KommentarSieht eine Frau im Frauenbad öfter einen fremden Penis, gewöhnt sie sich schon daran – findet die Stadt Bern. Die Realität übertrifft jede PersiflageDie Trans-Affäre im Marzili-Freibad zeigt, dass sich die Politik in der Bundesstadt in ein Paralleluniversum verabschiedet hat.01.07.2026, 16.05 Uhr3 LeseminutenÄrger im links-grünen Biotop: Im Marzili-Freibad werde zu wenig «queersensibel» gearbeitet, findet die Stadt Bern.Anthony Anex / KeystoneEs ist immer wieder verblüffend, mit wie viel Unnachgiebigkeit scheinbar aufgeschlossene Kulturkämpfer, die doch jeden Menschen als freies Individuum feiern, jenen begegnen, die womöglich nicht ganz alle ihre Ideen teilen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wenn im für Frauen reservierten FKK-Bereich des Marzili-Freibads eine Person mit Bart, Körperbehaarung und männlichen Geschlechtsmerkmalen für Irritationen bei anwesenden Frauen sorgt: Dann ist die Aufregung nicht etwa verständlich, sondern mindestens unsensibel, eher noch transfeindlich.Nun ist es nachvollziehbar, dass eine Transfrau, die in amtlichen Dokumenten ihr Geschlecht von männlich zu weiblich angepasst hat, Zugang zu Bereichen wünscht, die für Frauen vorgesehen sind.Wer jedoch wie ein Mann aussieht – oder wie man das heute in vermeintlich progressiven Kreisen ausdrückt: männlich gelesen wird –, kann nicht erwarten, dass das bei betroffenen Frauen im FKK-Bereich kein Störgefühl auslöst.Es ist intellektuell wenig ruhmreich, sich aufgrund ideologischer Überzeugungen (die nur eine Minderheit teilt) jeglicher Konversation zu verweigern.Nicht erklären oder ausweisen – so dass es zu einem Tumult kommt, der in einem Polizeieinsatz endet. Unkooperatives Verhalten gegenüber Einsatzkräften führt zu einem Besuch auf der Polizeiwache.Das Ganze gipfelt routiniert in einer Demonstration – gegen Transfeindlichkeit, gegen die Polizei – von selbsternannten feministischen Kreisen.Weil sich Frauen in ihrem geschützten Badi-Bereich wegen einer bärtigen Person unwohl gefühlt haben. Eine fast schon ironische Pointe.Hauptsache, die Gesinnung stimmtDiese Posse liesse sich abtun als kleiner Kulturkampf von radikalen Trans-Aktivistinnen. Doch in den genderbewegten Amtsstuben und Redaktionen wird daraus nur zu gerne eine Affäre konstruiert.Nur wenige Stunden nach dem Vorfall entschuldigte sich die Stadt Bern bei der Transfrau. Die Wegweisung aus der Badi sei ein Fehler gewesen. Warum, wird nicht ausgeführt. Kein Wort über das renitente Verhalten. Eher wurde, so formulierte es der Berner Sicherheitsdirektor Philippe Müller (FDP), eine Mitschuld der Polizei insinuiert.Hauptsache, die Gesinnung stimmt. Dann braucht es auch keine Begründung mehr.Überraschen kann das nicht. Ursina Anderegg, die zuständige grüne Direktorin für Bildung, Soziales und Sport, steht offen zu ihrem queeren Aktivismus. Das hat Folgen. Die Badi-Mitarbeiter des Marzili – nun wirklich nicht im Verdacht stehend, Verfechter toxischer Männlichkeit zu sein – müssen nun in eine Schulung für «queersensiblen Umgang».Das Neuste aus AbsurdistanImmerhin, etwas Empathie für Frauen, die sich an männlichen Geschlechtsteilen im Frauenbereich stören, bringt die Stadt Bern doch noch auf. Man verstehe das Unbehagen, die Ängste. Doch man wisse, dass diese «negativen Gefühle» durch «persönliche Begegnungen an Bedrohlichkeit» verlören.Wer als Frau im Frauenbad öfter einen fremden Penis sieht, der gewöhnt sich schon daran.Das Neuste aus Absurdistan. Und wohl nicht einmal in progressiven Hochburgen mehrheitsfähig. Selbst in Zürich erhalten «männlich gelesene Personen» in der Frauenbadi keinen Einlass.Für Ursina Anderegg reicht es jedoch, wenn sich jemand in einer Frauenbadi per Selbstdeklaration als Frau sieht. Auch «Transfrauen mit männlichem Erscheinungsbild» seien hochwillkommen. Damit die Frauen nicht wegblieben, könnte sie sich «sanfte Rückzugsorte» vorstellen, beispielsweise mit «Pflanzentöpfen». So wird jede Persiflage von der Realität überholt.In der Wirklichkeit kann man in den Kommentarspalten von Zeitungen und Online-Plattformen nachlesen, was die Menschen vom Berner Aktivismus halten. Das Urteil der Leser fällt vernichtend aus.Den Tenor fasst die Ex-Transfrau Chris Brönnimann am besten zusammen: «Als Person, die diesen Weg gegangen ist, spreche ich aus Erfahrung: Während meiner Transition wäre es mir aus Respekt vor Frauen nie im Traum eingefallen, eine Frauenbadi zu betreten.» Das ist die Erwartungshaltung der Mehrheitsgesellschaft. Weil zumindest die Gefahr droht, dass die Frauen nicht mehr (gerne) kommen.Wer sich aber, wie die Stadt Bern, in solch schrillen Paralleluniversen bewegt, der schadet nicht nur den Frauen. Sondern auch der Akzeptanz von Transmenschen.Passend zum Artikel
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Die Trans-Affäre im Marzili-Freibad zeigt, dass sich die Politik in der Bundesstadt in ein Paralleluniversum verabschiedet hat.










