teams. Dabei läuft es für den 31-Jährigen im Verein doch so gut: Mit dem FC Bayern gewann er unzählige Meistertitel und spielte in der vergangenen Saison mit den besten Fußball in Europa. Warum also ist dieser Top-Spieler im Deutschlandtrikot scheinbar zum Scheitern verurteilt?
Die Zerrissenheit der eigenen Rolle
Das Problem beginnt bei Kimmichs Rolle im DFB-Team. Unter Bundestrainer Julian Nagelsmann läuft Kimmich nominell als rechter Außenverteidiger auf. Das kann er gut, wie er in der Vergangenheit gezeigt hat. Doch bei der WM zog es ihn im Ballbesitz permanent ins Zentrum. Er agierte in einer Art Hybridrolle zwischen Rechtsverteidiger und Sechser und musste so gefühlt zwei Positionen gleichzeitig ausfüllen.Diese Rolle nennt sich inverser Außenverteidiger. Sie hilft dabei, mehr Spieler im Zentrum des Platzes zu haben, und bietet dort eine weitere Anspielstation im Aufbauspiel. Das Problem? Kimmich wurde dadurch eine seiner großen Stärken genommen.Statt als reiner Rechtsverteidiger von Leroy Sanés Läufen zu profitieren, ihn entweder anspielen zu können oder selbst mit Platz zu flanken, half Kimmich in hinterster Linie dabei, den Ball zu verteilen, war aber selbst nicht mehr Teil der Offensive. Dass er als Rechtsverteidiger im vorderen Drittel für Gefahr sorgen kann, hat er bewiesen. Man denke an seine Vorlage auf Kingsley Coman im Champions-League-Finale 2020.










