PfadnavigationHomePolitikAuslandReise des AußenministersUmkämpftes Terrain – Wie Deutschland um die Gunst der Südamerikaner wirbtStand: 14:53 UhrLesedauer: 4 MinutenAußenminister Johann Wadephul (r.) wird beim Mercosur-Gipfel von Paraguays Präsident Santiago Peña begrüßtQuelle: DANIEL DUARTE/AFPNachdem Merz in Südamerika Porzellan zerschlagen hatte, will Außenminister Wadephul beim Mercosur-Gipfel wieder ein stabiles Verhältnis aufbauen. Das ist auch notwendig – denn der Kontinent liebäugelt bereits mit Kontakten zu einer Weltmacht.Bundesaußenminister Johann Wadephuls Reise nach Südamerika ist eng getaktet. Hier ein kurzes Treffen mit Chiles neuem deutschstämmigen Präsidenten José Antonio Kast, dort ein Gespräch mit Paraguays Präsidenten Santiago Peña. Der ist Gastgeber beim Gipfeltreffen des südamerikanischen Handelsbündnisses Mercosur. In der Hauptstadt Asunción ist der deutsche Gast in diesen Tagen gerade besonders gern gesehen, herrscht doch nach dem Sieg über Deutschland bei der WM ein Jubel-Ausnahmezustand.Peña hatte – wie zuvor bereits sein ecuadorianischer Amtskollege Daniel Noboa nach dem eigenen Sieg über Deutschland – kurzerhand per Dekret einen nationalen Feiertag angeordnet. Wadephul nimmt den Ball auf und gratuliert: „Im Fußball kann nur eine Mannschaft das Spiel gewinnen. Herzlichen Glückwunsch an die paraguayische Mannschaft zum Sieg.“ Nicht nur im Fußball verändern sich gerade die weltweiten Kräfteverhältnisse.Dann aber geht es ums Geschäft. Beim Mercosur-Gipfel sitzt anders als in den Vorjahren dieses Mal auch der deutsche Außenminister mit am Tisch. Es ist der Auftakt zu einer Südamerikareise, die auf eine neue Ausrichtung der Lateinamerikapolitik des Auswärtigen Amtes hindeutet. Berlin will offenbar wieder mehr Wert auf die Handelsbeziehungen legen. Und das Mercosur-Bündnis ist dafür ein ideales Vehikel.Doch Lateinamerika erlebt derzeit in vielen Ländern einen Politikwechsel – und zu vielen der neuen, konservativen Regierungen hat das Auswärtige Amt kaum Kontakte aufgebaut. Für Wadephul geht es bei seiner Reise auch darum, Deutschland in Konkurrenz zu anderen Kooperationspartnern wie den USA oder China zu positionieren.Lesen Sie auchDer vor Kurzem abgeschlossene EU-Mercosur-Freihandelsvertrag war von Europas Wirtschaft und Industrie nach 25 langen Verhandlungsjahren herbeigesehnt worden. Für Berlin und Brüssel ist er in Zeiten geopolitischer Veränderungen eine große Chance. Lateinamerika hat, was Europa braucht: Rohstoffe und einen Absatzmarkt. Lesen Sie auchDas Abkommen werde „es unseren Volkswirtschaften ermöglichen, Handelsbeziehungen zu diversifizieren, Investitionen zu steigern, Innovationen zu beschleunigen und neue, integrierte und widerstandsfähigere Lieferketten über beide Blöcke hinweg zu schaffen“, sagt Wadephul. Der Außenminister zeigt sich bei seinem Besuch demütig und erinnert daran, dass alle am Vertrag beteiligten Länder souveräne Demokratien sind. Was impliziert, dass sie keine Belehrungen brauchen. Lesen Sie auch„Die bemerkenswerte Geschwindigkeit, mit der die Parlamente in Brasilien, Argentinien, Uruguay und hier in Paraguay unser Handelsabkommen angenommen und ratifiziert haben. Das war ein deutliches Signal der Unterstützung für unsere Partnerschaft – das ist nicht unbemerkt geblieben“, sagte Wadepfuhl.Er versprach, dass Deutschland nachlegen wird: „In diesem Sinne planen wir, im nächsten Monat als eines der ersten EU-Länder offiziell mit der Ratifizierung des EU-Mercosur-Partnerschaftsabkommens zu beginnen – was unsere politische Partnerschaft auf eine noch höhere Ebene heben wird.“China bereits im BlickNach dem Mercosur-Gipfel in Paraguay ist auch auf der zweiten Station in Argentinien viel Diplomatie notwendig. Im Wahlkampf 2024 hatte Bundeskanzler Merz den argentinischen Präsidenten Javier Milei scharf kritisiert: „Was dieser Präsident dort macht, er ruiniert das Land, tritt die Menschen mit Füßen.“ Inzwischen hat der libertäre Staatschef allerdings die Inflation sowie die Armutsrate deutlich reduziert.In Buenos Aires will Wadephul nach Angaben seines Ministeriums die bilaterale Zusammenarbeit mit Argentinien im zentralen Zukunftsfeld der kritischen Rohstoffe und Mineralien ausbauen. Eine Absichtserklärung soll für beide Seiten die Grundlage für engere Kooperationen liefern. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit für Deutschland zu stärken und zugleich die Wertschöpfung und industrielle Entwicklung in Argentinien zu fördern. Ein direktes Treffen mit Milei in Asunción gab es nicht, da der Argentinier wegen regierungsinterner Querelen seine Reise nach Paraguay kurzfristig absagte. Immerhin dürfte sich Wadephul in Brasilien nicht mehr mit den „Stadtbild“-Äußerungen des Kanzlers vom November herumschlagen müssen. Merz hatte sich nach der Rückkehr von der Weltklimakonferenz in der brasilianischen Stadt Belém auf eine Weise über die arme Stadt geäußert, die viele Brasilianer als beleidigend und abschätzig empfanden.Lesen Sie auchDie deutsche Delegation sei froh gewesen, „von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt“ zu sein, hatte der Kanzler gesagt. Auch der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kritisierte Merz dafür, versöhnte sich dann aber beim G20-Gipfel in Johannesburg wieder mit ihm.Im brasilianischen São Paulo, der letzten Station von Wadephuls Reise, soll es um wirtschaftliche Themen gehen. Bei einer Konferenz der Deutschen Auslandshandelskammer wirbt Wadephul für eine engere wirtschaftliche Vernetzung Deutschlands mit Brasilien und den Mercosur-Staaten. Die haben nämlich bereits neue Partnerschaften im Blick. In Asunción warb Brasiliens Präsident Lula da Silva für eine engere Kooperation der Südamerikaner mit China.Tobias Käufer ist Lateinamerika-Korrespondent. Im Auftrag von WELT berichtet er seit 2009 über die Entwicklungen in der Region.