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Autobauer: Die Produktion von Mercedes’ Schicksalsmodell stockt Mit dem GLC hat der Autohersteller sein meistverkauftes Modell elektrifiziert. Die Vorbestellungen sind hoch, die ersten Zulassungszahlen schwach. Der Grund: Probleme in der Produktion.
Michael Scheppe 02.07.2026 - 16:23 Uhr Artikel anhörenMercedes-Mitarbeiterin im Werk Bremen: Der elektrische GLC stößt auf hohes Kundeninteresse. Aber bis zur Auslieferung vergeht viel Wartezeit. Foto: Sina Schuldt/dpaBremen, Düsseldorf. Mitte Mai feierte Mercedes-Benz den nach eigenem Bekunden „erfolgreichen Produktionshochlauf“ des neuen SUV-Modells GLC. Produktionsvorstand Michael Schiebe führte Vertreter von Politik und Medien durch die Halle 9 im Bremer Werk. Dort wird das neue Elektroauto auf einer Linie mit Verbrenner- und Hybridfahrzeugen gefertigt.Was die Konzernverantwortlichen damals nicht erwähnten: Der Hochlauf des GLC stockt wegen fehlender Batterien und Bordnetze, wie das Handelsblatt nun aus Konzernkreisen erfahren hat. Für das Management um CEO Ola Källenius ist das ein Rückschlag.Der Autobauer hat mit dem GLC sein meistverkauftes Verbrenner-Modell erstmals als Elektrofahrzeug auf den Markt gebracht. Intern gilt es daher als „Schicksalsmodell“ für den Konzernchef.Mercedes kämpft mit schrumpfenden Verkaufszahlen und erodierenden Gewinnen. Elektroautos machten im ersten Quartal nicht einmal elf Prozent der Auslieferungen aus, deutlich weniger als bei der Konkurrenz. Mit einer Modelloffensive will Källenius nun gegensteuern: Der Autohersteller stellt zwischen 2025 und 2027 mehrere Dutzend neue Fahrzeugmodelle vor und verbreitert sein Angebot an Stromern deutlich.Dem GLC als Bestseller kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Die ersten Autos des im Herbst 2025 auf der Automesse IAA präsentierten Modells wurden am 14. März dieses Jahres an Kunden ausgeliefert. Allerdings folgten dann nur wenige weitere. Bis Ende Mai gab es bei dem bislang nur in Europa erhältlichen Fahrzeug lediglich 3300 Neuzulassungen. Das zeigen Handelsblatt-Auswertungen von Daten des Branchendienstleisters Dataforce.Rivale BMW hingegen hat von dem zwei Wochen länger ausgelieferten GLC-Konkurrenzmodell iX3 schon fast 15.500 Einheiten verkauft – knapp fünfmal so viele. Dabei produziert das Mercedes-Werk in Bremen den GLC im Dreischichtbetrieb, während BMW in Debrecen in Ungarn, wo der iX3 zusammengebaut wird, zwei Schichten fährt.Nach Angaben aus Mercedes-Konzernkreisen könnten in Bremen deutlich mehr Elektro-GLC vom Band laufen. Allerdings wird die Produktion wegen fehlender Teile ausgebremst. Ein Mercedes-Sprecher bestätigte das auf Anfrage: „Im Rahmen des Anlaufs des batterieelektrischen GLC kam es beim Hochlauf bei einigen wenigen Lieferanten zu Herausforderungen.“Probleme bei CATL in Ungarn sowie bei Kromberg & Schubert in MarokkoZum einen fehlen nach Handelsblatt-Informationen aus Konzernkreisen Batterien. Diese sollten vom chinesischen Konzern CATL aus der Fabrik in Debrecen im östlichen Ungarn geliefert werden. Doch der weltgrößte Hersteller von Batterien für Elektroautos hat Probleme mit der Umweltzertifizierung. In der Folge musste Mercedes die Akkus von CATL aus China beschaffen. Wegen langer Lieferzeiten über den Seeweg, die rund sechs Wochen und länger dauern, kam es dann aber zu Verzögerungen.Arbeiten an der Batterie im Werk Bremen: Lieferschwierigkeiten bei CATL führen zu Verzögerungen bei Mercedes. Foto: Mercedes-Benz AGVon den Lieferproblemen ist auch die Produktion des neuen Mercedes-Luxus-Vans VLE im Werk Vitoria betroffen. Die rund 800 Kilogramm schweren Batterien werden nun ebenfalls von China aus nach Spanien gebracht. Die Mehrkosten soll der Lieferant übernehmen.In Debrecen sollte eigentlich ein wichtiger Grundpfeiler für die Versorgung der europäischen Autoindustrie mit Zellen und Batterien entstehen. Aus der Giga-Fabrik von CATL mit einem Investitionsvolumen von 7,5 Milliarden Euro kommen bislang aber keine Batterien. Dabei war der Hochlauf für das erste Halbjahr 2026 geplant.Insight Innovation „Ein Zehnkampf“ – Warum die neuen E-Autos von Mercedes und BMW mehr Reichweite haben und schneller laden Die Verzögerungen sollen auch mit Veränderungen im politischen Ungarn zu tun haben. Ex-Ministerpräsident Victor Orban förderte die Batteriezellproduktion und legte weniger Augenmerk auf das Thema Umweltverschmutzung. Die neue Regierung von Péter Magyar sieht das anders und zeigt offenbar eine weniger laxe Haltung. Eine angebliche Verschmutzung des Abwassers im Werk von CATL soll Anfang Mai daher zu einem sofortigen Produktionsstopp geführt haben, heißt es in ungarischen Medienberichten.Die GLC-Produktion von Mercedes in Bremen leidet darüber hinaus darunter, dass es an Bordnetzen mangelt. Das ist eine wichtige Komponente, ohne die die Elektrosysteme eines Fahrzeugs nicht funktionieren. Der Grund soll ein Produktionsausfall beim Zulieferer Kromberg & Schubert in Marokko sein.Im Frühjahr war es in dem nordwestafrikanischen Land infolge heftiger Regenfälle zu schweren Überflutungen gekommen. Die intensiven Niederschläge gelten als Folge des Klimawandels. Dabei nahm die Fabrik des deutschen Zulieferers Schaden.Bordnetz-Fertigung: Viel Handarbeit ist nötig. Foto: LeoniNun will Mercedes bei den Bordnetzen auf Lieferanten setzen, die an verschiedenen Standorten ansässig sind. Allerdings dauerte der Hochlauf der Produktion bei den Zulieferern mehrere Wochen, weil Kabelbäume individuell und mit viel Handarbeit produziert werden.Noch vor wenigen Jahren wurden viele Kabelbäume in der Ukraine produziert. Infolge des russischen Angriffskrieges wurden die Werke der Zulieferer dort zerstört, weshalb sie auf andere Niedriglohnländer wie Marokko ausgewichen sind.Mercedes betonte auf Anfrage, beim GLC „die Herausforderungen gemeinsam mit seinen Lieferanten gelöst“ zu haben. Dem Vernehmen nach soll der Rückstand der nicht produzierten Elektro-GLC-Fahrzeuge bis Jahresende aufgeholt werden. Im Juni solle sich der Absatz des Modells gegenüber Mai etwa verdoppelt haben. Insider allerdings sind skeptisch, dass die Aufholjagd gelingen kann.Kritik am LieferkettenmanagementIn Konzernkreisen wird Kritik am Mercedes-Management laut, denn die Lieferkette sei zu wenig abgesichert. Um die Kosten zu drücken, beschaffe der Konzern wichtige Bauteile von zu wenigen Lieferanten und sichere sich nicht breit genug ab, heißt es. Die Beschaffung von alternativen Lieferanten sei aufwendig und würde die Produktionskosten in die Höhe treiben. Auf Anfrage wollte sich Mercedes dazu nicht äußern.Ola Källenius: Für den Mercedes-Chef sind die Lieferkettenprobleme ein herber Rückschlag. Foto: Bernd Weißbrod/dpaBei der Beschaffung von Speicherchips setzen Autokonzerne oft auf mehrere Lieferanten. Bei komplexen und kostspieligen Bauteilen wie Batterien oder Bordnetzen gilt eine Mehrfachabsicherung allerdings oft als zu teuer.Dabei zeigen Erfahrungen aus der Vergangenheit, was andernfalls passieren kann. So war es während der Coronapandemie in der gesamten Elektro-Autobranche zu Produktionsausfällen wegen fehlender Chips aus China gekommen. Im Anschluss hatten deutsche Autokonzerne versichert, ihre Lieferkette nun auch in anderen Bereichen breiter aufstellen zu wollen. Damit wollten sie sich gegen Ausfälle einzelner Lieferanten wappnen.Doch die Lage der Autokonzerne ist finanziell höchst angespannt. Mercedes muss angesichts der schwächelnden Lage Milliarden sparen – vor allem in der Produktion, bei Materialien und beim Personal. Erst am Freitag hatte der Konzern angekündigt, seinen Sparkurs zu verschärfen. Das Management will mit Betriebsräten über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sprechen. Zudem wurde eine für Juli vorgesehene Sonderzahlung zunächst gestrichen.Interview Mercedes-Chefaufseher: „Die Situation in Deutschland ist viel ernster, als die meisten denken“ Im Werk Bremen soll es nach dem Versand des Vorstand-Rundschreibens am Freitag zu Protesten gekommen sein. Beschäftigte verließen vor Schichtende ihre Arbeitsplätze. Einzelne Produktionsbereiche standen still.Laut den Sparplänen sollen die Produktionskosten bis 2027 im Vergleich zu 2024 um zehn Prozent sinken. Bei Materialien müssen die Einsparungen in diesem Zeitraum nach Willen von Finanzchef Harald Wilhelm bei acht Prozent liegen. Ob dabei die Einsparungen zulasten von sicheren Lieferketten gehen, wollte Mercedes auf Handelsblatt-Anfrage nicht beantworten.Mercedes-Werk Bremen baut gerade wieder mehr GLC-VerbrennerBesonders bitter ist für den Dax-Konzern: Die Nachfrage nach dem GLC ist vorhanden. Die Auftragsbücher sind bis weit in die zweite Jahreshälfte voll. In Händlerkreisen wird von einem hohen Interesse an dem Modell gesprochen. Der GLC sei eines der besten Elektroautos, die Mercedes je gebaut habe, sagt ein Händler. 50 Prozent der Kunden würden derzeit vollelektrische Fahrzeuge von Mercedes bestellen. Vor einigen Monaten seien es noch 20 Prozent gewesen, berichtet er.Wegen der hohen Nachfrage, aber auch wegen der Probleme in der Produktion müssen Kunden nun lange auf ihr Fahrzeug warten – derzeit rund ein halbes Jahr.Weil mit Batterien und Bordnetzen elementare Teile fehlen, können die Elektro-GLC-Fahrzeuge nicht vorproduziert und später final zusammengebaut werden. So ist der oft 70 Kilogramm schwere Kabelbaum eine der ersten Komponenten, die in jede Rohkarosse eingebaut werden.Mercedes GLC: Die Auftragsbücher sind bis weit in die zweite Jahreshälfte voll. Foto: MercedesStattdessen fertigt das Werk Bremen derzeit mehr GLC-Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die weiterhin stark nachgefragt werden. In den ersten fünf Monaten wurden in Europa laut Dataforce mehr als 32.000 neue GLC-Verbrenner zugelassen.Aufgrund der antriebsunabhängigen Produktion in Bremen ist die Umstellung möglich. „Das Werk Bremen arbeitet unverändert im Drei-Schicht-Betrieb“, teilt Mercedes mit. Allerdings könnte die Fabrik ihr selbst gestecktes Jahresziel verfehlen, dass die Hälfte der gefertigten Autos einen Elektroantrieb hat. In Halle 9 in Bremen sollen dieses Jahr rund 318.000 Fahrzeuge vom Band laufen. Dort werden auch Derivate des GLC und die Elektrolimousine EQE gefertigt.Mercedes hatte mit der Vorstellung der Absatzzahlen im ersten Quartal angekündigt, dass es für die Produktion des elektrischen GLC eine Sonderschicht an Samstagen geben soll. Diese findet nach Angaben aus Konzernkreisen bislang allerdings nicht statt. Verwandte Themen BremenUngarnChinaOla KälleniusBMWDer Schwenk zu mehr Verbrennern im GLC-Leitwerk Bremen wirkt sich auch auf das Werk Sindelfingen aus. Dort sollten eigentlich vermehrt GLC-Verbrenner gebaut werden, die gerade in Bremen vom Band laufen.Erstpublikation: 02.07.2026, 03:57 Uhr. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt






