Die Zielgruppe hat Stihl-Chef Michael Traub genau im Blick: Mitarbeiter von kommunalen Bauhöfen und Gebäudereinigern, die morgens aufbrechen, um Beete zu pflegen, Rasenflächen zu stutzen und Treppenaufgänge zu reinigen. Und dabei Sägen, Hochdruckreiniger und Rasentrimmer an Stellen benötigen, an denen es keinen Stromanschluss gibt. „Die Ausrüstung muss zuverlässig laufen und täglich einsetzbar sein, verschiedene Ladesysteme sind dafür zu kostspielig“, sagt der Chef des international führenden Herstellers von Motorsägen. Daher sollen künftig die Garten- und Forstgeräte des Waiblinger Unternehmens und die Reinigungsgeräte von Kärcher mit den gleichen Akkus laufen.Die beiden schwäbischen Familienunternehmen gehen eine strategische Partnerschaft ein, die Traub am Donnerstag gemeinsam mit Kärcher-Chef Hartmut Jenner am Kärcher-Stammsitz in Winnenden vorstellte. Herz ist nach Angaben der beiden Unternehmen das von Stihl entwickelte Akku-System „Allpro“. „Durch diese historische Allianz treiben wir die Elektrifizierung professioneller Anwendungen konsequent voran“, sagt Jenner. „Bislang mussten unsere Kunden für unterschiedliche Arbeiten unterschiedliche Batteriesysteme nutzen.“Die Akkus hat Stihl entwickelt, für die das Unternehmen Lithium-Ionen-Zellen bei chinesischen Herstellern einkauft. Werke in Rumänien, den USA und auf den Philippinen fertigen aus den Zellen dann Akku-Packs auf 36-Volt-Basis. Für die Entwicklung der Batteriesysteme hat der Motorsägenhersteller in den vergangenen drei Jahren einen kleinen dreistelligen Millionenbetrag ausgegeben. Die Anpassung der eigenen Geräte an die Stihl-Akkus kostet Kärcher zehn Millionen Euro.Stihl-Chef Michael Traub(links) und Kärcher-Chef Hartmut Jenner bei der Präsentation der Akku-Allianz.dpaPrognosen für die Produktion und den Absatz der Akkus nannten die Unternehmen nicht. Bei Stihl ist der Anteil der Geräte, die mit Batterieantrieb laufen, zuletzt auf 27 Prozent gestiegen. Bei Kärcher liegt die Quote bei 40 Prozent, wenn man die kleinen Reinigungsgeräte für Fensterscheiben hinzurechnet.Das Angebot der neu entwickelten Akkus richtet sich vor allem an professionelle Anwender im Forst-, Garten- und Landschaftsbau sowie der Reinigungsbranche und des Gebäudemanagements. Und das ist nach Angaben von Stihl-Chef Traub auch der Grund, warum sich die Unternehmen nicht den in den vergangenen Jahren gegründeten Akku-Allianzen angeschlossen hat. „Wir beschäftigen uns seit zehn Jahren mit dem Thema, und die Kooperationen der Vergangenheit kamen aus dem Bereich Elektrowerkzeuge und haben sich an Endkunden gerichtet“, sagte Traub. „Diese Systeme reichten für unsere professionellen Anwendungen nicht aus.“Vor acht Jahren hat der Elektrowerkzeug-Hersteller Metabo die Akku-Allianz CAS (Cordless Alliance System) ins Leben gerufen. Inzwischen vereint sie 50 mittelständische Hersteller von Elektrowerkzeugen für Profis. Mit einem Akku können 500 verschiedene Maschinen betrieben werden. Zudem stellt die Elektrowerkzeugsparte von Bosch ihre Akkus anderen Anbietern zur Verfügung. Aktuell gehörten bereits 34 Partner dieser „AmpShare“-Akku-Allianz an – dazu gehören unter anderem Gardena, Husqvarna, BSH Hausgeräte, Flymo, Gloria, Wagner und Rapid.Der Grund dafür, dass Stihl und Kärcher der Bosch-Allianz nicht beigetreten sind, lag aber auch darin, dass beide Unternehmen die Batterietechnik als strategisches Wachstumsfeld identifiziert hatten, auf das sie große Hoffnung setzten. Nun ist die Hoffnung von Stihl und Kärcher die, dass sich nun ihrer Allianz weitere Partner anschließen. Dazu könnten Hersteller von Forstwinden, Geräteträger oder auch mobile Tankstellensysteme gehören.