PfadnavigationHomekmpktSpielzeug-HypeDas ist das neue Prestige-Spielzeug der WohlstandselternStand: 08:27 UhrLesedauer: 4 MinutenStapelsteine in einer ihrer VerwendungsformenQuelle: StapelsteinRund, bunt, kultig – und teurer, als man annehmen würde: Stapelsteine sind das neue Statussymbol im Kinderzimmer. Dahinter steckt die erstaunliche Erfolgsgeschichte eines deutschen Unternehmens.Er wolle niemandem zu nahe treten, leitet der Dad-Influencer sein Video auf seinem Kanal ein. Aber modernes Kinderspielzeug verstehe er manchmal nicht. „Bruder, das ist ein umgedrehter Plastiktopf für 200 Euro“, wundert sich der Mann und hält drei bunte, schalenähnliche Gegenstände in die Kamera.Die Rede ist von Stapelsteinen. Wer in Eltern-Communities auf Instagram und Co. unterwegs ist, kommt um die bunten Elemente aus Styropor-ähnlichem Material, die ein wenig wie Macaron-Hälften aussehen, nicht vorbei.269 Euro kostet ein All-In-Set mit zwölf verschieden großen Elementen und einem Balancierbrett aus demselben Material. Egal ob Balancieren, Sortierspiele, Türme bauen, Wasser schöpfen, Farben und Oberflächen entdecken – all das soll mit Stapelsteinen möglich sein, die derzeit die Feeds fluten.Hinter dem Spielzeug-Phänomen steckt ein deutsches Unternehmen aus dem schwäbischen Jungingen, das seine Ware mittlerweile weltweit verkauft.Die bunten, stapelbaren Steine sind zu einer Art Statussymbol für Akademikerhaushalte geworden. Sie werden Unternehmensangaben zufolge in Deutschland aus umweltfreundlichem und schadstofffreiem Material hergestellt und sind mittlerweile mit einem Siegel für pädagogisch wertvolles Spielzeug dekoriert. Eine Spielanleitung gibt es nicht. Man folgt der Montessori-Idee: Kinder können sich mit den Steinen frei beschäftigen und eigene Spielideen entdecken. Aspekte also, mit denen sich Eltern mit modernen pädagogischen Ansprüchen gern schmücken. Manches Elternteil lässt die Steine gleich als Designelement in der Wohnung stehen.Lesen Sie auchDoch die Ware kommt mit einem stattlichen Preis: 30 Euro werden pro Originalstein fällig, ein sogenannter „Grow“-Stein in XXL-Größe schlägt gar mit 190 Euro zu Buche. Preise für Eltern, die sich über Geld keine Sorgen machen müssen – zumal theoretisch auch Schüsseln, Wäschekörbe oder Kartons als Alternative für die Steine herhalten können.In Foren gibt es engagiert geführte Diskussionen darüber, ob sich der Preis überhaupt lohne. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein bahnbrechendes Spielzeug ist“, schreibt etwa eine Mutter in einem Elternforum. Eine andere hält dagegen und hat dem Posting zufolge gleich acht Stück erworben: „Unsere Tochter ist gerade 2 geworden und sie sind jeden Tag in Gebrauch. Auch Gäste finden sie immer toll.“Gegründet wurde das Unternehmen 2016 von Designer Stephan Schenk und Kommunikationswissenschaftlerin Hannah König. 2024 betrug der Umsatz des Unternehmens laut North Data schätzungsweise 16 Millionen Euro. Mittlerweile stapeln sich die Steine laut Schenk in über 800.000 Haushalten weltweit. Den internationalen Erfolg erklärt er sich unter anderem damit, dass die Stapelsteine keine Übersetzung bräuchten. Man könne einfach drauslos spielen.Kampf gegen NachahmerDas ruft Nachahmer auf den Plan, die etwa auf den Namen Pebblestone hören oder gleich als Kopie über Billig-Marktplätze wie Temu oder AliExpress in die Kinderzimmer verschifft werden. Auch bei Discountern gibt es längst Balanciersteine im Aktionssortiment. Kürzlich fand man bei Aldi ein ähnliches Produkt – als Viererpack für knapp 15 Euro. Die Konkurrenz sieht man bei Stapelsteine als Kompliment. „Jedes wirklich innovative Original wird früher oder später zitiert“, sagt Gründer Schenk. Solange die Wettbewerber „respektvoll mit unseren Patenten und Schutzrechten“ umgehen, zumindest. Andernfalls würde man als Unternehmen dagegen vorgehen. Den eigenen stattlichen Preis rechnet man damit, dass die Produkte als besonders langlebig entworfen seien.Ein Fall ging im April 2025 sogar bis vor den BGH – allerdings zuungunsten der Stapelstein-Erfinder, die gegen ein anderes Unternehmen aus Baden-Württemberg Plagiatsvorwürfe erhoben hatten. Das hatte unter dem Namen „MeinKreativStein“ ebenfalls sogenannte „EPP-Elemente“ verkauft (EPP steht für „Expandiertes Polypropylen“, das Material).Mit dem Ergebnis, dass die Konkurrenz ihre Steine weiterverkaufen darf. Nur dasselbe Material, dieselbe Oberfläche und dasselbe Spielkonzept rechtfertigen laut Gericht keine Abmahnung.Inzwischen setzt das Unternehmen auf limitierte Sondereditionen der Spielsteine. Kürzlich brachte man einen auf 300 Stück limitierten Ball im Design des ersten Stapelsteins auf den Markt – in Schwarz, mit weißen Sprenkeln. Der Ball konnte nur von ausgewählten Kunden erworben werden und war laut Unternehmensangaben in Windeseile weg. Später tauchten Exemplare auf Kleinanzeigen-Portalen zu höheren Preisen zum Weiterverkauf auf.Bei Stapelsteine muss man das insgeheim mit Zufriedenheit verfolgen. „Wenn der Markt uns ein so deutliches Signal sendet, arbeiten wir an Wegen, dieses Bedürfnis auch für mehr Menschen zu einem fairen Preis zu erfüllen“, sagt Gründer Schenk. Die nächste Geschäftsidee ist manchmal nicht weit.Sabine Winkler berichtet als freie Autorin für WELT regelmäßig über Familienthemen, Reisen und Popkultur. Zweimal im Monat erscheint montags ihr Newsletter „Läuft bei uns – der Familien-Newsletter“, in dem sie über ihr Leben als Mama schreibt.