PfadnavigationHomeReiseDeutschlandFüchse und SchuheWarum Camper ihre Schuhe besser nicht draußen lassenVon Kira HanserVerantwortliche Redakteurin im Ressort Stil, Leben und ReiseStand: 15:21 UhrLesedauer: 3 MinutenGanz schön ausgefuchst: Füchse verschleppen gern Plastikbecher und SchuheQuelle: Getty Images/Photodisc/VisionhausAuf einem Campingplatz passiert nicht unbedingt viel. Umso willkommener sind Neulinge, die die Regeln noch nicht kennen. Statt sie zu warnen, verfolgt man lieber ihre Missgeschicke. Das erlebte auch unsere Autorin.Erfahrenen Campern würde es nicht im Traum einfallen, Schuhe über Nacht draußen stehenzulassen. Sie schieben sie auch nicht unter das Wohnmobil oder unter den Camping-Bus oder ins Vorzelt. Sie bringen sie lieber in Sicherheit.Aus gutem Grund. Die Chancen wären sonst ausgesprochen hoch, dass am nächsten Tag einer der beiden Schuhe verschwunden ist. Oder beide.Dumm bloß, dass sich diese Regel noch nicht überall herumgesprochen hat – zum Beispiel bis zu jenen unerfahrenen Camper-Neulingen, die es gewohnt sind, ihre Outdoor-Schuhe auch genau dort stehenzulassen: also draußen, nicht drinnen. Lesen Sie auchDie Camping-Novizen sind dann am nächsten Tag nur mit einem Schuh unterwegs, beäugt von Camping-Nachbarn, die in Faltstühlen mit Dosenhalterung sitzen und schauen.Klar, sie hätten Anfänger warnen können. Aber Camper sind Individualisten, die lassen Neulinge sich lieber kalte Füße holen. Außerdem steigert deren Suche nach verschwundenen Schuhen den Unterhaltungsfaktor auf einem vergleichsweise ereignisarmen Campingplatz mitten in der Natur.Stehlen Füchse wirklich Schuhe?In dieser Nacht stand tatsächlich nur ein einziges Paar Schuhe weit und breit draußen vor der Tür. Birkenstock-Sandalen, ordentlich nebeneinander. Meine Sandalen. Am nächsten Morgen ist nur noch ein einzelner Schuh da. Wo ist die linke Sandale hin?Lesen Sie auchIch hüpfe mit einem Latschen zu einer Nachbarin, die schon auf der Lauer liegt. „Ach, das war der Fuchs“, sagt sie. Und setzt nach: „Man lässt Schuhe ja auch nicht draußen stehen.“ Ich beschließe, die Frau nicht zu mögen und suche weiter nach meiner verschwundenen Sandale. Sie bleibt verschollen.Stehlen Füchse wirklich Schuhe von Campingplätzen oder aus Gärten? Sind sie tatsächlich Schuhfetischisten? Nachgefragt. Allein in einem einzigen Sommer wurden in Trier, Wangen, Blaubeuren, Stuttgart und Berlin rund 50 abgekaute, angenagte Schuhe neben Fuchsbauten gefunden – Crocs, Flip-Flops, Sneaker, Adiletten, auch mal Gummistiefel, von Terrassen, aus Gärten und Hauseingängen verschleppt.Das Phänomen ist nicht neu – berühmt wurde ein schuhnärrischer Fuchs im rheinland-pfälzischen Föhren, der mehr als 200 Schuhe geklaut und neben seinem Bau gehortet hatte. Selbst in Hotelanlagen liegen die Tiere auf der Lauer, etwa in Zürich: Ein Schweizer Gast filmte an einem Hotelpool einen Fuchs, der am helllichten Tage einen Badelatschen klaute, während dessen Besitzer in Sichtweite im Whirlpool saß. Ganz schön ausgefuchst.Einen Schuhtick haben vor allem weibliche FüchseIn Japan versteht man mit Schuhdieben erst recht keinen Spaß. Dort ist es üblich, die Schuhe vor die Tür zu stellen. 2018 verdächtigten sich gegenseitig Nachbarn eines Wohnblocks bei Kyoto, ihre Schlappen gestohlen zu haben. Erst nachdem fünf Polizisten sechs Stunden lang nachts die Gegend observiert hatten, entdeckten sie die Missetäter: zwei Rotfüchse, die gerade triumphierend mehrere Schuhe wegschleppten.Füchse mögen also Schuhe. Warum bloß? Reinhard Klenke, Biologe und Populationsökologe am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, weiß Genaueres. „So ein wenig Fußschweiß, vielleicht vermischt mit Gummigeruch, ist attraktiv – für Füchse riecht die Welt eben anders.“Es sind übrigens, wen wundert’s, vor allem die weiblichen Tiere, die einen Schuhtick haben. Reinhard Klenke: „Die Fähen wollen den Kleinen etwas Spielzeug mitbringen.“ Das ist irgendwie rührend und sehr mütterlich. Füchse sind nämlich ziemlich verspielt und haben offenbar eine Vorliebe für Gegenstände aus Leder oder Kunststoff, die sie leicht wegtragen können. Meine linke Sandale bleibt jedenfalls verschwunden. Neues Spielzeug für gelangweilte Jungfüchse. Es sei ihnen gegönnt.